Wien: Gasleck -> Schloss Belvedere evakuiert
Wien: Das Schloss Belvedere und der angrenzende Weihnachtsmarkt wurden am Abend des 6. Dezember 2007 nach dem Ausströmen von Gas geräumt. Ein altes Gasrohr soll die Ursache sein.
Ausströmendes Gas in einem Schacht hat am Donnerstagabend rund um 19.00 Uhr zur Evakuierung sowohl des Schlosses Belvedere, als auch des angrenzenden Christkindl-Markts geführt. Dort wurde das Gasleck als Erstes bemerkt. Es dürfte sich laut Feuerwehr höchstwahrscheinlich um ein „altes Gasrohr“ gehandelt haben. Der Großeinsatz – sowohl Polizei, Rettung, Feuerwehr (mit 45 Mann), als auch Wiengas und Wienstrom waren vor Ort – sei eine reine „Vorsichtsmaßnahme“ gewesen.
„Das Gas ist extra odoriert (mit Geruchstoffen versetzt, Anm.), den penetranten Geruch nimmt man daher schon wahr, bevor eine explosive Mischung entsteht“, beruhigte Alexander Markl von der Wiener Feuerwehr. Es dürfte sich dennoch um „umfangreichen Gasströmungen“ gehandelt haben. In den Abendstunden wurde versucht, die Quelle des Gaslecks zu eruieren, rund um 20.00 Uhr wurde die Hauptleitung abgedreht. Laut Polizei mussten ca. 250 Personen in sichere Entfernung gebracht werden. Die Eingänge waren bis auf weiteres gesperrt.
Auch auf den öffentlichen Verkehr hatte der Zwischenfall Auswirkungen: Die Straßenbahnlinie D wurde in beiden Fahrtrichtungen über die Linien 18 und 71 geführt, die Buslinie 13A zwischen Südbahnhof und Favoritenstraße über den Wiedner Gürtel umgeleitet, hieß es vonseiten der Wiener Linien.
Erhöhtes Sicherheitsrisiko: Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco sieht sich mit dem heutigen Gasleck beim Belvedere-Christkindlmarkt in ihrer skeptischen Beurteilung der Sicherheitslage rund um die Österreichische Galerie bestätigt. Dieser Weihnachtsmarkt und auch die Wohnungen von zahlreichen Privatpersonen im Belvedere sind aus ihrer Sicht ein „erhöhtes Sicherheitsrisiko“. Das Gas sei aus einem Rohr ausgetreten, das zur Beheizung der Seitentrakte der Bewohner dient.
Husslein verwies auf die komplizierte Verwaltung der Flächen um das Belvedere durch verschiedene Ministerien: Für die Nordseite des Schlosses seien die Bundesgärten, für die Südseite die Burghauptmannschaft zuständig – die dort „ohne unser ok. diesen Weihnachtsmarkt installiert hat“. Die beiden Ämter könnten dort „machen, was sie wollen, ohne mit uns in einen Diskurs zu treten“. Sie als Leiterin der Österreichischen Galerie Belvedere sei „nicht mehr Herr der Fläche, wenn ich einen Schritt vor die Türe mache“. Und das Kulturdenkmal Belvedere mit seinen unschätzbaren Werten sei „umgeben von Imponderabilien, die wir nicht kontrollieren können“.
Bericht der Berufsfeuerwehr Wien:
Unter dem weitläufigen Gelände des Schlossparks Belvedere befindet sich ein aus den Baujahren des Schlosses stammendes, weit verzweigtes Schachtsystem, in welchem zum Teil auch Versorgungsleitungen für Gas- und Wasseranschlüsse der einzelnen Trakte des Gebäudes verlegt sind. Vermutlich auf Grund eines Zeitschadens war eine der Gasversorgungsleitungen undicht geworden und über einen Zeitraum von mehreren Tagen Erdgas ausgetreten. Dieses Gas hatte sich zu einem großen Teil in dem unterirdischen Schachtsystem und im Erdreich gesammelt.
Auf Grund der starken Geruchsbelästigung war am Abend des sechsten Dezembers 2007 von Besuchern des vor dem Schloss Belvedere derzeit befindlichen Christkindlmarktes der Störtrupp von Wiengas angefordert worden. Von diesem Störtrupp wurde im Bereich eines sechs Meter tiefen Schachtes in der Marktmitte eine Gaskonzentration von 70 Vol% gemessen.
Bedingt durch die hohe Gaskonzentration, die damit verbundene Explosionsgefahr und die große Besucheranzahl wurde in der Folge vom Störtrupp gegen18:50 Uhr die Feuerwehr angefordert. Von der Wiener Berufsfeuerwehr wurde als Erstmaßnahme mit drei Löschgruppen und der Besatzung des Kommandofahrzeuges der Christkindlmarkt evakuiert und alle Zugänge in den Schlosspark mittels Trassenband abgesperrt. Die Absperrungen wurden in der Folge von den zahlreich eintreffenden Kräften der Polizei übernommen und bewacht. Nach weiteren Messungen durch die Wiengas-Störtrupps wurde die Evakuierung auch auf das Schloss Belvedere und die beiden angrenzenden bewohnten Nebentrakte ausgedehnt. 15 Bewohner dieser Trakte wurden vorübergehend im Katastrophenzug der Rettung untergebracht.
Vom Störtrupp wurde der an der Grundstücksgrenze zum Schlosspark befindliche Hauptzuleitungsschieber zum gesamten Schlossareal gesperrt. Gemeinsam mit mehreren Messtrupps von Wiengas wurden alle Kellerräumlichkeiten des Schlosses und der Nebentrakte begangen und Kontrollmessungen durchgeführt. Dabei wurde im Bereich eines zugemauerten Zugangs in das Schachtsystem im Keller des Schlosses eine erhöhte Gaskonzentration gemessen.
Weiters wurde in der Mitte des Christkindlmarktes befindlichen Schachtes und in einem weiteren ca. sechs Meter tiefen Schacht beim Schlossteich eine Gaskonzentration von 40 – 70 Vol% festgestellt. In der Folge wurde das Schachtsystem über die beiden genannten Schachtöffnungen mittels eines explosionsgeschützten Ringlüfters des Wechselladers Umweltschutz und eines ebenfalls explosionsgeschützten Lüfters des Wechselladers Luft abgesaugt. Die im Keller des Schlosses durch die Zumauerung in das Schachtsystem führenden Versorgungsleitungen (Wasser- und Abwasserleitung) wurden vorsorglich mittels Leckstellenbandage dicht verschlossen, was letztlich zu einem deutlichen Absinken der Gaskonzentration in diesem Bereich führte.
Nach der Herstellung von periodischen Messbohrungen im Umkreis von ca. 50 Metern durch Wiengas wurde weiters festgestellt, dass sich auf einer Fläche von annähernd 500 m² im Erdreich größere Gaskonzentrationen angesammelt hatten. Die Messwerte betrugen im Schnitt zwischen 30 – 80 Vol%! Auf Grund dieses Umstandes wurde von Wiengas entschieden, vorerst Lüftungsgrabungen durchzuführen. Im Einvernehmen mit der gebäudeverwaltenden Burghauptmannschaft wurden die Gasleitungen vollständig ausgegraben. Durch diese Maßnahmen in Verbindung mit dem Absaugen des Schachtsystems konnte die Gaskonzentration nach ca. drei Stunden unter den Explosionsbereich gesenkt werden. Zusätzlich wurden von den Messtrupps von Wiengas gemeinsam mit dem Störtrupp Wienkanal alle Kanaleinläufe im unmittelbaren Bereich des Schlossparks kontrolliert. Es konnte keine Gaskonzentration festgestellt werden.
Der Brandschutz wurde über die gesamte Dauer des Einsatzes durch die Universallöschfahrzeuge von Favoriten und S mittels Pulverrohres und eines C-Rohres sichergestellt werden. Weiters waren ständig Vertreter der Haustechnik des Schlosses Belvedere anwesend. Für die Bewohner der Nebentrakte wurde über die Magistratsdirektion elektrische Heizlüfter und Kochplatten angefordert. Für die Dauer des Einsatzes war die Prinz-Eugen-Straße für den gesamten Verkehr gesperrt.
