Deutschland: Explosion und Brand nach Zugsunfall mit Gefahrgutwaggons
Bleicherode (Deutschland): Bei einem schweren Zugunglück in Bleicherode im Kreis Nordhausen wurde am Mittwochabend, 21. September 2011, ein Lokführer leicht verletzt. Ein zweiter Lokführer blieb unverletzt.
Ein Gefahrgutzug fuhr auf einen stehenden Zug auf. Dabei kam es zu Explosion und Brand. Anwohner wurden in Sicherheit gebracht. Die Bahnstrecke zwischen Wolkramshausen und Sollstedt ist bis auf weiteres für den Zugverkehr gesperrt.
Weil Explosionsgefahr bestand und aus einem Gefahrgutbehälter eine giftige und ätzende Flüssigkeit ausgetreten war, wurden etwa 30 Bewohner aus Häusern entlang der Bahnstrecke in Sicherheit gebracht. Viele seien bei Bekannten oder Verwandten untergekommen hieß es. Für einige stellte die Gemeinde Notunterkünfte bereit.
Nach Polizeiangaben war am Bahnhof Bleicherode am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr ein Gefahrgutzug aus bisher ungeklärter Ursache auf einen stehenden Zug mit Kesselwagen aufgefahren. Dabei gerieten die letzten beiden mit Benzin gefüllten Waggons und eine Lokomotive in Brand. Mindestens ein mit Benzin beladener Wagen ist explodiert und ausgebrannt. Durch die Wucht des Aufpralls löste sich auf dem Gefahrgutzug ein Behälter mit einer giftigen und ätzenden Chemikalie und stürzte auf das Nachbargleis. Dabei wurde dieser beschädigt, so dass die giftige Substanz austrat. Der Lokführer des auffahrenden Zuges sei dabei verletzt worden. Der Fahrer des stehenden Zuges erlitt einen Schock. Auch die Lok des auffahrenden Zuges fing Feuer.
Rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz: Wegen der hohen Temperaturen des Feuers kamen die Einsatzkräfte anfangs nicht an den Unglücksort heran. Nach etwa zweieinhalb Stunden hatte die Feuerwehr den Brand aber unter Kontrolle und die Flammen gelöscht. Trotzdem bestand vorerst weiter Explosionsgefahr, da auch mindestens einer der mit Benzin gefüllten Kesselwagen Leck geschlagen war. In schweren Schutzanzügen kontrollierten Feuerwehrleute zudem den beschädigten Gefahrgutbehälter, in dem sich rund 38.000 Liter der Flüssigkeit befinden sollen. Der Feuerwehr war es gelungen, die auslaufende Flüssigkeit aufzufangen. Noch in der Nacht sollte mit dem Abpumpen des Behälters begonnen werden. Auch die beschädigten Kesselwagen sollten leer gepumpt werden.
Zum Löschen des Brandes waren aus dem gesamten Kreis Nordhausen freiwillige Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr Nordhausen alarmiert worden. Etwa 150 Helfer waren nach Angaben von Kreisbrandmeister Wilfried Ittershagen im Einsatz. Die Bundespolizei sicherte mit etwa 60 Beamten den Unglücksort ab, weitere 50 Beamte hatte die Thüringer Polizei im Einsatz.
Umfang der erforderlichen Aufräumarbeiten noch unklar: Durch den Aufprall waren an beiden Zügen mehrere Wagen und eine Lok aus den Gleisen gesprungen. Bislang unbestätigten Angaben zufolge sollen die beiden Züge einem privaten Unternehmen gehören. Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Einsatzort sagten, dass die beiden Hauptgleise wahrscheinlich schwer beschädigt und durch das Feuer auch die Oberleitungen zerstört seien. Zudem sollen ausgelaufene Flüssigkeiten und Chemikalien das Erdreich verseucht haben. Dies wollte die Bahn in der Nacht nicht bestätigen. Auch zur Schadenshöhe wollte sich in der Nacht noch niemand äußern. Er dürfte aber in die Millionen gehen, hieß es.
Die Bahnstrecke Halle/ Kassel wird vorerst gesperrt bleiben. Das Unglück hat damit auch Einfluss auf die Anreise der Pilger am Freitag, 23.9.2011, für den Papst-Gottesdienst an der Kapelle Etzelsbach.
Thüringer Allgemeine (mit Bildern)
