Deutschland: Raupe setzt Thyrower Feuerwehr nach Einsatz schachmatt
Thyrow (Deutschland): „Uns Thyrower hat der Eichenprozessionsspinner schachmatt gesetzt“, sagt Holger Mehlis von der Freiwilligen Feuerwehr Thyrow. Mehrere Kameraden mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.
Der 18 Jahre alte Steven Sachse wurde sogar stationär im Krankenhaus aufgenommen. Einige Kameraden sind arbeitsunfähig. Die Thyrower Feuerwehr ist nicht mehr einsatzbereit. Zu einem schweren Verkehrsunfall rückte am 7. Juni 2011 stattdessen die Ludwigsfelder Wehr aus.
Die Ursache der fehlenden Einsatzfähigkeit der Thyrower liegt einige Tage zurück. Am Sonntag, 5. Juni 2011, um 15.06 Uhr war die Wehr alarmiert worden, weil auf der Kreisstraße zwischen Großbeuthen und der B101 durch Sturmschaden Äste von einer Eiche gebrochen waren. Die lagen zum Teil auf der Telefonleitung, ein großer Ast blockierte die Straße. Vor Ort wies Einsatzleiter Holger Mehlis die Kameraden an, Handschuhe anzuziehen und die Jacken bis zum Kinn zu schließen. Vom Landkreis aufgestellte Schilder warnen vor dem Eichenprozessionsspinner, einem Falter, der dort beinahe jeden Baum befallen hat. Die Raupen des Schädlings tragen Gifthaare, die auf der Haut und an den Schleimhäuten toxische und allergische Reaktionen hervorrufen. Heftig juckende Hautausschläge und Asthmaanfälle sind die Folge. Die mikroskopisch feinen Gifthärchen können vom Wind bis zu hundert Meter weit getragen werden, verbleiben in der Umwelt und stellen über Jahre ein Gesundheitsrisiko dar. Der Einsatz an der Kreisstraße dauerte genau 21 Minuten, dann war die Straße geräumt, die Sperrung konnte aufgehoben werden. Die beiden Feuerwehrautos fuhren zurück ins Gerätehaus, die Kameraden stiegen aus ihren Uniformen und duschten. Aber bereits am Abend klagten sechs der acht Feuerwehrmänner über starken Juckreiz. Ihre Körper waren auch an den von der Kleidung bedeckten Stellen mit roten Pusteln übersäht.
Wie jetzt mit dem kontaminierten Thyrower Feuerwehrgerätehaus verfahren werden soll, ist unklar. Laut einem Schädlingsbekämpfer müssten die Einsatzfahrzeuge auch innen gründlich abgesaugt werden. Wer aber soll das bezahlen? Wehrleiter Rainer Herzlieb denkt an das Verursacherprinzip. Bäume und Straße gehören dem Landkreis. „Für uns freiwillige Feuerwehren aber gibt es keine Richtlinie, wie wir uns im Falle eines Einsatzes auf den vom Prozessionsspinner befallenen Straßen zu verhalten haben. Was passiert mit unseren persönlichen Schutzausrüstungen?“, fragt sich der Wehrleiter.
Sein Stellvertreter Mike Eschricht weist darauf hin, dass sie quasi vom Schädlingsbefall umzingelt seien, denn auch die Straßen zwischen Thyrow und Siethen, zwischen Ludwigsfelde und Siethen sind betroffen.
