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Tirol: Alarmierungs-Praxis der Leitstelle ärgert Feuerwehr

Innsbruck (Tirol): Im Zusammenspiel zwischen Leitstelle und Berufsfeuerwehr knirscht es. Die Alarmierungen spiegeln die Realität oft nur ungenügend wider.

Eingeklemmte/verschüttete Person: So lautete der Computer-Einsatzcode, mit dem die Integrierte Landesleitstelle (ILL) die Innsbrucker Berufsfeuerwehr vor ein Möbelhaus schickte. Die Einsatzkräfte nahmen an Ausrüstung mit, was der Code vorgab – also auch den schweren Bergetraktor: „Tatsächlich ging‘s um einen Buben, der sich am Spielplatz mit einem Bein in den Seilen einer Hängebrücke verfangen hatte“, erinnert sich Erwin Reichel, Kommandant der Innsbrucker Berufsfeuerwehr. Fazit: Der Großteil der Feuerwehrmänner inklusive Traktor waren umsonst ausgerückt, für die Befreiung des unverletzten Kindes reichte ein Mann mit einer Zange.

Kein Einzelfall: Im Dezember ließ der „Brand eines Gastanklagers“ bei der Berufsfeuerwehr die Alarmsirene schrillen. Entsprechend groß der Einsatzaufwand. Tatsächlich war eine mit Gas betriebene Wärmelampe auf einem Golfplatz in Brand geraten. Von einem Tanklager konnte keine Rede sein.
„Das Problem ist das unflexible Computercode-System, mit dem wir alarmiert werden“, betreibt Reichel Ursachenforschung: „Das System ist einfach nicht fein genug, um die vielfältigen Notfallsituationen ausreichend zu beschreiben.“ So kam der eingangs erwähnte Code „eingeklemmte/verschüttete Person“ auch zur Anwendung, als ein fünfjähriges Kind im November in einem Innsbrucker Einkaufszentrum zwischen Rolltreppe und Geländer eingeklemmt wurde. Diesmal reichte kein Mann mit einer Zange – die Feuermänner schufteten eine Stunde, um das schwer verletzte Kind (Rippenbrüche) zu befreien.

„Bei unseren gemeinsamen Sitzungen mit der Leitstelle arbeiten wir daran, das Alarmierungssystem zu verbessern“, ist Landesfeuerwehrinspektor Alfons Gruber trotz aller Schwierigkeiten optimistisch. Reichel sieht die Zukunft weniger rosig, ihm geht die Verbesserung zu langsam.

Martin Eberharter, Co-Geschäftsführer der Leitstelle, verteidigt das System: „Wir können die Codes nicht einfach selbstständig und im Schnellverfahren ändern. Wir arbeiten mit einem komplexen Computerprogramm. Codeänderungen werden von einem internationalen Gremium besprochen und beschlossen und dann vom Systemhersteller programmiert.“ Ein Prozess, der Zeit braucht.
Reichel wünscht sich, dass bei Sondereinsätzen die Alarmierung der Feuerwehr nicht ausschließlich dem Computer überlassen wird: „In deutschen Leitstellen greifen Mitarbeiter mitunter zum altmodischen Telefon.“

Für Eberharter keine Alternative: „Unsere 50 Mitarbeiter kümmern sich um 40.000 Notrufe pro Jahr. Für Telefongespräche mit den Einsatzkräften bleibt selten Zeit.“ Aber immerhin sei es den Leitstellen-Angestellten inzwischen möglich, die Brisanz von Einsätzen nachträglich zu korrigieren.

Branddirektor Erwin Reichel bleibt vorerst bei seiner Kritik: „Das EDV-System ist bei Alarmierungen so komplex, dass es unflexibel ist. Für die Innsbrucker Berufsfeuerwehr ein Rückschritt gegenüber früher.“

Tiroler Tageszeitung

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