Deutschland: Mit brandneuem Löschfahrzeug umgestürzt
Ebern (Deutschland): Das neue, rund 370.000 Euro teure Einsatzfahrzeug LF 20/16 der FF Ebern galt als das modernste Gerät im Kreis Haßberge. Die Hoffnungen auf eine baldige Einsetzbarkeit gingen nach einem Unfall am Samstag, 22.12.2012, um die Mittagszeit sprichwörtlich den Bach hinunter.
Es war der Stolz der Eberner Feuerwehr und war erst vor einigen Tagen beim Hersteller abgeholt worden. Bei einer Einweisungsfahrt geriet das mit drei Mann besetzte Kraftpaket mit 290 PS, 15,5 Tonnen und einem Allradantrieb auf der Ortsverbindungsstraße zwischen der Bramberger Kreuzung und Jesserndorf nach rechts ins aufgeweichte Bankett. Dort pflügten die rechten Reifen auf einer Strecke von rund 150 Metern den Straßenrand um, ehe das das nagelneue Löschgruppenfahrzeug, vor wenigen Tagen noch als „Wunderwerk der Technik“ gepriesen, gegen die Sandstein-Brüstung der Brücke über die Preppach krachte und nach rechts umkippte. Dort blieb das Fahrzeug über dem Bach auf der rechten Fahrzeugseite an einer Baumgruppe hängen.
Die drei Insassen, alle Eberner Feuerwehrleute, blieben unverletzt und befreiten sich selbst aus der misslichen Lage.
Ihre Kollegen aus Ebern und den kleineren Stadtteilwehren, die zur Hilfeleistung und Verkehrsregelung herbei geeilt waren, schauten deprimiert drein, da eine Bergung aus eigener Kraft nicht möglich war und ein Spezialkran eines Bamberger Unternehmens gerufen werden musste. Die Bergung zog sich über Stunden hin. Unklar ist die Höhe des Schadens, der aber beträchtlich sein dürfte. Die futuristisch anmutende Rundumbeleuchtung sowie die Funkanlage funktionierten selbst nach dem Unfall noch. Ob ein Versicherungsschutz besteht? Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) hatte beim ersten Besichtigungstermin vor einer Woche erklärt, dass „der Staat keines seiner Fahrzeuge versichert auch.“ Dabei vertraue man auf die modernste Ausstattung solcher Rettungsfahrzeuge und die intensive Ausbildung und Sorgfalt seiner Nutzer.
Noch am Donnerstag hatte der Feuerwehrreferent im Stadtrat, Dieter Gerstenkorn (CSU), darauf hingewiesen, dass jeden Tag Einweisungen stattfänden, um Fahrzeugführer, Maschinisten und alle Einsatzkräfte mit den vielen neuen Details vertraut zu machen. Beim Jahresabschluss-Essen des Stadtrates in unmittelbarer Nachbarschaft zum Feuerwehrhaus hatten sich die Stadträte von der intensiven Ausbildung selbst ein Bild machen können. Dabei war es um die Steuerung der Leuchtgiraffe auf dem Dach des Löschgruppenfahrzeuges gegangen. Die hing am Samstag in der Baumgruppe. Nach den ersten Informationen über das Unglück erklärte Bürgermeister Herrmann: „Bei unserer Besichtigung des neuen LF 20/16 mit dem Bauausschuss merkte ich noch scherzhaft an: Ich hoffe, dass man dieses Fahrzeug nicht bei einer Einsatzfahrt zu einem Brandort, bei dem ein kleiner Christbaum im Vorgarten brennt, in den Graben fährt“, weil der Eigenschaden dann um ein Vielfaches höher wäre, als der behobene Brandschaden. „Nun ist das Unwahrscheinliche leider schon eingetreten. Auf einer Einweisungs- bzw. Übungsfahrt kam das Fahrzeug von der Fahrbahn ab und legte sich auf die Seite.“
Herrmanns erste Reaktion, als ihn der Kommandant telefonisch informierte: „Aber bitte nicht mit dem neuen Fahrzeug?“ Seine unmittelbare Anschlussfrage: „Sind Personen betroffen?“ Im ersten Fall sei leider bejaht , die zweite Frage mit „kein Personenschaden“ beantwortet worden. Der Bürgermeister weiter: „Nachdem ich den Unfallort selbst besichtigt hatte, muss ich fast sagen, wenn es nicht das neue Fahrzeug gewesen wäre, hätten wir mit Sicherheit Personenschäden zu beklagen und das wäre tragisch. Nun können wir davon ausgehen, dass unsere Vollkasko-Versicherung den Schaden übernimmt und unsere Selbstbeteiligung leisten wir in einem solchen Fall gerne.“ Schon beim Besichtigungstermin wies Herrmann darauf hin, dass die zunehmend hochtechnisierte Ausrüstung der Wehren sehr hohe Anforderungen an die Ausbildung und an die Führungskräfte stelle. „Zunächst aber dürfen wir froh darüber sein, dass bei allem Bedauern über den Schaden an Material keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Welche Schlussfolgerungen künftig zu ziehen sein werden, wird mit den Führungsdienstgraden der Feuerwehr intensiv beraten.“
InFranken.de (Bilderstrecke)
