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D: Angriffe auf Rettungsdienstpersonal –> Nun Selbstschutz Intensiv-Seminare

Deutschland: In Zeiten zunehmender Gewalt und Brutalität, so wie im Umgang mit Patienten die unter der Wirkung von Alkohol, sonstigen Drogen, oder in einem psychischen Ausnahmezustand sind, …

… bleibt es nicht aus, dass auch Rettungsdienstpersonal und Notärzte tätlichen Angriffen ausgesetzt sind.

Ein Bericht von Alfred Brandner
-international anerkannter u. geprüfter Taekwondomeister (World Taekwondo Headquarters)
-Instruktor für Selbstverteidigung
-Rettungsassistent

Rettungsfachpersonal hatte seither darauf vertraut, als „gute Samariter“ von Angriffen verschont zu bleiben. Doch dem ist nicht so. Es gibt Berichte, aus denen hervorgeht, dass bereits im Jahr 2003 mehr als 30 tätliche Angriffe auf Rettungsdienstpersonal erfolgt sind. Bis heute ist eine stetige Zunahme dieser Straftaten erkennbar. So z.B. in Augsburg. Die Besatzung eines Rettungswagens wurde geschlagen, weil sie bedingt durch die falschen Adressangaben des Anrufers verspätet eintraf. In Ulm wurden zwei Besatzungsmitglieder während dem Einsatz mit gezielten Kopfstößen in das Gesicht „niedergemacht“. Aus Buchholz kommt die Meldung, dass eine Fahrzeugbesatzung von einem betrunkenen angegriffen und verletzt wurde. In Kleve erlitten Kollegen bei einem Angriff Prellungen und Quetschungen. In Langhorn bedrohte ein psychisch kranker die Besatzung mit einem Messer, so dass diese sich nur mit der Flucht aus dem eigenen Fahrzeug retten konnte. In Fulda griff ein Täter das Rettungsfachpersonal mit einem Messer an. Weitere bereits dokumentierte Angriffe aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Wie man auf Drohungen und Gewaltanwendungen im Dienst sinnvoll reagieren soll, ist inzwischen in nahezu allen Rettungsdienstbereichen ein aktuelles Thema. Als aktiver im Taekwondo, und geschult in Selbstverteidigungspraktiken anderer Disziplinen, entstand bei mir die Idee zur Ausarbeitung geeigneter Selbstschutzseminare für Rettungsfachpersonal. Ich muss gestehen, dass ich mir die Umsetzung meiner Vorstellungen nicht leicht gemacht habe. Gewalt und Gegengewalt im Rettungsdienst ? Diese Frage an mich selbst gerichtet erwies sich zunächst als Hemmschwelle und brachte eine enorme zeitliche Verzögerung. Nach Überwindung dieser Hürden, habe ich dann im Dezember 2005 die ersten Seminare bei Hilfsorganisationen durchgeführt. Diese fanden regen Zuspruch und trafen stets auf eine äußerst positive Resonanz, so dass bereits in 2006 / 07 weitere Lehrgänge gewünscht waren. Zur Zeit laufen bei mir die Vorbereitungen für eine Fortbildungsreihe „Deeskalation und Selbstverteidigung“ für Rettungsfachpersonal und Notärzte im Rahmen wöchentlicher betriebsinterner Fortbildungsmaßnahmen bei einer anerkannten Hilfsorganisation. (12.07 bis 01.08)

Grundlegender Inhalt der Ausbildung ist die Erläuterung gesetzlicher Vorgaben. Notwehr und die Verhältnismäßigkeit der Mittel werden mit praktischen Beispielen belegt. Rollenspiele verdeutlichen das Gefahrenpotenzial an Einsatzstellen. Besprochen wird der Umgang mit Gewalt und Aggression im rettungsdienstlichen Einsatz

Bei der praktischen Ausbildung kommen keine schwer zu erlernenden Kampfsporttechniken zur Anwendung. Gelehrt werden einfache Abwehr- und Befreiungsgriffe. Ziel der Unterweisung ist es, dem Rettungsdienstmitarbeiter angemessene Verhaltensweisen im Umgang mit „auffälligen“ Patienten oder Umfeld zu vermitteln. Bei einem eventuellen Angriff sollen einfache, aber effektive Techniken, Schutz und die Möglichkeit zur Flucht gewährleisten. Die Einbeziehung in ein „Kampfgeschehen“ ist grundsätzlich zu vermeiden. Eigene Erfahrungen und Erkenntnisse aus diversen Einsätzen, ermöglichen einen optimalen Praxisbezug. Die Ausbildung ist insgesamt auf die Bedürfnisse von Rettungsdienstpersonal und Notärzte zugeschnitten.

Man muss aber bedenken, dass diese Selbstschutz-Seminare aber eher als kleine Arbeitshilfe zu sehen sind. Letztendlich ist Kampfkunst ein Lebensweg und kann nicht in einem Semester oder gar wenigen Stunden erlernt werden. Kampfkunst ist auch nicht dazu gedacht gegen jeden Angreifer gewappnet zu sein, sondern seine Persönlichkeit so weit zu entwickeln, dass Angreifern aus dem Weg gegangen werden kann. Rettungsdienstpersonal sollte bei erkennbarem Gewaltpotenzial den sofortigen Rückzug antreten, und unverzüglich die Polizei alarmieren. Die im Seminar erlernten Techniken können und sollen insbesondere im Falle eines nicht vorhersehbaren Angriffes Schutz und Fluchtmöglichkeit bieten – nicht mehr. Vor Selbstüberschätzung warne ich ausdrücklich. Und auf „Rettungsdienst – Rambos „ können wir gerne verzichten.

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