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Deutschland: Feuerwehr will zur Mitgliederaufbesserung Akademiker anwerben

Lübeck (Deutschland): Der Mitgliederschwund bei den Feuewehren in Schleswig-Holstein konnte gestoppt werden. Der Landesfeuerwehrverband setzt weiter auf Werbung.

Bei der Suche nach neuen Mitgliedern will der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein verstärkt auch sogenannte „Best Ager“ jenseits der 50 und Akademiker anwerben. „Wir sprechen jeden an, Männer wie Frauen, jung wie alt“, sagte gestern Holger Bauer, der Jugendbildungsreferent des Verbandes in Kiel. „Chemiker wären gut, die könnte man im Gefahrgutbereich einsetzen, auch Psychologen und Ärzte könnten entsprechend Hilfe leisten. Es gibt für jeden einen Platz“, so Bauer. Neben jungen Familienvätern und -müttern wolle man ebenso Ältere für eine Mitarbeit in den zahlreichen Wehren gewinnen: „Wir wollen die Best Ager haben.“

Die Erfahrung der vergangenen drei Jahre macht Mut, denn die Auszehrung der Feuerwehren konnte gebremst werden. „Wir verzeichnen nun schon das dritte Jahr in Folge einen leichten Mitgliederzuwachs, darüber freuen wir uns sehr“, sagt Bauer. Aktuell haben Schleswig-Holsteins 1400 freiwillige Feuerwehren insgesamt etwa 50.000 aktive Mitglieder und daneben 10.000 Jugendfeuerwehrleute. Zum Vergleich: 1988 waren es etwa 53 500, seit 1995 sank die Zahl kontinuierlich ab, bis sie 2007 beim Tiefststand von 48 500 landete. Der Frauenanteil konnte mehr als verzehnfacht werden: Gab es 1988 erst etwa 300 Feuerwehrfrauen, waren es 2010 fast 3100 Frauen.

„Die Zahlen zeigen, dass unsere Kampagnen gewirkt haben. Man muss etwas tun, um den Menschen die Arbeit der Feuerwehren nahezubringen“, sagt Bauer. 2006 zum Beispiel, als sich die 400. Jugendfeuerwehr in Gudow gegründet hatte, schrieb der Landesverband eine Glückwunschkarte – aber keine normale, sondern eine 26 Quadratmeter große Karte, die auf einem Lastwagen durchs ganze Land gefahren wurde. „Wir wollten mit den Menschen über die Feuerwehr ins Gespräch kommen“, erzählt der Jugendreferent. Jeder Interessierte konnte damals auf der Riesenkarte unterschreiben. Aktuell wirbt der Landesfeuerwehrverband auf Linienbussen, außerdem lädt er zu „Mitmachtagen“ ein, an denen Bürger die alltägliche Arbeit hautnah erleben können.

„Der Mitgliederzuwachs ist ein Indiz dafür, dass sich die neue, ab 2006 eingesetzte Werbestrategie gelohnt hat“, sagt Landesbrandmeister Detlef Radtke aus Lübeck. „Das Besondere an der Kampagne ist: Die Feuerwehr hat begriffen, dass gute Werbung mit Wiedererkennung und Beharrlichkeit zu tun hat.“ Für die Werbung würden pro Jahr 10.000 bis 20.000 Euro ausgegeben, die aber ein Vielfaches an Investitionen auslösten. Noch werde das Werbekonzept aber nicht in allen Landesteilen angewandt, so Radtke. „Wir müssen uns aber auch fragen, was ist in 10, 20 oder 30 Jahren? Wir wollen das dichte, flächendeckende Netz an Feuerwehren erhalten. Deshalb ist es wichtig, jetzt Maßnahmen zu ergreifen.“ Der Mitgliederzuwachs bedeute nicht, dass man sich jetzt ausruhen dürfe. „Unsere Botschaft lautet: Jeder Bürger ist herzlich willkommen bei uns“, sagt Radtke.

Lübecker Nachrichten

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