Deutschland: Nach dem Blaulicht-Unfall mit 2 Toten in Tonndorf (Hamburg)
Hamburg (Deutschland): Der Blaulicht-Crash von Tonndorf. Bei dem Zusammenstoß zwischen einem Löschwagen der Feuerwehr und einem Linienbus der Hochbahn sind am Mittwoch, 6. Juli 2011, zwei Menschen getötet, 23 weitere zum Teil schwer verletzt.
Es war der schlimmste Blaulicht-Unfall in der Geschichte Hamburgs. Wie geht es den Verletzten? Und wie konnte es zu dem Unfall kommen? Der Stand der Ermittlungen:
Wie geht es den Verletzten?
Besser! Keiner der 23 Verletzten schwebt mehr in Lebensgefahr. Das gilt auch für den fünf Jahre alten Jungen, der mit schweren Kopfverletzungen ins UKE geflogen werden musste. Er und seine Mutter bleiben aber vorerst in der Klinik. Auch vier Feuerwehrleute – einer von ihnen hat einen gebrochenen Arm – und ein elf Monate altes Baby bleiben zunächst im Krankenhaus. Das Baby aber nur zur Beobachtung.
Wie kam es zu dem Unfall?
Das ist – auch einen Tag danach – vollkommen unklar. Fuhr der Löschwagen mit Blaulicht und Martinshorn? Und wenn ja, wie lange waren Licht und Horn eingeschaltet? Missachtete der Busfahrer eine rote Ampel? Oder fuhr der Feuerwehrwagen zu schnell? Die Schuldfrage steht im Mittelpunkt der Ermittlungen des Verkehrsunfalldienstes.
Was unternimmt die Polizei?
Die Ermittler tragen akribisch alle vorhandenen Informationen zusammen. Mit einer speziellen 3D-Kamera (siehe Text nächste Seite) will die Polizei die Entstehungsgeschichte des Unfalls rekonstruieren. Der Unglücksort an der Stein-Hardenberg-Straße wurde mit der Kamera komplett eingescannt. Helfen sollen auch Luftbilder, die aus einem Polizeihubschrauber gemacht wurden. Zudem werden in den kommenden Tagen mehr als 50 Menschen befragt, die als mögliche Zeugen infrage kommen. Wie viele Fahrgäste sich zum Zeitpunkt des Unfalls in dem Bus der Linie 9 befanden, ist laut Polizei noch unklar.
Super-Laser hilft bei Ermittlungen
Wenn es richtig knifflig wird, kommt er zum Einsatz: Der Super-Laser der Polizei. Die 3D-Kamera „IMAGER 5006i“ kann einen Tat- oder Unfallort in nur drei Minuten komplett scannen. Auf einem Stativ dreht sich der 100000 Euro teure Laser (14 Kilo schwer, 79 Meter Reichweite) automatisch um die eigene Achse und misst dabei millimetergenau die Entfernungen zwischen 50 Millionen Punkten. Anhand dieser Daten kann der Ort später auf einem Monitor dreidimensional wiedergegeben werden. Sinn der Sache: Die Ermittler können sich so den Ort im Büro immer wieder ansehen – auch wenn am tatsächlichen Tat- oder Unfallort längst wieder der Alltag eingekehrt ist. Die Modelle können auch bei Gerichtsprozessen verwendet werden. Die Technik hat aber ihre Grenzen: Der Scanner kann nicht „durch Wände sehen“.
Er erkennt nichts, was nicht auch für das menschliche Auge zu sehen ist. Und: Bei Regen, Schneefall, Nebel oder stark reflektierenden Flächen stößt der „IMAGER 5006i“ an seine Grenzen.
Wann gibt es die ersten konkreten Ermittlungsergebnisse? Laut Polizei: frühestens kommende Woche. Polizeisprecher Holger Vehren: „Die Ermittlungen nehmen richtig Zeit in Anspruch.“
Wie reagieren die Verantwortlichen?
Ein Sprecher der Hamburger Hochbahn – der Linienbus gehört dem Unternehmen – zeigte sich betroffen: „Die Gedanken der Mitarbeiter des Unternehmens sind bei den Angehörigen und bei den Opfern.“ Innensenator Michael Neumann (SPD) hatte bereits am Tag des Unglücks erklärt, er sei „tief bestürzt“. Feuerwehrsprecher Manfred Stahl sagte: „Die Feuerwehr Hamburg spricht den Angehörigen der verstorbenen Unfallopfer ihr tiefes Mitgefühl aus. Allen Verletzten wird eine baldige Genesung gewünscht.“
