Waldbrände -> Feuer mit Feuer bekämpfen
Seit Wochen wüten in Russland heftige Brände, vergangenes Jahr zerstörte das Feuer weite Flächen von Kanada, Korsika, Portugal, Kalifornien, Australien, Griechenland und La Palma.
Weltweit brennen Jahr für Jahr über 300 Millionen Hektar Land ab. Auch Deutschland ist vor Waldbränden nicht sicher. Der Feuerökologe Johann Goldammer weiß, wie man die rote Glut mit ihren eigenen Waffen schlagen kann.
Im August 1975 herrschte Katastrophenalarm in der Lüneburger Heide. Erst nach zehn Tagen konnten die Brände gelöscht werden: Fünf Feuerwehrleute starben, 14.000 Hektar Land verbrannte. Heute fürchtet in Deutschland kaum jemand mehr eine solche Katastrophe – vielleicht zu Unrecht. Denn mit dem Klimawandel werden die Dürreperioden auch hierzulande häufiger werden, prognostiziert der Forstwissenschaftler Johann Goldammer, der die Abteilung Feuerökologie des Max-Planck-Instituts für Chemie an der Universität Freiburg leitet. Als Chef des „Global Fire Monitoring Center“ beobachtet er weltweit Wald- und Buschbrände: „Wir werden für gewisse Zeiten auch absterbende Bäume, vielleicht auch absterbende Wälder haben. Und die tragen dazu bei, dass die Waldbrandgefahr in den kommenden Jahren möglicherweise sehr, sehr groß wird.“
Dem Feuer die Nahrung nehmen
Ein Waldbrand beginnt als Bodenfeuer, das man zunächst leicht löschen kann. Wenn es genug Brennmaterial findet, greift das Feuer jedoch schnell auf die Baumkronen über. Ein solches Kronenfeuer ist schwer zu bekämpfen, es kann über 1.000 Grad heiß werden. Mit ihrer Technik des kontrollierten Brennens versuchen die Forscher um Goldammer, leicht entzündliches Bodenmaterial „herauszubrennen“, bevor es zu einem Wildbrand kommen kann – und ohne den Wald dabei zu schädigen. Doch diese Technik ist nicht ohne Risiko: Schlägt beispielsweise der Wind unerwartet um, kann ein kontrolliertes Feuer, das gegen den Wind lief, zu einem gefährlichen Mitwindfeuer werden.
Die hohe Kunst weitervermitteln
Goldammer forscht mit seinem Team nicht nur auf heimischem Boden. Er reist um die Welt, um Bewohnern und Feuerspezialisten in Ländern vor allem Zentralasiens und Osteuropas die Technik des kontrollierten Brennens beizubringen. Hier fehlt oft sowohl die Ausstattung als auch die Erfahrung im Umgang mit Waldbränden. Beim Training sollen die Menschen lernen, die Angst abzulegen und den Kampf gegen das Feuer selbst in die Hand zu nehmen. Sie sollen begreifen, wie Feuer sich verhält und wie man es gezielt einsetzen kann, um ein Wildfeuer zu bekämpfen – nämlich indem man der Front des Wildfeuers ein Feuer entgegenschickt, das dem Wildfeuer die Nahrung entzieht. So sollen sich im Idealfall beide Feuer vereinigen und dann kollabieren, wie Goldammer erklärt. „Das ist eine hohe Kunst – das muss geübt werden.“
„Das Land verbuscht“
Als Ursachen für Waldbrände gelten neben der Klimaerwärmung, die in vielen Regionen zu anhaltenden Dürreperioden führt, auch unkontrollierte Brandrodungen, Hitze und eine falsche Forstwirtschaft. Goldammer nennt außerdem die Landflucht der jungen Generation in Europa. Durch das Aussterben der Dörfer lasse die Intensität der Land-, Forst- und Weidewirtschaft nach, das Land verwildere. „Damit findet das Feuer in Südeuropa und insbesondere in Südosteuropa immer mehr Nahrung“, erklärt er Experte.
