Deutschland: Mindestens neun Tote bei Brand in Ludwigshafen
Ludwigshafen (Deutschland): Bei einem Wohnhausbrand in Ludwigshafen sind mindestens neun Personen ums Leben gekommen. Darunter sind vermutlich fünf Kinder, wie die Polizei am Montagmorgen, 4.2.2008, mitteilte. Aus dem Gebäude seien insgesamt acht Leichen geborgen worden, sagte Sprecherin Simone Eisenbarth.
Eine Frau starb zudem in der Nacht im Krankenhaus. Derzeit werden noch 24 Personen in Kliniken behandelt, zwei von ihnen befanden sich in Lebensgefahr.
In der Nacht zum Montag, dem 4. Februar 2008, waren an der Unglücksstelle laut Polizei über 500 Rettungskräfte im Einsatz. «Weitere Opfer können wir leider nicht ausschließen», sagte die Sprecherin. Brandursache und Identität der Toten sind noch unklar. Das Gebäude ist einsturzgefährdet. Das Landeskriminalamt ermittelt. Das Feuer in dem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt brach am Sonntagnachmittag aus. Bei einer ersten Suche wurden zunächst in einer Wohnung im obersten Stock zwei Personen tot geborgen. Eine Stunde nach Ausbruch des Brandes konnte die Feuerwehr noch ein Kind lebend aus einer Wohnung retten. In dem vierstöckigen Gebäude waren 52 Bewohner gemeldet. Das Haus stand bereits in Flammen, als die Feuerwehr eintraf. Die Rauchschwaden waren weit sichtbar.
«Wir gehen davon aus, dass auch in dem Haus Fastnacht gefeiert wurde», sagte Sprecherin Eisenbarth. Es habe offenbar viele Gäste gegeben. Bei den Rettungsarbeiten spielten sich laut Polizei dramatische Szenen ab. Das Feuer breitete sich so schnell aus, dass Bewohner Kinder in die Arme der Feuerwehrleute warfen und selbst sprangen. Dabei hätten sich mehrere schwer verletzt, sagte die Sprecherin.
Bericht von SWR:
Nach dem Brand in einem vierstöckigen Wohnhaus in Ludwigshafen werden keine Menschen mehr vermisst. Das teilte der Ludwigshafener Feuerwehrchef, Peter Friedrich, mit. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es jedoch nicht. Bei dem Feuer am Sonntagnachmittag starben neun Menschen, darunter fünf Kinder.
Brandkatastrophe in Ludwigshafen:
Der Brand sei im Treppenhaus ausgebrochen und habe sich sehr schnell über die Holztreppe nach oben ausgebreitet, sagte Feuerwehrchef Friedrich. Die Treppe brach binnen Minuten ein und schnitt den Bewohnern den Fluchtweg ab. Sie konnten dann nur über die Fenster gerettet werden. Die Brandursache ist noch unklar. Das Landeskriminalamt ermittelt.
Das Gebäude ist laut Friedrich einsturzgefährdet und wird nicht mehr begehbar sein. Es werde in den Zwischendecken von oben nach unten abgetragen und gemeinsam mit der Polizei abgesucht. Eingesetzt würden dabei Kranwagen vom technischen Hilfswerk und der Berufsfeuerwehr Mannheim. Gängige Richtlinien zum Brandschutz seien in dem Gebäude eingehalten worden, so Friedrich weiter.
Nach Abschluss der Bergungsarbeiten soll eine 50 Personen starke Kommission die Ermittlungen zur Brandursache aufnehmen. Nach Angaben der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) handelt es sich um das größte Brandereignis in der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. In der Stadt wurde Trauerbeflaggung angeordnet, Fastnachtsveranstaltungen wurden abgesagt.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach bei einem Besuch am Unglücksort von einem „furchtbaren Feuerunfall“. Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat gebe es nicht. Beck sicherte den betroffenen Familien Hilfe der Landesregierung zu. Sowohl er als auch Eva Lohse hätten bereits jeweils 5.000 Euro Soforthilfe für die Familien bereitgestellt. Beck sagte wegen des Unglücks seine Teilnahme am Mainzer Rosenmontagszug ab. Auch CDU-Landeschef Christian Baldauf verzichtete auf einen Besuch beim Rosenmontagszug.
Kindergeburtstag und feiernde Fastnachter
Feuerwehrleute retten ein Kind aus dem brennenden Haus: Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich viele Gäste im Haus, das von zwei türkischen Familien bewohnt wurde. Gemeinsam mit den Bewohnern hatten sie den vor dem Haus vorbeiziehenden Fastnachtsumzug verfolgt. Im Haus wurde auch ein Kindergeburtstag mit Dutzenden von Gästen gefeiert.
Vor dem Brand hatten Zeugen einen lauten Knall vernommen. In den frühen Morgenstunden hatten Einsatzkräfte in dem Haus acht Leichen geborgen, darunter auch eine schwangere Frau. Bereits am Abend davor war eine Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Bei dem Unglück wurden 60 weitere Menschen verletzt. Ein Notarzt berichtete, dass sich keiner von ihnen mehr in Lebensgefahr befinde.
20 Patienten, darunter drei Schwerverletzte, müssen noch im Krankenhaus behandelt werden. Unter den Verletzten sind Säuglinge und Kinder sowie elf Polizisten und ein Feuerwehrmann. Zwei Kinder wurden lebend aus einer ausgebrannten Wohnung gerettet. Sie hatten sich hinter ein Sofa geflüchtet.
Sprung aus dem Fenster: Bei den Rettungsaktionen spielten sich nach Angaben der Polizei dramatische Szenen ab. Bewohner warfen Kinder in die Arme von Polizisten, die als erste am Brandort eingetroffen waren. Mehrere Menschen sprangen aus Fenstern und Balkonen in die Tiefe. Eine Frau zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.
Neben rund 60 Feuerwehrleuten waren auch Krisenhelfer im Einsatz, die sich um die Hausbewohner kümmerten. Laut Polizei waren insgesamt über 500 Rettungskräfte vor Ort. Nach Auskunft der Polizei wohnten 52 Menschen in dem Backsteinbau, im Erdgeschoss befand sich ein Vereinslokal.
