Cold-Water-Challenge: Sind wir uns selbst nichts mehr wert?

Österreich: Alarm bei einer Feuerwehr in Kärnten. Rasch wird beim Telefon abgehoben, während das Bierflascherl vor lauter Freude über den Anruf schäumt. Sogleich wird mit offenen Fahrzeugtüren ausgerückt, immerhin will man ja …
… auch am Einsatzort schnell aussteigen können – sofern man das Fahrzeug nicht schon am Weg dorthin durch selbige offene Tür unfreiwillig verlassen hat. Ein Beispiel für mittlerweile einige Videos dieser Art. Wer sind wir eigentlich?
Das Phänomen „Cold Water Challenge“ geht ja ursprünglich darauf zurück, für eine gute Sache einzustehen, was grundsätzlich im Kreise der „Familie Feuerwehr“ eine tolle Sache ist und im weitesten Sinne auch den Gedanken der Feuerwehr -das Helfen- vermittelt. Immer öfter ist es aber nun, auch Dank der raschen Verbreitung durch soziale Netzwerke der Fall, dass man mit Aussagen wie „Sind bei euch die Dummen?“ oder „Ah, da gibt’s ja ein paar lustige Videos von Euch“ konfrontiert wird. Eine Differenzierung zwischen einer „Cold-Water-Challenge-Truppe“ und der Gesamtorganisation findet selbstverständlich nicht statt – es ist stets „die Feuerwehr“. Wer sind wir eigentlich, dass wir Feuerwehrmitglieder es uns gefallen lassen müssen, von Einzeldarstellern aus den eigenen Reihen derart in Misskredit gebracht zu werden?
Zeig mir Deinen Arsch und ich sag dir wer du bist …
Nicht zuletzt ein Video aus Niederösterreich, in dem Feuerwehrangehörige ihr schönstes Körperteil (nein, nicht dieses, die Rückseite davon) voller Stolz mit heruntergelassenen Hosen in die Kamera strecken, ebenso in anderer Szene genussvoll mit Bier in der Hand stehen und mit Blaulicht in der Gegend umherfahren, wirft die Frage auf, ob der Verstand bei gewissen Einzelpersonen nun völlig ausgelassen hat. Wieder stellt sich auch hier die Frage: Wer seid ihr und woher nehmt Ihr Euch das Recht heraus, ein Hobby, eine Berufung, eine ganze Organisation derart lächerlich zu machen?

Auf verlorenem Posten …
Mittlerweile versuchen Vertreter von Landesverbänden fast schon verzweifelt, weiteren Schaden abzuwenden, indem mit rechtlichen Hinweisen und Verboten reagiert wird. Ein fast unmögliches Unterfangen, immerhin ist man ja „freiwillig dabei“ und „Feuerwehr soll auch Spaß machen“. Auch einzelne Feuerwehren sind zum Glück mittlerweile soweit, diverse Nominierungen abzulehnen. Großteils in dem Wissen, dass zumeist nichts Gutes dabei rauskommt.
Viele Feuerwehrmitglieder fühlen sich mittlerweile verraten. Verraten aus den eigenen Reihen, von Einzelkämpfern, die um jeden Preis nach negativen Superlativen streben. Ohne Rücksicht auf das Bild, das dadurch fälschlicherweise entsteht. Es wäre wünschenswert, sich wieder auf die Kernkompetenzen des Feuerwehrwesens zu konzentrieren. Nicht nur der Organisation zuliebe, sondern auch derer, die kein Verständnis mehr für die überbordende Selbstdarstellung einzelner „Kollegen“ haben.
Es stellt sich neuerlich die Frage: Sind wir uns selbst nichts mehr wert, dass wir es Not haben, uns einem derartigen medialen Auftritt hinzugeben?
Ein Beispiel für eine mittlerweile beträchtliche Anzahl an Negativvideos. Cold Water Challenge einer Kaerntner Feuerwehr (Info: Wurde inzwischen entfernt)
