Deutschland: Nachwuchssorgen bei den Wehren
Deutschland: Die Freiwillige Feuerwehr verliert immer mehr Mitglieder − deutschlandweit. In den vergangenen neun Jahren ist die Zahl der Mitglieder um 40 000 zurückgegangen. Um dem Schwund entgegenzuwirken, wird nun verstärkt um Nachwuchs geworben.
Auch wenn die bayerische Feuerwehr von dieser beunruhigenden Entwicklung nur eingeschränkt betroffen ist, will man hier vorsorgen. Immerhin stagnieren die Mitgliederzahlen seit vier bis fünf Jahren. „Bisher haben wir noch keine Nachwuchssorgen − aber für den demografischen Wandel muss die Feuerwehr gerüstet sein“, teilt Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands, mit. „Ab September 2011 soll eine dreijährige Imagekampagne starten, die auf das Ehrenamt Feuerwehr aufmerksam machen soll“, kündigt der Verbandschef an. „Wir wollen alle ansprechen, junge Menschen, Frauen, Migranten und vor allem Quereinsteiger, die sich etwa mit 30 Jahren noch entschließen, zur Feuerwehr zu gehen.“
Quereinsteiger seien deshalb so wichtig, weil es gerade bei den jüngeren Mitgliedern einen starken Einbruch gebe, erläutert Weinzierl. Viele gingen weg zum Studieren oder Arbeiten und dann entstehe bei den Aktiven eine große Lücke.
Bayern steht, was die Mitgliederzahlen betrifft, besser da als andere Bundesländer. Weinzierl führt dies auf den Erhalt der Ortsteilfeuerwehren zurück: „Das ist es eben, was uns wirklich Manpower verschafft, dass wir an den Dorffeuerwehren auch nach der Gebietsreform festgehalten haben. Es gibt in Bayern 7700 Feuerwehren, das kommt uns in Großschadenslagen, wie etwa bei der Schneekatastrophe 2006, sehr zugute.“
„Stell dir vor, es brennt und keiner löscht“Gerade im ländlichen Raum erlebt Weinzierl bei den Feuerwehrlern in Bayern eine starke Identifikation mit ihrem Ort. Dazu gehöre nicht nur der Notfall-Einsatz, sondern auch die Traditionspflege im Verein und Einsätze rund um Feste. „Darum brauchen wir auch weiterhin die Dorffeuerwehr, das bindet unsere Mitglieder. Auch wenn es da stellenweise nur 15 oder 20 Aktive gibt. Eine Zentralisierung, wie in anderen Bundesländern geschehen, hat der Freiwilligen Feuerwehr nicht gutgetan. Das sehen wir jetzt. “
Im Bayerischen Wald gebe es zwar sehr viele engagierte Feuerwehrler. Doch Weinzierl sieht mit Sorge, dass die meisten Erwachsenen für den Beruf pendeln. „Die Tagesalarmsicherheit ist dann nicht immer gewährleistet. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, brauchen wir gerade da noch viel mehr Frauen, denen wir die Möglichkeit aufzeigen wollen, sich bei der Feuerwehr zu engagieren.“
Derzeit arbeitet eine Werbeagentur an einer Kampagne, die vor allem Menschen ansprechen soll, die sich bisher noch nicht für die Feuerwehr interessiert haben. „Es wird Werbung auf Bussen und im Kino geben, und wir werden in die Schulen gehen“, teilt Pressesprecher Uwe Peetz mit. Darin wird gar nicht unbedingt der klassische Feuerwehrmann in Uniform oder das rote Auto vorkommen. „Im ersten Werbejahr soll das Bewusstsein dafür geschärft werden, wer die Feuerwehr ist, was sie macht und dass man dafür Freiwillige braucht. Im zweiten Jahr sollen verstärkt Jugendliche angesprochen werden und im dritten Jahr sollen besonders Quereinsteiger, Frauen und Migranten geworben werden“, so Peetz. „Stell dir vor, es brennt und keiner löscht“, ist das Motiv eines Clips.
Die Zielgruppe sei bunt: „Wir sehen uns als eine große Familie, aber natürlich müssen Migranten der deutschen Sprache mächtig sein und Frauen die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen mitbringen und die gleiche Ausbildung durchlaufen.“ Augenmerk soll bei der Werbung auch darauf gelegt werden, dass Mitglieder bei der Feuerwehr bleiben sollen, auch wenn sie mal ein paar Jahre nicht aktiv sein können. „Das Motto unserer Kampagne lautet: Vorsorge betreiben, Zukunft sichern. Denn wir müssen unsere Mitglieder dringend halten.“
