Stmk: Katastrophale Konkurrenz in Graz
Graz (Stmk): Kampf der Freiwilligen: Helmut Nestler, Ex-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, baut den Katastrophenschutzdienst stark aus.
Der Freiwilligen Feuerwehr Graz (FFG) erwächst Konkurrenz von einem Altbekannten: Vor einem halben Jahr trat Helmut Nestler als Kommandant der FFG nach heftiger interner Kritik zurück und zog sich auf sein Amt als Katastrophenschutzreferent zurück; dort bastelt er nun am Aufbau des Katastrophenschutzdienstes (KSD). „Wir haben ordentlich angekurbelt und von 39 auf 80 Freiwillige erhöht“, so Nestler.
Andreas Rieger, der Anfang Jänner 2011, die FFG als Obmann übernehmen wird, sieht diese Entwicklung kritisch: „Ich glaube, dass Nestler seine Hintergedanken hat und eine Art Konkurrenz aufbauen könnte.“ Viele ehemalige Florianis sollen ja in die Reihen der Katastrophenschützer übergewechselt sein. Die Zahl der FFG-Mitglieder ist von einst 150 auf rund 100 gesunken, dabei habe man „aber nur viele Karteileichen aussortiert“, so Rieger. Nestler jedenfalls versichert, beim Katastrophenschutzdienst handle es sich um keine Ersatzfeuerwehr. Der KSD, der seit Mitte 2009 Ausbildungslehrgänge anbietet, verrichte im Katastrophenfall einfache Dienste, wie Tabletten verteilen im Fall einer Pandemie. Außerdem gebe es einen gesetzlichen Auftrag, die Helfer sind Beamte, die ohne Uniformen im Einsatz seien.
Für die politischen Beobachter stellt sich aber die Frage: Wird hier in der Stadt gerade eine teure Parallelstruktur etabliert? Denn mit dem Argument, im Katastrophenfall der Berufsfeuerwehr beispringen zu können, hat man ja 2008 die Freiwillige Feuerwehr gegründet.
Politische Kritik: Harald Korschelt von der FPÖ fordert ein Machtwort vom zuständigen Bürgermeister Siegfried Nagl. „Nagl muss da endlich Klarheit reinbringen. Jeder gründet da einen Verein und keiner weiß mehr, wofür er eigentlich zuständig ist.“ Radikaler ist BZÖ-Gemeinderat Georg Schröck: Er fordert überhaupt die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr. „Wir schütten da viel Steuergeld hinein, dafür, dass dort nur Krieg in den eigenen Reihen herrscht.“
Im jüngsten Gemeinderat wurden der Freiwilligen Feuerwehr insgesamt 180.000 Euro zugewiesen – 24.000 Euro davon „aus den Katastrophenschutzmitteln, die budgetär bei der Berufsfeuerwehr angesiedelt sind“, wie es im entsprechenden Gemeinderatsstück heißt. Der „Erfinder“ der Freiwilligen Feuerwehr in Graz, ÖVP-Gemeinderat Kurt Hohensinner, sieht darin keinen Kompetenzwirrwarr: „Im neuen Landesfeuerwehrgesetz wird klar geregelt, wer wofür zuständig ist.“ Grundsätzlich sieht Hohensinner die Freiwillige Feuerwehr auf einem guten Weg.
