Brand

Nö: Doppelter Einsatz: Das „feurige Hoserl“ aus Neulengbach

Neulengbach (Nö): „Zu Hilf, zu Hilf, die Hose brennt!“ Wie trocknet man eine feuchte Hose? a) man hängt sie auf eine Sessellehne, b) man hängt sie auf den Heizkörper oder c) man steckt sie im Labor in einen Prüfofen und schaltet ihn ein.

Dass Variante c) nicht die optimale der drei Lösungen ist, bemerkte ein Mitarbeiter der Firma Rehau, als am 8. Februar 2013 um exakt 23.04 Uhr die Brandmeldeanlage im Prüflabor der Firma einen Alarm auslöste. Als er herbeieilte und in dem schon ziemlich verrauchten Raum den Ofen öffnete, gloste seine dort zum Trocknen deponierte Hose bereits. Er schnappte das brennende Beinkleid und wollte damit ins Freie laufen, eine Spur aus abgefallenen glosenden Stoffteilen und eine dicke Rauchwolke hinter sich herziehend. Er schaffte es noch bis in einen Gang, wo er das, was von der Hose noch übrig war, mit einem Feuerlöscher mehr schlecht als recht ablöschte. Dann flüchtete er ins Freie.

Minuten später traf das Vorauslöschfahrzeug der FF Neulengbach-Stadt bei der Firma ein und wurde von dem Unglücksraben bereits am Werkstor erwartet – nicht halbnackt, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern mit einer Ersatzhose bekleidet. „Alles gelöscht, es raucht nur noch ein wenig“, beruhigte er die Kameraden. Nach kurzer Lageerkundung unter Atemschutz stellte der Fahrzeugkommandant fest, dass dem nicht ganz so war und er alarmierte das Tanklöschfahrzeug (TLF) mit dem Druckbelüftungsgerät nach, um die Räume wieder rauchfrei zu bekommen. Bis zu dessen Eintreffen wurde kontrolliert, ob die unterwegs verlorenen glosenden Hosenstücke nicht einen weiteren Brand entfacht hatten, was infolge glücklicher Umstände – einige leicht brennbare Lagerungen wurden nur haarscharf verfehlt – nicht der Fall war. Nach dem Eintreffen des TLF wurde sofort der Druckbelüfter in Stellung gebracht, danach wurden die hartnäckig weiterglosenden Stofffetzen ins Freie gebracht und endgültig abgelöscht. In den verrauchten Räumen wurde eine relativ hohe Konzentration an Kohlenmonoxid festgestellt. Da aufgrund von Umbauarbeiten in diesem Bereich nicht alle Brandabschnitte hundertprozentig rauchdicht waren, wurden gemeinsam mit dem inzwischen eingetroffenen Brandschutzbeauftragten der Firma alle angrenzenden Räume auf Raucheintritt kontrolliert und ebenfalls belüftet. Diese Maßnahme war insofern erforderlich, als ein Rückstellen der Brandmeldeanlage natürlich nur dann möglich ist, wenn alle Räume rauchfrei sind. Vergisst man dabei auch nur eine Nische, eine Zwischendecke oder einen Installationsschacht, lösen die Melder dort natürlich beim Rückstellversuch sofort wieder aus. Das Vorhaben gelang auf Anhieb.

Abschließend wurden alle Räume nochmals durchgemessen, es konnte kein Kohlenmonoxid mehr festgestellt werden. Nach knapp zwei Stunden war der Spuk vorüber und die Feuerwehr meldete sich wieder einsatzbereit. Erfreuliches Detail am Rande: die erst in der letzten Woche angeschafften und in das TLF eingebauten Atemluftfilter leisteten bei diesem Einsatz wertvolle Hilfe und ersparten das kraftraubende Vorgehen mit schwerem Atemschutz. So konnte beispielsweise auch der Brandschutzbeauftragte mit einem solchen Gerät ausgestattet werden, für das keine spezielle Schulung erforderlich ist.

Zu Hilf, zu Hilf, die Hose duftet!!
Nnapp dreieinhalb Stunden Schlaf waren den Mitgliedern der FF Neulengbach-Stadt vergönnt, dann schrillten, genau um 04.28 Uhr, wieder die Alarmglocken. Die Einsatzadresse mutete bekannt an: die Firma Rehau in Neulengbach. Einige scherzhafte Bemerkungen über die nunmehr im Ofen getrocknete Unterhose und dergleichen begleiteten die Besatzung des Vorauslöschfahrzeuges auf ihrem Weg zum Fahrzeug. Die zurückbleibende Mannschaft besetzte sicherheitshalber schon das Tanklöschfahrzeug. Dann die Entwarnung: „Nur ein Täuschungsalarm, kein Brand“.

Der „Hammer“ aber war die Ursache des Alarms: eben jener Pechvogel, der wenige Stunden zuvor mit seinem Versuch, seine Hose in einem Prüfofen zu trocknen, um ein Haar die Firma abgefackelt hätte, hatte nach dem Brand den ganzen Dreck mühsam wieder weggeputzt. Um den Kollegen im Prüflabor zu Arbeitsbeginn den doch noch recht intensiven Brandgeruch zu ersparen, kam er zum Schluss auf die gute Idee, im Labor einen Lufterfrischer zu versprühen. Das tat er auch, und zwar so reichlich, dass der dichte Sprühnebel den Brandmelder auslöste. Der arme Mann wurde noch an Ort und Stelle zum Oberpechvogel befördert….

http://www.ff-neulengbach.at

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