Medien / Fotografen

Nun auch Hochwässer in Tirol und Vorarlberg

Westösterreich: Nach den heftigen Unwettern in der Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und dem Burgenland am Sonntag und Montag spitzt sich die Situation nun in Westösterreich dramatisch zu.

Betroffen sind vor allem das Tiroler Außerfern und in Vorarlberg das Kleinwalsertal sowie der Bregenzerwald.
Im Oberen Lechtal (Tirol) mussten in der Nacht auf Dienstag, dem 23. August 2005, mehrere Familien aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, teilte die Bezirkshauptmannschaft Reutte mit. Verletzte gebe es bisher allerdings nicht.

Evakuierungen wurden auch aus dem Bezirk Landeck gemeldet. In Pfunds mussten nach Angaben der Gemeinde etwa 300 Personen in Sicherheit gebracht werden. Kritisch war die Situation auch im Raum St. Anton, wo Gebirgsbäche Hunderte Kubikmeter Geröll ins Tal beförderten und für starke Vermurungen sorgten. Seit Montagmittag fielen in der Gegend rund 110 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Pegelstände des Lech und seiner Nebenflüsse steigen unaufhörlich an.

Die Feuerwehren sprechen von einer Situation „schlimmer als 1999“, als heftige Unwetter in der Region schwere Sachschäden anrichteten. Die Überflutungen hätten mittlerweile „gewaltige“ Ausmaße erreicht, so der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Reutte, Alexander Ammann, gegenüber der APA. Im Lechtal ist außerdem die Stromversorgung zum Teil zusammengebrochen.

In mehreren Ortschaften gilt Katastrophenalarm. Alle Verbindungsstraßen nach Vorarlberg waren Dienstagfrüh unterbrochen. Pioniere des Bundesheeres wurden zur Unterstützung angefordert.

Auch in Vorarlberg spitzte sich die Lage in der Nacht auf Dienstag weiter zu. Aus dem Kleinwalsertal wurden unzählige Murenabgänge und Überflutungen gemeldet, teilte die örtliche Polizei mit. Seit Dienstagfrüh sind außerdem, wie die Telekom Austria (TK) per Aussendung mitteilte, Telefon- und Datendienste von und nach Vorarlberg unterbrochen.

Eine Mure hatte in Tirol gegen 1.00 Uhr beide Hauptkabel der Fernmeldeleitung über den Arlberg gekappt. Die Behebung des Schadens könne den ganzen Tag über dauern. In Vorarlberg stehen außerdem zahlreiche Häuser und Hotels unter Wasser. Die Ortschaft Riezlern war Dienstagfrüh ohne Strom.

Im Bezirk Feldkirch sind über 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Ein Teil des Streckennetzes der ÖBB wurde unterspült, der Zugsverkehr ist in Vorarlberg eingestellt.
Zum Teil gesperrt werden musste auch die Rheintalautobahn (A14).

In Pflach im Außerfern ist der Lech-Damm gebrochen. Die Gemeinde wurde zum zweiten Mal nach 1999 überflutet. Nach dem Hochwasser des Jahres 1999 wurden Hochwasserschutzbauten um drei Mio. Euro errichtet, die nicht gehalten haben. Viele Anrainer des Lechs sind ein zweites Mal betroffen, ihre Häuser stehen bis zum ersten Stock unter Wasser. Das Ortszentrum gleicht einem großen See. Bürgermeister Helmut Schönherr: „Die Leute sind fertig, ihnen die Kräfte aus. Sie warten auf die Wasserrettung, um geborgen zu werden. Es gibt keine Schäden an Leib und Leben, aber der seelische schaden ist enorm. Die Leute sind innerhalb von fünf Jahren zwei Mal betroffen. Das zehrt. Die Leute sind fertig, ihre Häuser waren erst fertig renoviert und sind nun wieder zerstört. Da spielen sich Dramen ab.“ Im Ort sind 20 Häuser schwer betroffen, die bis zum ersten Stock unter Wasser stehen. Auch die Schule und die Sportanlage stehen unter Wasser.
Bürgermeister Helmut Schönherr: „Der Kampf ist verloren, die Hochwasserschutzbauten haben nicht gehalten, die Dammkrone hat es an zwei Stellen weggeschwemmt. Es ist für uns alle tragisch, wir haben Tag und Nacht gekämpft. Für die Betroffenen ist jetzt schnelle Hilfe nötig.“

Im Außerfern hat sich die Lage in der Nacht auf Dienstag durch die heftigen Regenfälle stark zugespitzt. Es handelt sich um „gewaltige Überflutungen“, hunderte Menschen wurde evakuiert. Von „gewaltigen Überflutungen“, spricht der stellvertretende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Reutte, Alexander Ammann. Die Situation sei „schlimmer als 1999“, als heftige Unwetter in der Region schwere Sachschäden anrichteten. Die Hilfsmaßnahmen sind für die Bevölkerung in der Nacht auf Dienstag voll angelaufen. Im Oberen Lechtal wurden erste Evakuierungen aus überfluteten Häusern vorgenommen, teilte Katharina Schall, Bezirkshauptmann-Stellvertreterin in Reutte, mit. Bisher gibt es keine Verletzten.
Insgesamt wurden 100 Familien aus ihren Häusern und Campingplätzen evakuiert. Viele Häuser musste die Feuerwehr aufgeben, da sie dort nichts mehr machen konnte.
Im Außerfern hat sich die Hochwassersituation am Dienstag noch durch den Zusammenbruch des Stromnetzes verschärft. Nach Angaben der Bezirkshauptmannschaft waren Orte im Oberen Lechtal westlich der Gemeinde Häselgehr betroffen. An der Behebung des Schadens wird gearbeitet.
Unterdessen wurde ein Pionierzug des Österreichischen Bundesheeres mit 50 Mann angefordert. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde die Gemeinde Pflach sowie die Ortschaften zwischen Elmen und Steeg.

ORF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert