Deutschland: Gemeinde mit 11 Feuerwehren -> Diskussion um neues Konzept
Geisenfeld (Deutschland): Es ist ein brenzliges Thema, das die Feuerwehr-Kommandanten in und um Geisenfeld vor eine Zerreißprobe stellt. Am Donnerstag, 19. Mai 2011, diskutiert der Stadtrat das neue Feuerwehrkonzept von Jürgen Staudt (CSU) – und die Meinungen darüber gehen weit auseinander.
Keine Seite bestreitet, dass sich etwas tun muss. Die Feuerwehr-Arbeit ist im Wandel, die alten Anhänger der Ortsteil-Wehren sind veraltet und halten den heutigen Anforderungen nicht länger stand. Doch die Ausstattung ist teuer, vor allem, wenn von insgesamt elf Wehren im gesamten Gemeindebereich die Rede ist. „Wir können nicht alle mit einem Fahrzeug ausstatten. Das kann sich keine Stadt leisten“, sagt Bürgermeister Christian Staudter (USB) im Vorfeld der Sitzung.
Er werde das von Feuerwehr-Referent Jürgen Staudt (CSU) ausgearbeitete Konzept in vollem Umfang mittragen, sagt er und bezieht klar Stellung. Eine leistungsfähige Stützpunktwehr im Zentrum und dazu die gestärkten und mit neuen Fahrzeugen ausgestatteten Ortsteil-Wehren in Rottenegg und Ilmendorf. „Das macht Sinn, das ist erschwinglich und das wird auch gefördert“, sagt Staudter. Der Bürgermeister kann es wie auch Jürgen Staudt verstehen, dass die übrigen kleinen Wehren damit nicht glücklich sind. „Es gibt Fakten, Zuschussregeln, den demografischen Faktor und einen städtischen Haushalt. Alles andere als diese Lösung ist einfach nicht drin“, sagt Staudt, dem die gesellschaftliche Bedeutung der Feuerwehren für die Dorfgemeinschaft trotzdem bewusst ist und die ihm sehr am Herzen liegt. „Das ist über eine gute Zusammenarbeit, persönlichen Austausch und großes Gemeinschaftsgefühl zu kompensieren“, ist er sicher und nimmt alle Wehren in die Pflicht. Gerade bei der Ausbildung junger Retter sei eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stützpunktwehr in der Stadt unbedingt zwingende Voraussetzung.
Zurückhaltend äußert sich Geisenfelds Kommandant Johann Rottler, dessen Stützpunktwehr den Löwenanteil aller Einsätze schultert. „Wir brauchen die kleinen Wehren als Ergänzung – und sie sind natürlich auch gesellschaftlich eminent wichtig für die Ortsteile. Die zusätzliche Ausstattung von Rottenegg und Ilmendorf macht absolut Sinn, damit wir auch das ganze Gebiet perfekt abdecken können.“
Ebenso positiv äußert sich sein Rottenegger Kollege Josef Rank. „Das ist der richtige Weg. Wir haben 465 Einwohner und 27 Aktive, können dadurch unsere Einsätze auch wirklich leisten. In den kleineren Ortsteilen wäre das mit Sicherheit nicht immer möglich“, outet er sich als Unterstützer von Staudts Vorschlägen. Die Anhänger seien veraltet. „Im Grunde gehören die alle weg“, fügt er an. Sicher werde es schwerer für die kleinen Wehren, ohne Fahrzeug Nachwuchs zu finden. Auf der anderen Seite sei das Anliegen die Zusammenarbeit zwischen den Wehren zu vertiefen, ein längst fälliger Schritt. „Das hat nicht immer gut geklappt, das können wir noch sehr viel besser.“
Auch so manche „kleine“ Wehr kann mit den Vorschlägen gut leben. Die FFW Nötting mit Rudolf Boguth an der Spitze kann auf ein Fahrzeug verzichten. „Unsere vier Aktiven üben in Geisenfeld – und wenn wir in Nötting etwas vorhaben, sind sie auch da. Das klappt großartig“, lobt er die Zusammenarbeit. Nöttings Wehr sei „sehr gesellschaftlich“ ausgerichtet. „Wir sind froh, wenn wir keine schweren Einsätze schultern müssen“, sagt Boguth. Ins selbe Horn stößt Roland Weber, Kommandant in Zell. Allein durch die örtliche Nähe zur Geisenfelder Wehr hält er es für überflüssig, ein eigenes Fahrzeug zu unterhalten. „Das ist einfach eine Geldfrage. Natürlich hätten wir gerne mehr, aber ich finde das Konzept sehr in Ordnung“, sagt er.
Überhaupt nicht einverstanden mit dem, was da kommen soll, ist Michael Merus, Kommandant in Unter-/Obermettenbach. Er fordert die Ausstattung aller Ortsteilwehren mit kleinen Feuerwehrautos. „Was die Förderung betrifft, müssen wir mit der Regierung neu verhandeln“, sagt er im Wissen um das gewichtige Gegenargument. Trotzdem sieht er die kleinen Wehren sterben, wenn keine Abhilfe geleistet wird. „Wir können keine Jugendlichen mehr motivieren, können unsere Einsatzorte nicht mit einem Blaulicht absichern und unsere Leute nicht ausbilden. Mit diesem Konzept bluten wir einfach aus. Wenn ich Leute nach Rottenegg schicke, arbeite ich meine eigene Wehr auf.“
Allein auf weiter Front steht Merus mit seiner Meinung nicht. Zur Seite stehen ihm zum Beispiel Josef Wagner (Engelbrechtsmünster) und Hans Schalk (Gaden). Wagner führt die Weisheit vom „leben und leben lassen“ ins Feld. „Die Hänger sind nicht mehr zeitgemäß. Es muss ja nicht alles von jetzt auf sofort gehen. Aber wenn wir neue Hänger bekommen, ist das auf 30 Jahre fest zementiert.“ Schalk befürchtet ebenfalls ein „Aushungern“ seiner Wehr. „Die Stadt ist in der Pflicht. Wir wollen ein Konzept, mit dem wir auch eine Zukunft haben.“
