Deutschland: Jugendanstalt Hameln: Feuerwehr bildet Straftäter aus
Bad Gandersheim/Hameln (Deutschland): Die Gänge sind lang, in kühlem Licht beleuchtet. Links und rechts Tür an Tür aus schwerem Stahl mit einem kleinen Sichtfenster. Alles andere als einladend wirken die Gänge in der Jugendanstalt in Hameln. Die Jugendfeuerwehren aus dem Brandschutzabschnitt Nord-Ost waren hier zu Besuch – aus besonderem Anlass.
In Hameln befindet sich das niedersachsenweit einzige Gefängnis für männliche Jugendliche von 14 bis 24 Jahren. Zwischen sechs Monaten und zehn Jahren sitzen die Gefangenen hier, im Schnitt 1,8 Jahre. Platz für fast 800 Gefangene, die ordentlich was auf dem Kerbholz haben. 25 Prozent Ausländer, 60 Prozent abhängig von Suchtmitteln, 70 Prozent ohne Schulabschluss.
Perspektive Feuerwehr
Eine Perspektive bekommen die jungen Menschen von der örtlichen Feuerwehr aus Aerzen. Die Mannschaft um Ortsbrandmeister Heinz Brand bildet Insassen in der Truppmannausbildung aus. Das ist die Grundausbildung in der Feuerwehr. „Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sind genau unsere Zielgruppe. Daran fehlt es in den Feuerwehren niedersachsenweit“, sagt Brand.
Dass man anfangs ein komisches Gefühl bei der Arbeit mit den Straftätern hat, streitet der Ortsbrandmeister nicht ab. „Wir sortieren kräftig aus. Brandstifter werden selbstverständlich nicht zur Ausbildung zugelassen.“ Wichtig sei die Ausbildung für das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. „Die Gefangenen kommen aus Familien, die man als solche überhaupt nicht bezeichnen kann.“
Sie haben im Leben oft nichts erreicht und haben selten einen Schulabschluss“, sagt Dietmar Müller, Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit und besondere Freizeitmaßnahmen der JA Hameln. Die Gemeinschaft in der Feuerwehr gebe ein Gruppengefühl und vermittele ihnen ein Verantwortungsgefühl.
Die Ausbildung selbst unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von der regulären. Einziger Unterschied: Meterhofe Betonwände mit Stacheldraht, Kameraüberwachung und beim Verlassen des Übungshofes Metalldetektoren. „Die mussten wir aber noch nie einsetzen, wir vertrauen den jungen Männern“, berichtet Brand.
Insassen müssen Leistung zeigen
Die Insassen müssen Leistung zeigen, wollen sie den Lehrgang bestehen. Am Prüfungstag kommen Ausbildungsleiter und auch Hamelns Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke in die Anstalt und überprüfen pinibel jeden Handgriff der Gefangenen.
Als Belohnung gibt es dann die Urkunde, die die bestandene Truppmannausbildung Teil 1 bescheinigt. „Darauf ist kein Vermerk über die Jugendanstalt. Wir wollen den jungen Menschen ihren Start nach ihrer Gefangenheit in einer neuen Feuerwehr nicht damit verbauen“, erklärte Ortsbrandmeister Brand.
