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Kritische Hochwasser-Situation im Bundesland Salzburg

Salzburg: Der schwere Regen hat im ganzen Land Überschwemmungen und Muren ausgelöst. Pinzgau, Pongau und Tennengau sind besonders gefährdet. Hunderte Feuerwehrleute und Helfer bauen Dämme aus Sandsäcken. Das Bundesheer steht mit fast 250 Soldaten im Einsatz.

Schon Montagfrüh, 11. Juli 2005, um 8.00 Uhr ist für die Oberpinzgauer Gemeinde Mittersill der Zivilschutzalarm ausgelöst worden. Der Ort Mittersill liegt quasi in einer Badewanne, an deren oberen Rand die Salzach vorbeifließt. Es sei zu befürchten, dass der innere und der äußere Markt überflutet werden, meldet die Gemeinde. Von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr wurden bereits Sandsäcke an Privathaushalte abgegeben.

Die Salzachbrücke im Mittersiller Ortszentrum musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die Ortsdurchfahrt ist nicht mehr möglich. Wenn die Salzach noch weitersteige, dann bestehe höchste Verklausungsgefahr, heißt es. Die Hoffnung der Einsatzkräfte, dass der Regen aufhört und der Pegelstand der Salzach in Mittersill um 14.00 Uhr seinen Höchststand erreicht, hat sich nicht bestätigt – die Salzach steigt dort nach wie vor leicht. Gegen 16.30 Uhr war Mittersill selbst aber noch nicht überflutet.
In der Gemeinde Wald ist nach dem Bruch eines Dammes eine Wohnsiedlung bedroht. Die Feuerwehr versuchte am Nachmittag, das Loch im Damm zu schließen. Weite Teile der Gemeinden Hollersbach, Stuhlfelden, Neukirchen, Piesendorf, Bramberg und Mühlbach waren hingegen zu diesem Zeitpunkt bereits überflutet. Menschen sind jedoch nach Angaben der Feuerwehr nicht in Gefahr.

Im Pinzgau wurden alle Gemeinden an der Salzach zum Katastrophengebiet erklärt, dazu auch Saalfelden, Lofer und St.Martin bei Lofer. Seit Montagabend stehen im Land Salzburg beinahe 250 Soldaten im Einsatz gegen das Hochwasser.

Brennpunkt ist für das Bundesheer weiter Mittersill, wo insgesamt 151 Soldaten der Jägerschule Saalfelden, des Heeresfernmelderegimentes aus St. Johann im Pongau und der Ausbildungskompanie des Militärkommandos aus Tamsweg gegen die Fluten arbeiten. Neben der Verstärkung des Dammes im Ortszentrum werden auch Gefahrenstellen oberhalb der Marktgemeinde abgesichert, berichtet Major Hans Georg Wallner, Presse-Offizier des Kommandos.

In Saalfelden unterstützen 74 Soldaten der Jägerschule die Freiwillige Feuerwehr. Hier wird versucht, die durch den Ort führende Urslau in den Ufern zu halten. Weitere 34 Soldaten der Stabskompanie des Militärkommandos stehen in der Wallnerkaserne/Saalfelden zur Verstärkung bereit.

Auch in Golling unterstützen 28 Pioniere des Pionierbataillons 2 aus der Schwarzenberg-Kaserne in Wals-Siezenheim die Einsatzkräfte, damit auch hier die Salzach „im Zaum“ gehalten werden kann. Kurz nach 13 Uhr ist auch in der Tennengauer Gemeinde Golling für die Salzachsiedlung der Katastrophenalarm ausgerufen worden. Die Befürchtung, die Salzach könnte dort über die Ufer treten, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Die Gollinger Salzachbrücke ist zwar gesperrt, einige Keller sind überflutet, heißt es vom Krisenstab. Die Pegelstände gehen jedoch leicht zurück. Endgültig Entwarnung gegeben werden könne jedoch noch nicht.

Im Pongau rückten die Feuerwehren zu Einsätzen im Gasteinertal und im Großartal aus. Im Ortsgebiet von Bischofshofen musste die Moßhammer Brücke gesperrt werden.
Das Hochwasser beginnt sich mittlerweile auch auf den Zugsverkehr auszuwirken. Die Westbahnstrecke ist zwischen Golling und Werfen gesperrt worden.

Das Gasteiner Straße musste nach dem Abgang dreier Muren zwischen Dorfgastein und Bad Hofgastein am Montagnachmittag gesperrt werden. Bei einem Murenabgang in einem Seitental von Bad Hofgastein sind drei Menschen leicht verletzt worden. Zwei Erwachsenen und ein Kind erlitten Prellungen und Abschürfungen erlitten. Alle drei Verletzten wurden ins Krankenhaus Schwarzach gebracht.

Im Stubachtal bei Uttendorf ist am Montagvormittag ebenfalls eine große Mure niedergegangen. Die Landesstraße zum Enzingerboden sei ab Schneiderau nicht mehr passierbar, melden Einsatzkräfte. Auch in Hüttschlag im Großarltal wurde Hochwasser-Alarm ausgelöst. Landesgeologe Gerald Valentin appelliert an die Autofahrer, nicht unbedingt notwendige Fahrten zu unterlassen, da der Abgang weiterer Muren auf Straßen jederzeit möglich sei.

Die Kraftwerke entlang der Salzach wurden bis in den Pongau von Salzburg AG und Verbund auf eine Hochwasserwelle vorbereitet. Alle Schleusen sind geöffnet. Außerdem wurde die Kaftwerkskette Kaprun abgestellt, um den Wasserzulauf zu verringern. Das meldet die Verbund-Austrian Hydro Power AG.

In der Stadt Salzburg steigt der Pegelstand der Salzach derzeit um zehn Zentimeter pro Stunde. Am Nachmittag lag der Pegelstand der Salzach bei sieben Metern, im Jahr 2002 waren es 8,20 Meter. Sollte das Wasser noch weiter steigen, werde es kritisch, sagt Feuerwehrchef Schnöll.
In der Landeshauptstadt liegen 12.000 Sandsäcke bereit. Die Einsatzreserve der Berufsfeuerwehr ist in Bereitschaft.

Schon am Sonntagabend mussten Feuerwehren im Flachgau zu etlichen überschwemmten Kellern ausrücken. Betroffen waren Henndorf, Straßwalchen, Neumarkt, Plainfeld und Thalgau. Allein in Henndorf sind die Einsatzkräfte bisher an die 30 Mal zu Hilfe gerufen worden.
Im Stadtgebiet betrug die Durchflussmenge der Salzach am Montagvormittag 1.200 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich der Durchfluss beim Hochwasser 2002 waren es 2.300 Kubikmeter.

An Saalach und Lammer gebe es bisher keine Probleme, melden die Einsatzkräfte. Besonders die Lammer reagiere bisher glücklicherweise relativ träge auf die Niederschläge. Sie trägt sonst sehr viel zum Salzach-Hochwasser zwischen Pass Lueg und der Landeshauptstadt bei.

ORF Salzburg

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