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Deutschland: Anerkennung der Ausbildung -> In Hessen brennt Feuer nicht anders

Marborn (Deutschland): Dass die Uhren in Bayern und Hessen vielfach unterschiedlich ticken, zeichnet sich in einigen Bereichen ab – auch im Feuerwehrwesen. In einem speziellen Fall wird dies bei der Feuerwehr Marborn deutlich, worüber großes Unverständnis herrscht.

Schon seit einiger Zeit ist die Feuerwehr Marborn auf der Suche nach Führungskräften. Insbesondere fehlt zurzeit ein stellvertretender Wehrführer. Mit dem aus Bayern stammenden und jetzt in Marborn wohnenden gut ausgebildeten Wehrmann Kai Erretkamps steht eine qualifizierte Führungskraft zur Verfügung, doch die Ländergrenze legt gravierende Hemmnisse auf. Denn: Die von Erretkamps in Bayern absolvierten hochkarätigen Lehrgänge werden in Hessen nicht anerkannt. Großes Unverständnis und zugleich Verärgerung herrschen hierüber bei der Marborner Wehr, insbesondere beim Wehrvorsitzenden Hans-Jürgen Salomon. „In Hessen brennt das Feuer auch nicht anders als in Bayern“, gibt Salomon seinem Unmut Ausdruck.

Führungskräfte sind gesucht
Kai Erretkamps ist Ende 2008 berufsbedingt mit seiner Familie vom bayerischen Kahl am Main nach Marborn gezogen. Der 41-Jährige ist Niederlassungsleiter eines in Steinau ansässigen Abschleppunternehmens. Seit Anfang 2009 ist er Aktiver in der Wehr Marborn. Zuvor war er 25 Jahre bei der Stützpunktwehr Kahl aktiv und hat dort auch Führungsaufgaben ausgeübt. Er verfügt über einen Ausbildungsstand mit einer Vielzahl von Lehrgängen, wie ihn nur ganz wenige Wehrleute haben.

Der Marborner Wehrführer und zugleich stellvertretende Stadtbrandinspektor Andreas Heil richtete eine Anfrage an Kreisbrandinspektor Markus Busanni bezüglich der Anerkennung der bayerischen Lehrgangsbescheide. Von der hessischen Landesfeuerwehr-schule in Kassel kam nun die Mitteilung, dass einige Lehrgänge anerkannt werden, andere jedoch nicht. Insbesondere handelt es sich dabei um die von Erretkamps besuchten Lehrgänge Gruppenführer, Zugführer und Leiter einer Feuerwehr. Begründet wird dies damit, dass die in Bayern angebotenen Seminare nicht den Vorgaben der hessischen Landesfeuerwehrschule entsprechen.

Großes Unverständnis über die Entscheidung herrscht sowohl bei den Marborner Wehrverantwortlichen als auch bei dem Betroffenen selbst. „Wir leben in einem vereinten Europa, aber in einem geteilten Deutschland“, äußert Kai Erretkamps seinen Unmut. Schon während seiner Dienstzeit bei der Feuerwehr Kahl habe die Ländergrenze unsinnige Probleme aufgeworfen. So sei die Feuerwehr im direkt angrenzenden hessischen Großkrotzenburg nicht in den Alarmierungsplan der bayerischen Stadt aufgenommen worden.

Die Kleinstaaterei müsste mal ein Ende haben, meint Wehrführer Heil. Die Feuerwehr-Dienstvorschriften würden in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich angewendet. „Das Ehrenamt wird mit den Füßen getreten“, macht Vorsitzender Salomon seinem Ärger Luft. Jetzt habe man mal einen bestens ausgebildeten Vorzeigefeuerwehrmann, der auch willens sei, Führungsaufgaben zu übernehmen, und dann werde dessen Ausbildung nicht anerkannt. Zumal bei der Marborner Wehr großer Bedarf an Führungskräften bestehe.

Nach dem Wegzug des seitherigen stellvertretenden Wehrführers Jan Czepluch im Sommer sei dieses Amt vakant. Zudem endet die Amtszeit von Wehrführer Andreas Heil am 31. März. Wie es danach mit der Führung der Marborner Wehr weitergeht, ist zurzeit noch nicht geklärt. Müsste Kai Erretkamps die Lehrgänge erneut absolvieren, bedeutet dies ein großer Zeit- und Kostenaufwand.

Fuldaer Zeitung

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