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Tirol / USA: Der Aufstieg nach dem Hurrikan

Tirol / USA: Wirbelsturm Irene hatte die Hoffnungen von sechs Innsbrucker Feuerwehrleuten bei den World Police and Fire Games in New York fast zunichtegemacht. Aber eben nur fast. Am Ende stand ein Sieg über sich selbst.

Wer kann schon von sich behaupten, innerhalb von drei Wochen einen Wirbelsturm zu erleben, sich beim Treppenlauf zu verausgaben, einen schönen Urlaub zu verbringen und beim Gedenken an die Terroranschläge live dabei zu sein? Sechs Männer der Innsbrucker Berufsfeuerwehr haben diese Rallye an Erfahrungen hinter sich.

Am 24. August 2011 brachen Josef Eller, Gregor Katschthaler, Franz Hilber, Martin Tiefnig, Christian Mang und Markus Mayr nach New York auf. Ihr Ziel waren die World Police and Fire Games, die internationalen Polizei- und Feuerwehrmeisterschaften, die zum zehnten Jahrestag von 9/11 in New York stattfinden sollten.

Mayr wollte den Halbmarathon bestreiten. Die anderen fünf zog es in die Höhe: Beim Treppenlauf (Stairrace) in voller Schutzausrüstung und mit schwerem Atemschutz wollten sie die Herausforderung über umgerechnet 50 Stockwerke im World Trade Center 7 (WTC 7) annehmen. Doch der kräfteraubende Lauf über 1000 Stufen auf den Feuwehr-Olymp drohte ihnen versagt zu bleiben. Denn bald nach ihrer Ankunft wirbelte Hurrikan Irene die Pläne der Innsbrucker Delegation durcheinander und verblies zunächst alle Hoffnungen der Tiroler. Der für 27. August angesetzte Treppenlauf musste wegen des Sturms abgesagt werden, ebenso der tags darauf geplante Halbmarathon. „Das war ein Wahnsinn. Wir hatten uns ein Dreivierteljahr vorbereitet und sollten jetzt leer ausgehen“, erinnert sich Gregor Katschthaler an eine sehr gedrückte Stimmung.

Erst Innsbrucks Branddirektor Erwin Reichel, ebenfalls im USA-Urlaub, klärte die Truppe über das Ausmaß der Bedrohung durch den Hurrikan auf: 300.000 Menschen mussten evakuiert werden, das öffentliche Leben stand still. In einem Hotel am Rande der Evakuierungszone gelegen mussten die Tiroler zwar nicht flüchten, aber im Hotel bleiben. Sie deckten sich mit Wasser und Lebensmitteln ein. Angst sei keine aufgekommen, betont Christian Mang. „Ich bin seit 18 Jahren Berufsfeuerwehrmann und es gab einige Aktionen, bei denen ich Glück hatte. Bei so einem Sturm geh‘ ich nicht drauf“, sagte er sich. „Im schlimmsten Fall hätten wir unseren New Yorker Kollegen geholfen“, erklärt Martin Tiefnig. Doch alles sei sehr diszipliniert abgelaufen. Die Angehörigen daheim seien viel besorgter gewesen.

Geknickt und unverrichteter Dinge wollten die Tiroler am 1. September dem Big Apple den Rücken kehren und schon Richtung Washington und damit in den Urlaub aufbrechen, als der Treppenlauf für den übernächsten Tag angekündigt wurde. Obwohl das Team nicht mehr in Top-Form war und trotz des finanziellen Mehraufwands wegen der Umbuchungen, war die Entscheidung letztlich eindeutig: Die Männer nahmen den Kampf mit den 50 Stockwerken auf – Christian Mang, mit 44 der Senior in der Truppe im Einzel, die anderen einzeln und als Team. „Wir haben unser Maximum abgerufen“, sind sich die fünf einig. Der kränkelnde Gregor Katschthaler sogar noch etwas mehr: „Zwischen 17. und 20. Stock kam die Keule. Von da hat mich nur mehr der Kopf hinaufgebracht.“ Der Lohn für die Willensstärke: Der vierte Platz (von acht) in der Teamwertung ihrer Altersklasse und Einzelplatzierungen im vorderen Drittel machen die Innsbrucker stolz. Ebenso wie Einzelzeiten um acht Minuten – der Sieger war gut zwei schneller.Nachdenklich werden ließ die Feuerwehrleute die Teilnahme an der Gedenkfeier für die 343 US-Kollegen, die bei 9/11 ums Leben gekommen waren. „Es ist beklemmend, was die Kollegen mitgemacht haben.“ Ob auch sie in die Türme gegangen wären, diese Frage haben sich die Tiroler seither oft gestellt und klar mit Ja beantwortet: „Wahrscheinlich mit voller Hose, aber es ist unser Job zu helfen.“

Tiroler Tageszeitung

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