Stmk: Banden haben Feuerwehren im Visier
Steiermark: Bei den Feuerwehren ist „Feuer am Dach“: Sie stehen im Visier von organisierten Einbrecherbanden. Immer mehr Rüsthäuser werden zu Tatorten. Der Schaden und der Ärger sind groß.
Die Feuerwehren schlagen Alarm, denn immer häufiger werden sie mit Einbrüchen konfrontiert. Organisierte Banden sind von Vorarlberg bis ins Burgenland unterwegs, brechen die Rüsthäuser auf und stehlen teure Gerätschaften. Erst vor wenigen Tagen war das Rüsthaus der Freiwilligen Feuerwehr Pöls Schauplatz eines Einbruches.
„Das Fenster wurde eingeschlagen, dann haben die Täter große Steine hineingeworfen, um zu überprüfen, ob ein Alarm ausgelöst wird“, erzählt Hagen Roth, Pressesprecher des Bezirksfeuerwehrverbandes Judenburg und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Pöls. „Weil das nicht der Fall war, sind sie eingestiegen.“
Ein Feuerwehrmann entdeckte den Einbruch. Die Täter hatten aus einem Tanklöschfahrzeug ein Brecheisen gestohlen, dass sie möglicherweise für einen anderen Einbruch benötigten. Aus dem Rüstfahrzeug entwendeten sie eine Bergeschere, einen Spreizer, einen Rettungszylinder, einen Defibrillator. „Seither sind wir im technischen Bereich nur bedingt einsetzbar“, so Roth. „Wir müssen uns vorerst mit Leihgeräten aushelfen.“
Bereits Ende März 2014 waren drei Feuerwehren im Bezirk Voitsberg Opfer von Einbrechern geworden. Ähnlich wie jetzt in Pöls, hatten es die Täter in Hallersdorf auf hydraulisches Spezialwerkzeug abgesehen, dass vor allem bei der Bergung von eingeklemmten Personen benötigt wird. Das Besondere an den erst vor drei Jahren angeschafften Geräten: Sie werden mit Akkus betrieben und sind jeweils von einem Mann bedienbar.
Ebenfalls Ende März hatten unbekannte Täter in die Rüsthäuser in Afling und Piber eingebrochen. Doch in diesen Fällen wurden keine Geräte, sondern Bargeld (rund 2400 Euro) gestohlen. Hinweise, dass diese beiden Einbrüche mit den anderen Taten zusammenhängen, gibt es allerdings nicht. Hingegen dürften die Einbrüche in Hallersdorf und Pöls auf das Konto einer organisierten Verbrecherbande gehen, vermutet die Polizei. Denn es sei schwer möglich, die erbeuteten Gerätschaften in Österreich zu verkaufen. Dass ein Teil des Diebesguts in Tschechien aufgetaucht sein soll, wird offiziell nicht bestätigt.
Der Schaden ist hoch. Allein in der Steiermark dürfte er bei rund 50.000 Euro liegen. Thomas Meier, Pressesprecher des Landesfeuerwehrverbandes: „Es geht nicht nur um den Diebstahl hochwertiger Geräte. Was ist, wenn es einen Einsatz gibt, bevor ein Einbruch entdeckt wurde? Dann fahren die Feuerwehren aus – und stehen ohne Geräte da. Wir sensibilisieren unsere Wehren vorsichtig zu sein – bei Ausfahrten die Türen zu versperren, um den Tätern ein Auskundschaften des Tatortes zu erschweren.“
