Griechenland: Flammenmeer erfasst Athener Vorort
Griechenland: Ein unkontrolliert wütender Waldbrand hat nördlich von Athen Tausende Menschen in die Flucht getrieben. Die Flammen erfassten am Sonntag, 23. August 2009, einen Vorort der griechischen Hauptstadt, die Behörden ordneten die sofortige Evakuierung von Agios Stefanos an. Im nördlichen Waldgürtel von Athen war bereits am Samstag der Notstand ausgerufen worden, nachdem starke Böen die Flammen angefacht hatten.
Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen brachte die Feuerwehr den Brand nicht unter Kontrolle, der sich auf ein mehr als 50 Kilometer breites Gebiet vorfraß.
Insgesamt zählte die Feuerwehr am Wochenende mehr als 90 verschiedene Brände. «Die Lage ist tragisch», sagte der Athener Gouverneur Yiannis Sgouros. «Athen hatte eine Grünfläche, die jetzt weg ist.» Betroffen sind außerdem Regionen im Süden des Landes sowie die Inseln Evia, Skyros und Zakynthos. Rund 15.000 Hektar Wald und Buchland sind verbrannt. Es ist der größte Waldbrand seit der Katastrophe von 2007, bei der 70 Menschen umkamen.
Ein Feuerwehrsprecher sagte, es seien 14 Löschflugzeuge und neun Hubschrauber im Einsatz. Zwei Flugzeuge kämen aus Italien, zwei weitere wollte Frankreich zur Verfügung stellen, und aus Zypern sollten ein Hubschrauber und vier Löschwagen sowie 60 Einsatzkräfte kommen, sagte Yiannis Kapakis. Österreich habe sechs Flugzeuge und Hubschrauber zugesagt.
Freiwillige und Rekruten der Streitkräfte verstärkten die Feuerwehr. «Die Feuerwehrleute sehen sich mit äußerst schwierigen Umständen konfrontiert», sagte Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis. «Unsere Priorität ist der Schutz von Menschenleben und Eigentum.» Der stellvertretende Innenminister Christos Markoyiannakis erklärte, die Einsatzkräfte seien inzwischen völlig erschöpft.
«Jetzt ist es zu spät»
Die Polizei rief die rund 10.000 Einwohner von Agios Stefanos um 13.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr MESZ) in Lautsprecherdurchsagen auf, Agios Stefanos über die Hauptstraße Richtung Athen sofort zu verlassen. Einige Einwohner versuchten verzweifelt, ihre Häuser vor den Flammen zu retten. Manche hatten im Kampf gegen den Waldbrand nichts anderes als Baumzweige, mit denen sie auf die Flammen einschlugen. Auf Fernsehbildern waren die hoffnungslosen Löschversuche von Flugzeugen aus zu sehen: Schon nach wenigen Augenblicken züngelten die Flammen wieder in die Höhe.
Manche Einwohner flüchteten sogar zu Fuß, und am Abend war der Ort 20 Kilometer vor Athen nach Behördenangaben komplett verlassen. In den Straßen waren ausgebrannte Fahrzeuge und verkohlte Wasserschläuche zu sehen. Der stellvertretende Bürgermeister Panayiotis Bitakos erklärte, er habe schon Stunden zuvor um Verstärkung im Kampf gegen die Flammen gebeten. «Wir haben seit dem frühen Morgen die Behörden angebettelt, Verstärkung zu schicken. Jetzt ist es zu spät. Zu spät», sagte er im Fernsehsender Skai.
Marathon und Rhamnus bedroht: Bedroht waren auch mehrere Dörfer bei Marathon, dem antiken Ursprung des Marathonlaufs. Die Flammen näherten sich auch der antiken Ausgrabungsstätte Rhamnus mit zwei 2.500 Jahre alten Tempeln. Wegen der Waldbrände wurden außerdem zwei Fußballspiele der griechischen Ersten Liga verschoben.
Die Behörden evakuierten zwei Kinderkliniken, Campingplätze und mehrere Wohnhäuser. In einer Kaserne der Streitkräfte nördlich von Athen wurden Flugabwehrraketen in Sicherheit gebracht. Nach Angaben örtlicher Verwaltungen wurden mehrere Wohnhäuser zerstört. Bis zuletzt versuchten die Bewohner, ihr Hab und Gut mit Wasserschläuchen zu schützen.
