Oö: Freiwillige Feuerwehr kämpft mit Mitgliederschwund und Einsatzflut
Linz (Oö): In den vergangenen zehn Jahren sind den freiwilligen Feuerwehren in Oberösterreich 2000 Mann abhanden gekommen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Einsätze enorm.
Bei der freiwilligen Feuerwehr in Steyregg hat der Pflichtbereichskommandant das Handtuch geworfen, weil er nicht mehr genügend Kameraden bei seiner Feuerwehr hat. Er wollte und konnte diese Verantwortung nicht mehr übernehmen. In ganz Oberösterreich steigt die Gesamtzahl der Feuerwehrleute zwar an, jene im aktiven Status – also jene, die wirklich löschen und bei Unfällen dabei sind – nimmt jedoch ab.
Vor zehn Jahren standen noch 65.334 Feuerwehrleute im aktiven Dienst. Im Vorjahr waren es um 2000 weniger (63.311). Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Einsätze von 32.771 auf 55.259 an. Wobei es im Spitzenjahr 2002 (Jahrhundert-Hochwasser) mehr als 62.000 Einsätze abzuarbeiten galt.
Vor allem untertags macht sich der Mitgliederschwund bemerkbar – siehe Steyregg. Viele Feuerwehrleute arbeiten, sind im Ernstfall nicht greifbar. „Die angespannte Situation bei der Tageseinsatz-Bereitschaft wird nicht besser“, bestätigt Johann Huber, Oö. Landesfeuerwehrkommandant. Um die Einsatzbereitschaft auch untertags zu gewährleisten, hat das Land vor Monaten einen Erlass herausgegeben, wonach Gemeinden ihre Mitarbeiter für Einsätze freistellen können. Eine Praxis, die in den meisten Gemeinden angewendet wird.
Bürgermeister sagen Nein: Jedoch – so haben Feuerwehrmänner den OÖN mitgeteilt – soll es auch Bürgermeister geben, die ihre Mitarbeiter für Einsätze nicht freistellen. „Ich kann mir das nicht vorstellen. Schließlich sind Bürgermeister die obersten Kommandanten der Feuerwehr“, sagt Huber.
Landesrat Josef Stockinger hat gestern einen Feuerwehr-Bonus vorgeschlagen: Feuerwehrmänner sollen bei der Vergabe von Gemeinde-Jobs bevorzugt werden. Ein Vorschlag, der in der Praxis bereits durchgeführt wird, sagt der Steyregger Bürgermeister Josef Buchner.
Neues Alarmierungssystem: Um effizienter zu arbeiten, installiert die Oö. Feuerwehr ein neues Alarmierungssystem. Künftig sollen im Ernstfall nur mehr so viele Kameraden angepiepst werden, wie benötigt werden. Damit will man verhindern, dass zu viele Leute am Arbeitsplatz fehlen.
