Deutschland: Das Kalb im Strafraum
Reichel/Pipinsried (Deutschland): Ein Kalb hat in den vergangenen zehn Tagen die Einwohner von Reichel und Umgebung auf Trab gehalten. Das kleine Rindvieh war ausgebrochen und ließ sich einfach nicht fangen. Schließlich wurde es gestellt: Ausgerechnet auf dem Pipinsrieder Fußballplatz. FCP-Präsident Höß bangte um seinen „heiligen Rasen“.
Es kommt immer wieder vor, dass Kühe saftige Wiesen dem trockenen Stall vorziehen und das Weite suchen. Erst am Mittwoch, 30.3.2011, waren bei Petershausen elf Rindviecher aus einem Transporter entwichen (wir haben berichtet).
Den Landwirten Jochen und Martin Brandstetter aus Reichel bei Tandern entwischten sieben Stück. Sechs ließen sich schnell wieder einfangen. Ein Kalb, ein dreiviertel Jahr alt, 250 Kilogramm schwer und namenlos, nicht. Es verzupfte sich ins Schmarrnzeller Holz – und kam nur nachts raus, um friedlich grasen zu können.
Die Brandstetters mobilisierten eine Art „Bürgerwehr“, bestehend aus Freunden, einem Jäger und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Randelsried, die das „freiwillig“ wörtlich nahmen. Immer wieder waren bis zu zehn Männer dem Kalb auf den Fersen. „Wir hätten es fast gehabt, dann ist es doch wieder ausgebüxt“, so Jochen Brandstetter. Tagelang ließ sich das hurtige Huftier nicht dingfest machen.
Bis gestern, 1.4.2011. Kurz nach Mitternacht – die Häscher lagen wieder auf der Lauer – trabte der Ausreißer munter durch das von seiner Heimat immerhin sieben Kilometer entfernte Pipinsried. Beim örtlichen FC fand es zwischen den Tennisplätzen und dem Nebenfeld eine Lücke im Zaun, marschierte hinein und: wurde von den Scheinwerfern der Feuerwehr entdeckt.
Gestellt wurde das Kalb dann auf dem Hauptspielfeld der Fußballer. Die entscheidende Szene hat sich in etwa so abgespielt: Das Rindvieh lief über halblinks, näherte sich dem Strafraum, und als es Richtung Tor wollte, fiel der entscheidende Schuss. Jäger Josef Hecht aus Hirschenhausen hatte mit seinem Betäubungsgewehr genau gezielt. Das Kalb sank nieder und streckte alle Viere von sich. In aller Ruhe konnte es auf den Brandstetterschen Anhänger gehievt und unversehrt zurück in den heimatlichen Stall gebracht werden.
„Ein ganz raffiniertes Stückerl. Unglaublich, wie es bei uns reingekommen ist“, sagt FCP-Präsident Konrad Höß, der schwere Sorge um seinen „heiligen Rasen“ trug. Unbegründet, wie sich herausstellte. Den von ihm akribisch gepflegten Rasen zierten nur ein paar tiefe Paarhuferabdrücke, die Höß schnell wieder „glattgebügelt“ hatte.
Entwarnung also für die FCP-Fans: Die Heimpartie am Sonntag gegen den FC Affing wird pünktlich um 17 Uhr angepfiffen.
