USA: Schwerste Brände in Kaliforniens Geschichte -> Massenflucht

Californien (USA): Die Waldbrände zerstörten schon mehr als 600 Häuser und trieben zehntausende Menschen in die Flucht. Gouverneur Schwarzenegger rief den Notstand aus.
Update: 23.10., 16.20 Uhr
Die Waldbrände in Südkalifornien haben sich weiter ausgebreitet und bedrohliche Ausmaße angenommen. Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass allein an einem Berg bei Lake Arrowhead rund 130 Häuser in Flammen aufgingen. Insgesamt wurden bereits mehr als 600 Häuser zerstört. Die Brände erfassten eine Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern. Die Feuerwehr von Kalifornien bat per 23. Oktober 2007 die Kollegen in anderen US-Staaten um Hilfe. Mindestens 14 Brände seien außer Kontrolle geraten, sagte Patti Roberts von der Katastrophenschutzbehörde. An einigen Orten schossen die Flammen bis zu 60 Meter hoch.
Nationalgarde im Einsatz: Gouverneur Arnold Schwarzenegger erklärte sieben Bezirke zu Notstandsgebieten und machte so den Weg für staatliche Hilfen frei. „Dies ist ein tragischer Tag für den Landkreis San Diego und für Kalifornien“, sagte der aus Österreich stammende Gouverneur am Montag, der die am schwersten betroffenen Gebiete um Malibu und San Diego besuchte. Schwarzenegger hat nach eigenen Angaben 1500 Angehörige der Nationalgarde angewiesen, die Feuerwehr in ihrem Kampf gegen die Flammen zu unterstützen. Dafür würden auch Soldaten von der Grenze zu Mexiko abgezogen.
Schleppende Evakuierung: „Der Himmel war rot, alles glühte“, berichtete die 55-jährige Ronnie Leigh, eine von 250.000 Bewohnern des Bezirks San Diego, die vor dem Feuer die Flucht ergriffen. Die Feuerwehr verlor nach eigenen Angaben kostbare Zeit, weil sie zögernde Bewohner dazu bewegen musste, der Aufforderung zur Evakuierung Folge zu leisten. Die Einsatzkräfte klagten außerdem, dass sie nicht genügend Mittel für die Brandbekämpfung hätten. „Es brennen mehr Häuser, als wir Leute haben“, sagte Lisa Blake von der Feuerwehr in San Diego.
Unterkunft im Qualcomm-Stadion: Keine Rücksicht nahm das Feuer auf prominente Namen. In der Villensiedlung Malibu waren die Schauspieler Mel Gibson, Kelsey Grammer und Victoria Principal sowie Olivia Newton-John gezwungen, den Flammen auszuweichen. Weniger reiche Bewohner der Region wurden in das Qualcomm-Stadion von San Diego gebracht. Tausende von Evakuierten verfolgten dort vor Fernsehschirmen die Nachrichten über die Ausbreitung der Brände.
Starker Wind: Nahe der mexikanischen Grenze kam ein Mensch ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In San Diego und Umgebung wurden auch mehrere hundert Patienten einer Klinik und mehrere Pflegeheime in Sicherheit gebracht. Im Bezirk Orange wurde ein Gefängnis mit mehr als 1.000 Häftlingen evakuiert. Die Bedrohungslage veränderte sich stündlich, da starker Wind die Flammen immer weiter voranpeitschte. „Ich glaube nicht, dass wir die Brände vor Mittwoch in den Griff bekommen“, sagte Einsatzleiter Michael Freemann der „Los Angeles Times“. Nach dem Wetterbericht bleibt es in dieser Woche windig, heiß und trocken.
Ursache des Waldbrands bei Malibu war möglicherweise eine abgerissene Hochspannungsleitung. In mindestens einem Fall im Orange County wird auch Brandstiftung für möglich gehalten. Ein anderes Feuer entstand durch den Brand eines Autos.
ORF-BERICHT:
Trotz eines Großeinsatzes von mehreren Tausend Feuerwehrleuten sind die verheerenden Brände in Südkalifornien nach wie vor außer Kontrolle und breiten sich weiter aus. Die größten Schäden wurden bislang nach Angaben der Behörden im Norden des Bezirks San Diego angerichtet. Allein dort gingen 500 Wohnhäuser und 100 Firmengebäude in Flammen auf. Zudem mussten bereits 250.000 Menschen in dem Gebiet an der Grenze zu Mexiko ihre Häuser verlassen.
Die Brände erfassten eine Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern. Die Feuerwehr von Kalifornien bat ihre Kollegen in anderen US-Staaten um Hilfe. Mindestens 14 Brände seien außer Kontrolle geraten, sagte Patti Roberts von der Katastrophenschutzbehörde. An einigen Orten schossen die Flammen bis zu 60 Meter hoch.
Ausgelaugte Einsatzkräfte: Gouverneur Arnold Scharzenegger, der sieben Bezirke zu Notstandsgebieten erklärte, sprach von einem „tragischen Moment für Kalifornien“ und beorderte zur Unterstützung der völlig ermüdeten Feuerwehrleute 1.500 Soldaten in die Brandgebiete. Die Angehörigen der Nationalgarde sollten den Kampf gegen die Flammen unterstützen, erklärte Schwarzenegger am Montagabend. Dafür würden auch Soldaten von der Grenze zu Mexiko abgezogen.
„Unberechenbare Winde“: Die frische Hilfe ist dringend notwendig, weil die Feuerwehr des Bundesstaates am Ende ihrer Möglichkeiten und ihrer Kräfte ist: Mehr als 2.000 Feuerwehrleute sind seit Sonntag an 13 verschiedenen Groß-Brandherden im Einsatz, sie werden von 30 Hubschraubern und Flugzeugen unterstützt.
Allerdings erzielten sie nicht viele Erfolge: „Die Winde drehen andauernd und sind unberechenbar“, sagte ein Sprecher des Landkreises Los Angeles. „Wir können nicht sagen, wo die Flammen hinwandern und wann.“ Die Einsatzkräfte seien ausgelaugt.
Keine Entspannung in Sicht: Es wird erwartet, dass kräftige heiße Wüstenwinde die Flammen in den kommenden Tagen weiter anfachen. Die Tagestemperaturen in der Region liegen weiter über 30 Grad, im Sommer hat es kaum geregnet.
Ein Sprecher der Feuerwehr von San Diego verglich die Lage mit den schlimmen Bränden 2003, als in Kalifornien 22 Menschen getötet und 3000 Häuser zerstört wurden. „Wir glauben sogar, dass es schlimmer ist als 2003“, sagte Maurice Luque. In seinem Bereich wütete am Montag weiter das schlimmste Feuer, das am Sonntag bereits einen Menschen in den Tod gerissen hatte.
Auch Malibus Villen evakuiert: Von den Bränden betroffen ist auch der Prominenten-Wohnort Malibu, in dem viele Hollywood-Stars ihre Villen haben. Mehrere Häuser brannten bereits völlig aus, darunter auch das bekannte Millionärsanwesen Castle Kashan.
Allein in Malibu evakuierte die Feuerwehr mehr als 200 Villen, wie der Promi-Internetdienst TMZ.com berichtete. Unter ihnen seien die Anwesen von „Titanic“-Regisseur James Cameron und „Grease“-Star Olivia Newton-John.
Der berühmte Küstenort mit seinen rund 12.000 Einwohnern zählt zu den teuersten Wohngegenden der USA. Bereits 1993 waren im „Dorf der Millionäre“ bei verheerenden Waldbränden 400 Häuser zerstört worden.
ORF-BERICHT per 16.20 Uhr:
Im Süden Kaliforniens weiten sich die verheerenden Brände trotz des Einsatzes Tausender Feuerwehrleute und Soldaten am 23. Oktober 2007 immer mehr aus. Hunderte Häuser und Villen wurden bereits ein Raub der Flammen – zahllose weitere sind nach wie vor bedroht. Hunderttausende Menschen verließen bereits ihre Häuser. Allein im besonders stark betroffenen San Diego wurde eine halbe Million Einwohner aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Brände zählen bereits jetzt zu den schwersten der Geschichte in dem Bundesstaat.
Die verheerenden Brände in Südkalifornien haben Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben. Allein in San Diego forderten die Behörden am Montagabend (Ortszeit) eine halbe Millionen Einwohner auf, sich in Sicherheit zu bringen. Dort wüteten die Brände in der Nacht auf Dienstag am schwersten, 15.000 Häuser waren von den Flammen bedroht. Menschen fanden im Football-Stadion von San Diego über Nacht einen Unterschlupf. Insgesamt waren mehr als 265.000 Menschen auf der Flucht.
Tausende Feuerwehrleute im Einsatz: Von der mexikanischen Grenze bis Santa Barbara nördlich von Los Angeles tobten 14 riesige Buschbrände, die von den Santa-Ana-Föhnwinden mit Sturmstärke immer wieder angefacht wurden. Rund um die Uhr kämpfen Tausende von Feuerwehrleuten gegen die Flammen. Löschhubschrauber und -flugzeuge sind ständig im Einsatz. „Wir tun aber alles, um auch vom Boden aus die Wohnhäuser zu retten“, sagte ein Feuerwehrmann.
Trotzdem waren die Brände auch am Montagabend (Ortszeit) noch außer Kontrolle. Zudem behinderten dichter Rauch und orkanartige Winde die Löscharbeiten.
Nationalgarde soll helfen: Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der sieben Bezirke zu Notstandsgebieten erklärte, sprach von einem „tragischen Moment für Kalifornien“ und beorderte zur Unterstützung der völlig ermüdeten Feuerwehrleute 1.500 Soldaten in die Brandgebiete.
Die Angehörigen der Nationalgarde sollten den Kampf gegen die Flammen unterstützen, sagte Schwarzenegger am Montagabend. Dafür würden auch Soldaten von der Grenze zu Mexiko abgezogen.
„Seht zu, dass Ihr wegkommt“: Eine Entspannung ist in den kommenden Tagen nicht in Sicht. Meteorologen sagen weiterhin Tagestemperaturen von über 30 Grad und heftige Winde voraus, die die Feuer immer wieder anfachen. Ein Bewohner rief die Menschen im Fernsehen auf: „Seht zu, dass Ihr wegkommt!“ Auch zahlreiche Bürgermeister appellierten an die Bewohner, ihre Häuser so schnell wie möglich zu verlassen und nur das Nötigste mitzunehmen, um sich und ihre Familien vor den Flammen zu retten.
Schwarzenegger besucht Brandgebiet: Schwarzenegger, der die am schwersten betroffenen Gebiete um Malibu und San Diego am Montag besucht hatte, sprach von einem „tragischen Tag“ für Kalifornien. Nach einem Appell des Gouverneurs sagte das Pentagon die Entsendung von sechs großen Löschflugzeugen aus Wyoming und North Carolina zu.
Ein Toter, 40 Verletzte: Mindestens ein Mensch ist seit dem Wochenende in den Flammen ums Leben gekommen. Die „Los Angeles Times“ berichtete Dienstagfrüh (Ortszeit) außerdem von knapp 40 Verletzten, unter ihnen 17 Feuerwehrmänner.
Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP zerstörten die Flammen im gesamten Bundesstaat bisher eine Fläche von mehr als tausend Quadratkilometern, womit die Brände zu den schwersten in der Geschichte Kaliforniens zählen.
