Deutschland: Mit zwei CH-53 gegen Flammenmeer
Hausberge/Bückeburg (Deutschland): Eine riesige, dunkle, Hunderte Meter hohe Qualmwolke ist von Bückeburg aus im Westen zu sehen. Sie wird vom Wind an den Hängen des Wesergebirges entlang in südöstliche Richtung gen Kleinenbremen und Bückeburg getrieben. So beginnt …
… am Morgen des 4. Juli 2011 um 9.24 Uhr für die Bückeburger der Brand auf dem Betriebsgelände des Entsorgungsunternehmens Tönsmeier direkt an der Weser im Portaner Stadtteil Hausberge – dort, wo auch ein Großteil der aus Schaumburg angelieferten Wertstoffsäcke sortiert und verarbeitet wird.
Mehrere Hundert dieser Kunststoffballen in einer Größe von 1,30 mal 1,30 Meter stehen neben einer Lagerhalle in Flammen, können von den 150 Feuerwehrleuten nur mit größter Mühe und dem Einsatz von Wasser und Schaumteppichen in Schach gehalten werden. Darunter sind auch Kräfte aus Bückeburg, Rinteln, Stadthagen und Evesen mit je einem Tanklöschfahrzeug sowie der Flugplatzfeuerwehr Achum mit drei Großtanklöschfahrzeugen.
Zwei Stunden später erhalten die Bodenkräfte Unterstützung aus der Luft. Zwei mittlere Transporthubschrauber der Heeresfliegerwaffenschule mit Lösch-Containern unter den Maschinen schöpfen Wasser aus der Weser und einem nahe gelegenen Kiesteich, werfen immer wieder 5000 Liter Wasser in die Flammen. Dennoch lodern durch die enorme Hitze immer wieder Flammen in den dunklen Himmel. Später werden die CH-53 abgezogen, weil es nichts bringt.
Da Schaumvorräte knapp sind, werden aus weitem Umkreis Vorräte nach Hausberge gebracht – allein 14 000 Liter aus dem Landkreis Nienburg. Um 13.20 Uhr ruft der Landkreis Minden-Lübbecke die Großschadenslage aus. Michael Horst, Pressesprecher der Feuerwehr Porta Westfalica, gestern Nachmittag: „Der Einsatz wird noch bis morgen dauern.“
Über den Rundfunk wird die Bevölkerung aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten, sich möglichst nicht im Freien zu bewegen. Parallel werden die Rettungsleitstelle des Landkreises und die Einsatzkräfte in Bückeburg, Stadthagen und Rinteln alarmiert. Die Polizei Bückeburg fordert den Einsatzleitwagen der Feuerwehr an, platziert ihn neben dem Revier, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, wenn der Wind dreht und der Qualm direkt über die Stadt zieht, was zum Glück nicht passiert. „Die Wetterlage ist nach den Vorhersagen stabil“, berichtet Feuerwehr-Pressesprecher Daniel Reichenauer. Um 15.30 Uhr ist daher für die Feuerwehr Bückeburg der Einsatz beendet. Sie kann einrücken. Nicht dagegen die Rintelner. Die Umweltschutzeinheit der Schaumburger Feuerwehren nimmt Schadstoffmessungen vor, stellt dabei aber nichts Bedenkliches fest (siehe Bericht auf der Seite Rinteln).
Kurzzeitig erwägen mehrere Schulen, den Unterricht abzubrechen, etwa am Adolfinum, wo die Schüler über Lautsprecherdurchsagen gewarnt werden. Tatsächlich abgebrochen wird der Unterricht in Nienstädt.
Derweil ist rund um das Nadelöhr Porta das Verkehrschaos perfekt. Die Bundesstraße 482 wird gesperrt, ebenso die Autobahnausfahrt Vennebeck, kurzzeitig auch der Weserauentunnel. Weiträumig muss der Bereich umfahren werden, der Verkehr quält sich über B 83 und B 65.
Noch schlimmer sind die Bahnfahrer dran. Der Nahverkehr zwischen Minden und Löhne wird komplett eingestellt. Der Fernverkehr wird über Paderborn umgeleitet. Es kommt zu einstündigen Verspätungen.
