Deutschland: Schwieriges Feuer im Kirchturm in 74 m Höhe in Essen

Essen (Deutschland): Das kurze, aber sehr heftige Gewitter, welches am Abend des 3. Jänner 2014 gegen 19.30 Uhr über Teile Essens hinwegzog, bescherte den Einsatzkräften der Feuerwehr elf Einsätze mit dem Stichwort Sturm – und ein Feuer in der Kirche.
Update per 14.30 Uhr
Einige umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste mussten beiseite geräumt werden. Alltagsgeschäft, niemand kam zu Schaden.
Nicht alltäglich war der nachfolgende Einsatz. Zunächst unbemerkt hat ein Blitzeinschlag sehr wahrscheinlich auch den Brand im Kirchturm von St. Hubertus in Essen-Bergerhausen verursacht. Erst gegen 20.30 Uhr wurde eine Rauchentwicklung gemeldet, kurz darauf war klar: es brennt in der Kirchturmspitze. Und zwar in einer Höhe von 74 Metern!

Es ist kein offenes Feuer sichtbar, aber es glimmt, Funken fliegen durch den Nachthimmel, die Glut wird immer wieder von starken Windböen angefacht. „In Essen ist St. Hubertus die Kirche mit dem höchsten Turm“; erzählt der Pfarrer stolz. Das diese Höhe einen langwierigen Feuerwehreinsatz zur Folge haben wird, ahnt er wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mehrere Trupps machen sich zur Brandbekämpfung auf den Weg in den Turm, glücklicherweise sind der Pfarrer und mehrere Mitglieder des Kirchenvorstandes vor Ort, die mit Schlüsseln und wertvollen Hinweisen die Arbeit der Feuerwehr unterstützen.
Teilerfolge gegen das Feuer
Eine Schlauchleitung muss auf 70 Meter gebracht werden, um Löschwasser zur Verfügung zu haben, etliche Pulverlöscher sind ebenfalls erforderlich. Ein echter Knochenjob, aber es gelingt den Männern schließlich, das Feuer immer wieder einzudämmen. Gelöscht werden kann es so jedoch nicht. Zu eng sind die räumlichen Verhältnisse, zu trocken die hölzerne Konstruktion des 100 Jahre alten Gotteshauses, zu heftig der Wind, der die Glut immer wieder entfacht. Da ein Kippen der Turmspitze nicht ausgeschlossen werden kann, werden drei Wohnhäuser und das Pfarrhaus evakuiert.

Kein Wasser auf das Feuer
In der Kirche bringen Berufs- und Freiwillige Feuerwehrleute Statuen und die Kreuzweg-Plastiken im Altarraum in Sicherheit. Zwischenzeitlich ist ein Teleskopmast der Feuerwehr Dortmund eingetroffen. Aus 50 Metern Höhe versuchen die Männer, das Feuer von außen zu erreichen. Die Sicht ist gut, das Technische Hilfswerk ist mit Beleuchtungsgerät und einem Einsatzstellensicherungsgerät vor Ort. Aber vergeblich, es fehlen entscheidende Meter, der Wind treibt das Wasser ab.
84 Meter-Mast angefordert
Aus Düsseldorf wird ein ähnliches Fahrzeug eines Privatunternehmers herangeführt, begleitet von einer Polizeieskorte. Die 84 Meter Arbeitshöhe des Kolosses reichen bis zur Kirchturmspitze, der Außenangriff kann am Samstag, 4. Jänner 2014, gegen drei Uhr endlich beginnen.

Das Kreuz wird abgenommen, die Kupfereindeckung des Daches wird entfernt. Und dann entfacht der Wind das Feuer richtig, erstmalig werden Flammen sichtbar, aber Dank des Teleskopmastes sind die Männer mit dem Feuer auf Augenhöhe.
Der Einsatz des großen Teleskopmastes zur Brandbekämpfung am Kirchturm St. Hubertus in Essen per 07.30 Uhr hat den erwünschten Erfolg gebracht. Das Feuer ist unter Kontrolle, zur Zeit laufen Nachlöscharbeiten. Allerdings müssen die Retter Teile der Turmspitze (etwa fünf Meter) abtragen und das Material mit dem Arbeitskorb des Mastes nach unten bringen. Dass es dabei auch zu Funkenflug gekommen ist, scheint logisch. Allerdings hat es bisher keine Sekundärbrände gegeben.
Brand gelöscht – Update per 14.30 Uhr
Das Feuer im Kirchturm der St. Hubertus-Kirche in Bergerhausen ist gelöscht. Gegen 6.00 Uhr in der Früh waren die letzten Glutnester aufgedeckt und die verkohlten Balken und Holzbeplankungen vor dem Kircheneingang abgelegt. Der Kirchturm ist jetzt um etwa fünf Meter kürzer als noch gestern Abend, das schwere Kreuz liegt sicher im Foyer der Kirche.

Die Wärmebildkamera zeigt keine unzulässig hohen Temperaturen mehr an. Es kann also ans Aufräumen gehen, viele Gemeindemitglieder sind vor Ort und packen an, kehren Brandschutt weg, wischen Löschwasser aus dem Treppenraum des Turmes, hängen Skulpturen und den Kreuzweg wieder auf. Dinge, die in der Nacht durch Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht worden waren.
Ein Dachdecker ist bereits vor Ort und sichert den schwarzen, weithin sichtbaren Stumpen des Kirchturmes gegen das kommende Wetter. Auch er arbeitet aus dem Korb des bereits in der Nacht eingesetzten Teleskopmastes.
Generalvikar Klaus Pfeffer ist vor Ort, macht sich ein Bild, deutet Hilfe des Bistums an. Der Pastor der Gemeinde ist optimistisch. Er will am Sonntag um 11.15 Uhr den Gottesdienst in St. Hubertus feiern.

Das könnte klappen. Daran sind die Essener Feuerwehrleute und alle ehrenamtlichen Helfer, die in der vergangenen Nacht einen hervorragenden Job gemacht haben, nicht ganz unbeteiligt.
