Deutschland: Großbrand durch techn. Defekt -> 3 Mio. Euro Schaden
Velbert (Deutschland): Großeinsatz im Industriegebiet Röbbeck: Ein Feuer hat am 17. März 2012 die 1.900 Quadratmeter große Lagerhalle eines Recyclingbetriebes an der Haberstraße vollständig zerstört. In dem Gebäude waren rund 140 Tonnen aufbereitete Verpackungen …
… aus dem Dualen System und Rückstände aus der Papierindustrie gelagert, ungefähr je zur Hälfte in geschredderter Form aufgeschüttet bzw. zu Ballen gepreßt. Mitarbeiter und Nachbarn hatten am Vormittag starke Rauchentwicklung aus der Halle bemerkt und um 10.19 Uhr Polizei und Feuerwehr verständigt. Noch während die ersten Einsatzkräfte die Wache verließen, wurde gemeldet, dass die Halle in voller Ausdehnung brannte, was sich schon auf der Anfahrt der Löschfahrzeuge, an Rauchsäule und Feuerschein erkennbar, bestätigte.
Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt keine mehr in dem Gebäude. Vorrangige Aufgabe war daher neben der Brandbekämpfung der Schutz zweier benachbarter Firmen, darunter ein holzverarbeitender Betrieb, deren Hallen nur wenige Meter neben dem Brandobjekt stehen. Zur Verstärkung wurde sofort Sirenenalarm für alle drei Stadtteile ausgelöst, auf den auch die Werkfeuerwehren der Firmen BKS und Huf zur Haberstraße ausrückten. Nach Eintreffen der Verstärkung wurden sofort mehrere Einsatzabschnitte gebildet, die Riegelstellungen zu den Nachbarfirmen ausgebaut und die Brandbekämpfung an der in der in Flammen stehenden Halle forciert.

Zeitweilig waren 18 Rohre zugleich im Einsatz, darunter vier Wasserwerfer sowie drei Drehleitern mit Wenderohren. Die Stadtwerke Velbert hatten die brennende Halle frühzeitig vom Versorgungsnetz getrennt und unter anderem eine unmittelbar angrenzende Trafostation freigeschaltet, so dass die Feuerwehr ungefährdet und ungehindert gegen die Flammen vorgehen konnte. Um an das Feuer im Innern der Halle zu gelangen, mussten außerdem drei Rolltore mit einer motorbetriebenen Rettungssäge aufgeschnitten werden. Die Einsatzkräfte konnten danach von außen Wasser auf das Feuer gehen, ein Betreten war jedoch von Beginn an nicht mehr möglich gewesen.

Um die erforderliche Löschwasserversorgung sicherzustellen, wurden neben den im Umfeld der Einsatzstelle liegenden Hydranten auf ein halbes Dutzend weiterer Wasserentnahmestellen zurückgegriffen. Die Schlauchwagen aus Neviges und Mettmann verlegten teils kilometerlange Schlauchleitungen unter anderem von der Bleibergstraße, Siemensstraße, Langenberger Straße und Stahlstraße zur Einsatzstelle. Dazu mussten einige Straßen im Industriegebiet für den Verkehr gesperrt werden, was allerdings aufgrund des Wochenendes keine wesentlichen Verkehrsbehinderungen verursachte. Die zunächst von der Polizei errichteten Sperren wurden später von den Technischen Betrieben (TBV) durch entsprechende Beschilderung ersetzt.
Neben Einheiten der Mettmanner Feuerwehr, die am Aufbau der Wasserversorgung beteiligt waren, wurden außerdem Kräfte aus Heiligenhaus zur Unterstützung angefordert. Die Feuerwehr Erkrath lieferte Filter, die Feuerwehr Ratingen stellte einen Abrollbehälter Atemschutz zur Verfügung. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war außerdem der aus Velberter und Ratinger Einheiten bestehende Meßzug NRW des Kreises Mettmann alarmiert worden. Da der betroffene Betrieb am Nordrand des Industriegebietes Röbbeck liegt und die Rauchwolke nach Norden in unbewohntes Gelände abzog, konnte eine Gefährdung der Bevölkerung schnell ausgeschlossen werden. Die prophylaktisch durchgeführten Messungen, die sich von der Rottberger Straße über die Kupferdreher Straße bis nach Nierenhof erstreckten, ergaben lediglich eine streckenweise feststellbare Geruchsbelästigung, jedoch keine meßbaren Befunde. Zudem wurde die Kläranlage Hespertal über das Einlaufen des Löschwassers in die Kanalisation informiert.

Nachdem die Flammen am Nachmittag so weit eingedämmt waren, daß ein Übergreifen auf die Nachbargebäude nicht mehr zu befürchten war, wurden die ersten Einheiten aus dem Einsatz gelöst und die Ablösung in drei Schichten für die Nacht und den Sonntag, 18. März 2012, organisiert. Aufgrund der Erfahrungen eines Schwelbrandes im August an gleicher Stelle waren frühzeitig zwei Radlader des THW angefordert worden, die das brennende Kunststoffmaterial zu Löschen aus der Halle transportieren sollten. Die schwere Schädigung der Halle machte jedoch ein ungefährdetes Arbeiten unmöglich, so dass außerdem ein Abrissbagger angefordert werden.

Die 50 Tonnen schwere Baumaschine eines Essener Abbruch- und Tiefbauunternehmens wurde gegen 17 Uhr in Stellung gebracht und zerlegte mit einem sogenannten Sortiergreifer die Dachkonstruktion und Teile der Wände, um den aus Schwelm und Düsseldorf angerückten Radladern des THW einen ungefährdeten Zugang zu ermöglichen. Diese schafften das brennende Material, soweit erreichbar, aus den Trümmern des Gebäudes ins Freie, wo es von mehreren Trupps der Feuerwehr gelöscht und schließlich von den Radladern zusammengeschoben wurde. Anschließend kam wieder der Abbruchbagger zum Einsatz, um den nächsten Hallenabschnitt für die Räumung abzutragen. Schließlich konnte am Vormittag um 9.46 Uhr die Rückmeldung gegeben werden, dass auch die letzten Brandnester gelöscht waren. Die bereits sukzessive angelaufenen Aufräumarbeiten waren gegen 10 Uhr beendet, das letzte Fahrzeug traf um 10.24 Uhr, fast auf die Minute 24 Stunden nach Einsatzbeginn, an der Hauptfeuerwache ein.

Einen besonderen Dank richtet die Feuerwehr an die benachbarte Firma H.J. Küpper Metallbearbeitung, die den Einsatzkräften für die Dauer der Arbeiten umgehend ihre Sanitäranlagen und auch die Kantine zur Verfügung stellte. Hier hatte zunächst der Versorgungszug der Feuerwehr aus Velbert-Mitte die Einsatzkräfte mit Getränken und warmem Essen versorgt. Am Abend hatte die Einsatzeinheit Nord des DRK im Kreis Mettmann die Versorgung mit warmen Speisen sichergestellt und auch für Frühstück am Morgen gesorgt.
Personen kamen durch das Feuer nicht zu Schaden, der Sachschaden dürfte die Millionengrenze aber sicherlich deutlich überschreiten. Neben dem Gebäude brannten auch die in der Halle stehenden Maschinen und zwei Radlader des Unternehmens völlig aus. Für die Feuerwehr war es indessen nicht der erste Einsatz bei dem Recyclingunternehmen. Am 16. August des vergangenen Jahres hatte ein Schwelbrand in der Lagerhalle einen 18-stündigen Großeinsatz nach sich gezogen. Auch damals hatte das THW mit zwei Radladern geschredderte Kunststoffe zum Löschen ins Freie geschafft, ohne dass jedoch
das Gebäude betroffen war.
Ergänzende Polizeimeldung:
Am heutigen Montagmorgen, 19. März, wurde der Brandort, nachdem er ausreichend abgekühlt und ausgegast war, von den Brandermittlern des Kommissariat 11 in Mettmann, in enger Zusammenarbeit mit einem amtlichen Brandsachverständigen untersucht. Trotz der totalen Zerstörung der Lagerhalle und ihres Inhaltes konnten die Experten die Brandursache überraschend schnell in einem technischen Defekt innerhalb der Lagerhallenfläche erkennen und genauer lokalisieren. Der insgesamt entstandene Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen der Brandexperten auf mindestens 3 Millionen Euro.
