Auf Unfallgefahren nicht vorbereitet -> TV-Hinweis für 12. Mai 2013 auf Vox

Nur wer auf die besonderen Gefahren im Straßenverkehr vorbereitet ist, hat eine wirkliche Chance, die Risiken zu erkennen und einzuschätzen. Eine Formel, die vor allem für Fahranfänger gilt. Doch immer wieder enden Fahrten von Führerschein-Neulingen tragisch, weil sie vor allem im Umgang mit dem Tempo verheerende Fehler machen.
Jüngstes Beispiel ist ein Verkehrsunfall, der sich im November 2012 bei Fredenbeck im niedersächsischen Landkreis Stade in Deutschland ereignet hat. Dort prallte ein 18-jähriger Fahranfänger, der seinen Führerschein erst wenige Wochen hatte, mit einem VW Golf Kombi in einer leichten Kurve gegen einen Baum. Ein 14-jähriges Mädchen und zwei 16-jährige Jungen starben, der Fahrer und der Beifahrer überlebten.

In seiner Beitragsreihe „Die Unfallakte“ analysiert das VOX-Magazin „auto mobil“ am Sonntag (12.05, 17.00 Uhr – 18.15 Uhr) den schweren Unfall und geht dabei gemeinsam mit der Polizei Stade, der Dekra und ADAC-Fahrausbildern der Frage nach, ob der normale Fahrschulunterricht junge Leute eigentlich ausreichend auf die Praxis vorbereitet. Der ermittelte Unfallverlauf lässt auf das fatale Zusammenspiel von weitaus überhöhter Geschwindigkeit und einem Fahrfehler schließen. Denn als der 18-jährige Fahrer merkt, dass er ins Schleudern gerät, muss er einen gravierenden Fehler gemacht haben. Statt zu bremsen, versucht er durch heftiges Gegenlenken das Fahrzeug wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Folge ist, dass der Wagen instabil wird und sich überhaupt nicht mehr beherrschen lässt.

Polizeihauptkommissar Rainer Bohmbach von der Polizei in Stade: „Routinierte Fahrer wissen natürlich, wie sie in Grenzsituationen mit einem Fahrzeug umgehen müssen. Aber wie soll ein junger Mann, der seinen Führerschein gerade mal sechs Wochen hat, das wissen? So etwas wird den jungen Leuten in der Fahrschule nicht beigebracht“. Eine Argumentation, der sich auch Dipl.-Ing. Martin Hitzemann, Unfallanalytiker bei der Dekra in Hamburg, anschließt: „Junge Fahrer sind auf die Bewältigung von Ausnahmesituationen nicht vorbereitet. Das sind Dinge, die trainiert werden müssen. Denn nur dann weiß man, wie sich ein Fahrzeug bei einer Vollbremsung verhält oder was man machen kann, wenn es ins Schleudern gerät“.
Tatsächlich wirft der bei VOX mit Hilfe einer aufwendigen 3-D-Animation aufbereite Unfall viele Fragen auf. In der Boulevardpresse hatte der überlebende Beifahrer noch berichtet, den 18-jährigen Fahranfänger unmittelbar zuvor zu einer langsameren Fahrweise aufgefordert zu haben. In dem Tempo-70-Bereich war das Auto mit geschätzten 120 km/h gegen einen Baum geprallt und durch die Kollision dann in zwei Teile gerissen. Und auch bei der Polizei in Stade ist der Führerschein-Neuling kein Unbekannter. Rainer Bohmbach bestätigt bei VOX, dass der Unglücksfahrer als Jugendlicher einmal eine mehrtägige Spritztour mit dem Auto seiner Eltern unternommen hat. Dennoch warnt Bohmbach vor einer öffentlichen Vorverurteilung. Man dürfe nicht automatisch darauf schließen, dass er nicht vernünftiger geworden sei und kein Auto fahren könne.
Überhaupt hat der grauenvolle Unfall die gesamte Region erschüttert, unendliches Leid ausgelöst und sogar den Einsatz von drei Notfallseelsorgern erfordert. Bei VOX macht sich Pastor Christian Berndt aber auch Gedanken über den Unfallverursacher: „Wenn man versucht, zu begreifen, dass man für den Tod von drei Menschen und auch noch Freunden verantwortlich ist, durchlebt man die Hölle auf Erden. Und es ist ganz schwer, als 18-jähiger da wieder herauszukommen“. Zum Schluss des achtminütigen Beitrags geht „auto mobil“ bei VOX aber auch der Frage nach, wie der schreckliche Unfall vielleicht hätte vermieden werden können. Nach dem Unfall bei Fredenbeck hat die Polizei in Stade ein Fahrschulprojekt initiiert und fordert junge Menschen zur Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings auf.
Im Alltag scheitert die Bereitschaft zur Teilnahme an solchen Kursen allerdings meistens am Geld und an der Selbstüberschätzung der Fahranfänger. Kritiker fordern aufgrund des enormen Unfallrisikos junger Fahrer aber dringend eine Erweiterung des bisherigen Fahrschulunterrichtes. Fahrtrainer Klaus Bogus vom ADAC in Bremen: „Solche Kurse sollten innerhalb des ersten Jahres nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis zur Pflicht werden. Denn nur in Trainings kann man die Fahrschüler mit dem wirklichen Verhalten von Autos in Grenzsituationen konfrontieren“. Die 18-jährige Laura von den Born aus Buxtehude hat sich von diesem Argument überzeugen lassen und einen solchen Kurs besucht: „Ich hätte niemals gedacht, dass mein Auto bei nur 20 km/h mehr völlig instabil wird. Jetzt weiß ich, was ich machen muss“.
Weitere Informationen zur Beitragsreihe „Die Unfallakte“ bei „auto mobil“ (VOX) unter http://www.unfallakte.de
