England: Treibstofflagerexplosion: „Völlig neues Einsatz-Terrain“
England: Wie lange die Bekämpfung des verheerenden Feuers im Treibstofflager Buncefield nahe London noch dauern wird, weiß derzeit niemand. Die Löschmannschaften bewegen sich bei dem Einsatz nach eigenen Worten auf „völlig unbekanntem Terrain“.
Obwohl es ihnen gelang, mehrere Tanks zu löschen, brennen immer noch Millionen Liter eines Gemischs aus Öl, Benzin und Kunststoff. Die Feuerwehr versucht nun, mit Spezialgerät gegen das Inferno vorzugehen. Für den Erfolg sind die nächsten Stunden entscheidend.
Mehrere von insgesamt 20 Tanks seien inzwischen gelöscht, teilte die Feuerwehr Montagnachmittag mit. Allerdings loderten immer noch zahlreiche Brände auf dem Gelände Dutzende Meter hoch. Eine Prognose über das voraussichtliche Ende des Einsatzes wollte die Feuerwehr aber noch nicht abgeben. Die nächsten Stunden seien „entscheidend“, hieß es. Am Montag, dem 12. Dezember 2005, hatten die Löschmannschaften zuvor mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen, da der Wind über der Anlage gedreht hatte. Es könne noch Tage dauern, bis sämtliche Brandherde gelöscht seien, hieß es.
Die Intensität des Feuers, dessen Ausmaß und die Zusammensetzung des brennenden Materials aus Benzin, Öl, Gasen und Kunststoffen bedeute, dass sich die Brandbekämpfer „auf völlig unbekanntem Terrain“ bewegten, erklärte Feuerwehr-Einsatzleiter Roy Wilsher.
Zur Eindämmung der Flammen setzten die Löschmannschaften erstmals Ausrüstungen für die Bekämpfung chemischer Brandbeschleuniger und Explosivstoffe ein, die im Rahmen der Terrorismusbekämpfung nach dem 11. September 2001 angeschafft worden waren. Pro Minute wurden von zwei Stellen aus zusätzlich 32.000 Liter Wasser auf die Brandherde aufgebracht, um den Flammen Einhalt zu gebieten.
Der französische Ölkonzern Total, der das Lager zusammen mit der US-Firma Texaco betreibt, wies indessen Spekulationen zurück, wonach ein Leck Ursache des Brandes gewesen sein könnte. Ein Mitarbeiter einer Zulieferfirma von Total wollte vor drei Wochen ein Treibstoffleck auf dem Gelände gesehen haben. Diese Gerüchte würden ausdrücklich dementiert, sagte ein Total-Sprecher.
Die Behörden bekräftigten ihre Einschätzung, dass die gewaltige Explosionsserie von Sonntagfrüh höchstwahrscheinlich auf einen Unfall zurückzuführen sei. Einen terroristischen Hintergrund schließen sie aus. Nicht äußern wollte sich Total bisher auch zur möglichen Schadenshöhe. Dazu sei es derzeit zu früh, so ein Unternehmenssprecher. Priorität habe jetzt, die Katastrophe unter Kontrolle zu bringen. Infolge des Großfeuers verbreitete sich von dem Gelände aus eine riesige Rauchwolke, die am Montag bis zur französischen Küste reichte. Die mit Kohlenwasserstoffen durchsetzte Wolke habe der Wind am Vormittag bis über die Normandie und die Bretagne geweht, teilte der Wetterdienst Meteo France in Paris mit.
Ein erdnaher Teil der Ruß- und Gaswolke treibt den Angaben zufolge von England nach Westen. Andere Stoffe stiegen unter dem Einfluss der Wärme in 500 bis 1.000 Meter Höhe auf und trieben nach Südwesten. Diese Wolke breite sich in Richtung Loire aus und werde sich am Ende über Spanien und dem Atlantik auflösen.
Tausende Menschen in der Umgebung der brennenden Anlage wurden aufgefordert, weiterhin in ihren Wohnungen zu bleiben und alle Türen und Fenster geschlossen zu halten.
