USA: Inferno statt Familienessen: Wenn der Truthahn zum Feuerball wird
Vereinigte Staaten: Offenes Feuer und literweise heißes Öl – das ist eine gefährliche Kombination.
Diese Erfahrung machen jedes Jahr etliche US-Familien. Zu Thanksgiving, dem letzten Donnerstag im November, gehört traditionell ein Truthahn auf den Tisch. Und dabei erfreut sich die frittierte Variante immer größerer Beliebtheit. Doch die ist manchmal mit erheblichem Risiko verbunden. Rund 46 Millionen Truthähne werden für Thanksgiving geschlachtet, schätzt man. Und rund zwei Millionen davon werden nicht im Backrohr gebraten, sondern frittiert. Außen knusprig, innen saftig – und das bei viel kürzerer Zubereitungsdauer, schwärmen Frittierfans.
Jedes Jahr abgebrannte Häuser
Das Prinzip ist einfach. Es braucht einen ordentlichen Gasbrenner, einen großen Topf, viel Öl – und einen Garten. Das Resultat ist aber häufig keine knusprige Pute, sondern ein gewaltiger Feuerball. Etliche Videos auf YouTube zeigen, was passiert, wenn das Familienessen zur Katastrophe wird. Brennt das Ding erst einmal, herrscht oft Panik – und Löschversuche machen die Sache zumeist noch schlimmer.
Vor allem in der Nähe des Hauses und von Schuppen kann das Kochexperiment fatal enden. Dabei sind sich die meisten Hobbyköche der Gefahr bewusst und gehen entsprechend vorsichtig vor. Dennoch zeitigt das Vorgehen manchmal meterhohe Flammen oder gar infernoartige Zustände. Medienberichten zufolge fackeln jedes Jahr ein bis zwei Dutzend US-Familien beim Frittieren ihres Truthahns ihr Haus ab.
Feuerwehren warnen
Doch die gemachten Fehler sind immer dieselben: Der Truthahn wird nass oder gar noch tiefgefroren in das siedende Öl versenken – wie Wasser und brennheißes Öl miteinander reagieren, sollte bekannt sein. Oder es wird zu viel Öl in den Topf geleert. Kommt der Truthahn hinzu, geht der Topf über, das Öl ergießt sich ins offene Feuer.
Mittlerweile warnen Medien und vor allem die US-Feuerwehren landauf landab vor den Gefahren. Sie demonstrieren in voller Schutzmontur in Videos, was alles passieren kann und worauf man achten sollte. Truthahn zu Thanksgiving erfreut sich offenbar auch in Europa mittlerweile größerer Beliebtheit. Der britische „Guardian“ hat auf seiner Website ein Kochvideo veröffentlicht, das die richtige Zubereitung verrät und eindringlich auf die Gefahren aufmerksam macht.
Auch das Backrohr birgt Gefahren
Einen geklungenes Truthahnessen im trauten Kreis der Familie ist das US-Ideal – und genau deswegen sind die Erwartungen hoch, und oft liegen die Nerven blank – selbst bei der traditionellen Zubereitungsmethode. Allein das mehrere Kilo schwere Tier in den Ofen zu bugsieren, stellt viele vor erhebliche Schwierigkeiten. Trockenes Fleisch oder ein völlig verkohlter Vogel gelten als familiäre US-Traumata schlechthin. Eine eigens eingerichtete Truthahnhotline hat jedes Jahr rund 100.000 Anrufer.
Festtag für den Handel
Thanksgiving ist einer der bedeutendsten Feiertage in den USA. Die Amerikaner gedenken der ersten Ernte der Einwanderer von Plymouth in Neuengland im 17. Jahrhundert. Wie es dazu kam, dass ausgerechnet Truthahn, Preiselbeeren, Kürbiskuchen und Süßkartoffeln aufgetischt werden, ist nicht mehr rekonstruierbar. Für den Einzelhandel ist der Tag nach Thanksgiving ein Festtag: Es ist zwar nicht wie oft kolportiert der umsatzstärkste Tag des Jahres, der liegt nämlich in der Woche vor Weihnachten. Aber im ganzen Land wird schon Wochen vorher für Rabatte geworben. Am „Black Friday“ warten manche Schnäppchenjäger Stunden, bevor die Geschäfte in der Früh öffnen.
