Deutschland: Wasser hilft auch Tieren in der Not
Bickenbach (Deutschland): Andreas Daniel und René Coradill von der Freiwilligen Feuerwehr Bickenbach erzählen über ungewöhnliche Einsätze.
Sein spektakulärster Fall war die Rettung von drei Haien. Mut hat das schon erfordert, aber Feuerwehrmann René Coradill aus Bickenbach wiegelt ab: »Irgendjemand musste es ja machen.« Also griff der damals 20 Jahre alte Mann beherzt zu, als die Freiwillige Feuerwehr Bickenbach bei einem Brand in einem Laden für Meerwasseraquarien drei Haie aus ihrem Becken bergen musste, weil die Sauerstoffzufuhr durch ein Feuer unterbrochen war. Keine alltägliche Situation.
Bei Tierrettungen kann die Feuerwehr im Landkreis auf Expertenwissen zurück greifen, die Zusammenarbeit mit Tierärzten oder auch dem Vivarium Darmstadt funktioniert gut. Nur bei der Sache mit dem Hai wusste keiner weiter, erst ein Anruf im Tierpark Hagenbeck in Hamburg half.
Viel häufiger müssen aber Katzen aus Bäumen gerettet werden. Da gibt es drei Möglichkeiten, sagt Coradill. Erstens: Leiter ausfahren, möglichst dicht dran und das Tier locken. Meist lässt sich die Katze nicht darauf ein, sondern verzieht sich auf die höchsten Zweige. Dann hilft nur: Geduld und warten. Eine zweite Variante ist das Runterschütteln. Das funktioniert aber nur bei kleineren Bäumen. Ist auch nicht so schlimm, wie es sich anhört, denn die Katze stürzt nicht ab, sondern hangelt sich von Ast zu Ast nach unten. Variante drei klingt ganz unfreundlich, wird auch nur in äußersten Notfällen angewendet, funktioniert aber zuverlässig: Regen simulieren und die Katze nassspritzen.
Feuchtigkeit hilft auch bei Wespen, um ein Volk und sein Nest umzuquartieren, erklärt Andreas Daniel (43). Er ist Insektenbeauftragter der Gemeinde Bickenbach. »Bei Regen schließen sich Wespen oder Bienen wie eine Kugel zusammen.« So lässt sich das Volk als kompakter Klumpen in der Transportbox verstauen und an einen neuen Standort umsiedeln. Dieser sollte gut zehn Kilometer entfernt sein, sonst kehren die Tiere aus Gewohnheit einfach wieder zurück.
Bei solchen Einsätzen geht es weniger um die Tierrettung, als um den Schutz der Menschen, fügt Daniel hinzu. Die Feuerwehr rückt nur an, wenn akute Gefahr besteht. Sonst vermittelt sie einen kommerziellen Kammerjäger.
Eine besondere Ausbildung brauchen Tierretter nicht, abgesehen vom Umgang mit Insekten. Wer grade da ist und zum Einsatz rausfährt, der muss eben ran. Es wird niemand gezwungen, wenn er Angst hat.
Coradill hält zwar zwei Hunde, hat aber großen Respekt vor Kampfhunden oder aggressiven Hunden. Wenn es gar nicht anders geht, rufen die Feuerwehrmänner die Polizei zur Hilfe. »Bevor der Wohnblock oder das Haus abbrennen, weil wir wegen eines aggressiven Hundes nicht auf das Grundstück kommen, muss das Tier im Zweifelsfall erschossen werden«, sagt Daniel. Das sei in Bickenbach aber noch nicht geschehen.
Auch nicht ungefährlich war vor Jahren die Sache mit dem Pferd. Die Weide war über dem Stall angelegt und das Pferd durch das Dach eingebrochen. Aus Angst hat es gestrampelt und sich Schnittverletzungen zugezogen. Einfach so in den engen Stall an das strampelnde Tier herangehen, war nicht möglich, eine Bergung mit Kran oder Leiter war aus baulichen Gründen nicht machbar. Erst nach einer Beruhigungsspritze vom Tierarzt konnten die Männer Stroh unterlegen, so dass das Pferd sich schließlich selbst befreien konnte.
Alarm geschlagen hatte in einem anderen Fall ein Anwohner, als die Feuerwehr eines Abends auf dem Friedhof ein Erdwespennest buchstäblich ausräucherte. »Erdwespen kann man nicht umquartieren, da hilft wirklich nur der Bunsenbrenner«, sagt Daniel. Das Nest war genau am Eingang und musste entfernt werden, da die Tiere regelmäßig Friedhofsbesucher gestochen hatten. Also rückte die Feuerwehr in der Abenddämmerung aus, drei Mann in weißer Schutzkleidung. »Auf dem Friedhof hatte es vorher Sachbeschädigungen gegeben und ein Anwohner hielt uns für Mitglieder des Ku-Klux-Clans und rief die Polizei, die das Gelände umstellte«, sagt Daniel. Das Missverständnis ließ sich schnell aufklären.
Der Hai hatte den Brand in dem Laden übrigens selbst ausgelöst: Weil er mit der Schwanzflosse eine Neonröhre zerschlug, gab es einen Kurzschluss, und das Geschäft brannte aus.
