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Notfall–Architektur: Via Schleudersitz aus dem Wolkenkratzer

Das Rennen um die höchsten Wolkenkratzer der Welt wird immer härter – und auch in Sachen Sicherheit schenken sich die Bauingenieure im Post-9/11-Zeitalter nichts. Mit Schleudersitzen und Fallschirmen sollen Flüchtende zukünftig aus brennenden Hochhäusern katapultiert werden,…

… über Leitern in Hunderten Metern Höhe soll man in angrenzende Gebäude flüchten. Doch die spektakulären Fluchtideen werden nur selten umgesetzt. Sicherheitsmaßnahmen sollen zwar effektiv sein, aber auch nicht allzu drastisch – und vor allem bis auf den Ernstfall am besten unsichtbar.

Es ist wohl eines der spektakulärsten Sicherheitssysteme, die jemals erdacht wurden. Eine deutsche Firma will Hochhäuser im Post-9/11-Zeitalter mit „Schleudersitzen“ ausstatten – in Kästen verborgene Spezialsitze, die gefährdete Personen im Notfall über eine Schiene und durch eine Luke im Mauerwerk nach draußen katapultieren und ihre Insassen mit Fallschirmen sicher auf den Boden bringen sollen.

Leitern und Rutschen: Die Entwicklung des deutschen Unternehmens Safetelligence ist eine von zahlreichen Ideen für die neuen Wolkenkratzer auf dem Gelände des zerstörten World Trade Center in New York. Ob sie dort jemals umgesetzt werden, ist laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ fraglich.

Das renommierte Technologieinstitut MIT hat für die neuen Ground-Zero-Gebäude ebenfalls neue, oft spektakuläre Sicherheitsmaßnahmen angedacht. Unter den eingebrachten Ideen sind etwa Fluchtleitern, die über die Hochhausschluchten hinweg in benachbarte Gebäude reichen, und feuerfeste Stoffröhren an der Außenseite der Hochhäuser, durch die man 15 Stockwerke hinunterrutschen kann.

Neue Auflagen: Ein vor zweieinhalb Jahren veröffentlichter neuer Auflagenkatalog des zuständigen National Institute of Standards and Technology sieht zwar weitaus schärfere Bauauflagen als bisher vor. Doch von den gewagteren Ideen halten die meisten Experten vorerst wenig. Sie meinen, dass die 9/11-Terroranschläge absolut ungewöhnliche Ereignisse waren und nicht ein derart drastisches Nachspiel erfordern.
Wichtiger sind moderne Belüftungsanlagen, die Fluchtwege rauchfrei halten, breite Stiegen und vor allem ein versiegelter, feuerfester Kern aus gehärtetem Beton.

Die Bedeutung des Kerns: World Trade Center Nummer sieben (7 WTC) ist bisher das einzige Gebäude, das auf Ground Zero fertiggestellt wurde. Zwei Jahre nach der Eröffnung des 52-stöckigen Turmes gilt es nach wie vor als Nonplusultra in Sachen Sicherheit. Hier wurde die Kern-Methode bereits umgesetzt.
„Das bedeutet, dass die Struktur um den Kern einstürzen, Feuer fangen oder mit einem biologischen oder chemischen Problem belastet sein kann, doch der Kern wird immer geschützt“, sagte der New Yorker Ingenieur Herb Hauser, dessen Firma alle Ground-Zero-Architekten berät, jüngst dem „Christian Science Monitor“.

Bei drei Mega-Wolkenkratzern im Einsatz: 7 WTC ist dabei mit seinen 226 Metern ein vergleichsweise kleines Hochhaus. Bei drei aktuellen Wolkenkratzer-Projekten weltweit, die nach ihrer Fertigstellung höher als der aktuelle Rekordhalter Taipei 101 in Taiwan sein sollen, kommt das System mit dem gehärteten Kern zum Einsatz: beim fast fertiggestellten Burdsch Dubai, beim in Bau befindlichen Chicago Spire von Santiago Calatrava und beim Freedom Tower, dem Aushängeschild des neuen World Trade Center.
Es ist kein neues Konzept, aber die hohen Kosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Stahlskelettbau verhinderten bisher, dass es sich flächendeckend durchsetzte. Das hat erst 9/11 geändert.

Unsichtbare Sicherheit: Neben Preis und Praktikabilität spielt bei der Auswahl jener Technologien, die tatsächlich umgesetzt werden, noch ein weiterer Aspekt eine Rolle: Sie sollen möglichst „unsichtbar“ sein und nicht den Eindruck erwecken, man befinde sich in einer Festung.
Die ästhetische Glasfassade von 7 WTC etwa macht sich gut in der New Yorker Skyline. Dabei dient sie in erster Linie der Sicherheit: Das neu entwickelte Spezialglas kann die Druckwelle von Explosionen schlucken.

Kunst mit Funktion: Selbst eine eindrucksvolle Kunstinstallation hinter der Rezeption im Erdgeschoß von 7 WTC hat eine Doppelfunktion. Sie fungiert im Falle einer Explosion in der Lobby als Schutzschild für die dahinterliegenden Aufzüge.
Wem all das noch immer nicht genug ist fürs Gefühl persönlicher Sicherheit, braucht nur das nötige Kleingeld: In New Yorker Spezialgeschäften kann sich jeder mit armeetauglichen, feuerfesten Sicherheitsanzügen inklusive Atemschutzmaske und Fallschirm eindecken.

ORF News

Safeintelligence

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