Deutschland: 35 Euro bringen das Fass zum Überlaufen -> Rücktritt
Sangerhausen (Deutschland): Paukenschlag bei der Sangerhäuser Ortsfeuerwehr: Wehrleiter Harald Kirchner hat nach Differenzen mit der Stadtverwaltung sein Amt niedergelegt.
Das bestätigte der 50-Jährige am Freitag, 25. März 2011, der MZ. Hintergrund ist die seiner Meinung nach mangelnde Unterstützung der Wehr.
„Seitdem ich 1990 in der Führung der Feuerwehr meine ersten Aufgaben übernommen habe, hat sich die Zusammenarbeit mit der Stadt extrem zum Negativen verändert. Ich bin es leid, mich weiter über Entscheidungen der Verwaltung zu ärgern“, sagte Kirchner. Als Wehrleiter sei er ins Ehrenbeamtenverhältnis berufen. „Für mich bedeutet dies, in allen Belangen, die die Feuerwehr betreffen, mit entscheidungsbefugt zu sein bzw. zu allen Vorhaben gehört oder informiert zu werden. Leider ist dem nicht so gewesen.“ Als konkrete Beispiele führt Kirchner die Verfahrensweise der Stadt beim Kauf von Fahrzeugen für die Sangerhäuser Wehr an. Dabei seien jahrelange Bemühungen der Feuerwehr und auch anderer Stellen ignoriert worden. Konkret geht es dabei um einen etwa 180 000 Euro teuren Gerätewagen, den die Feuerwehr dringend benötige. „Das Thema reicht bis ins Jahr 2000 zurück“, sagte Kirchner. Obwohl die Stadt Fördermittel bekommen könne, habe sie ihren Antrag aufgrund der schlechten Haushaltslage zurückgezogen. Er habe davon aber nur hintenrum erfahren, sagt der Wehrleiter. „Es ist nie offen mit mir darüber gesprochen worden.“
Das Fass zum Überlaufen gebracht habe aber die Entscheidung der Stadt, ihm Aufwendungen im Zusammenhang mit zwei Bränden in den Ortsteilen Breitenbach und Obersdorf im Februar nicht zu ersetzen. „Die Arbeit bei Feuerwehreinsätzen ist Schwerstarbeit. Dem entsprechend habe ich als Wehrleiter eine Fürsorgepflicht für meine Kameraden.“ Er habe nach dem stundenlangen Einsatz in der Nacht deshalb damals entschieden, einen Imbiss zu organisieren.
Die Erstattung des dafür notwendigen Geldes sei ihm aber mit dem Vermerk verwehrt worden, dass dies nicht abgesprochen gewesen sei. Dabei geht es nach Angaben von Kirchner um eine Summe von insgesamt 35 Euro, die er für Bockwürstchen, Brötchen und Kaffee ausgegeben habe. Am Ende habe er die Lebensmittel aus eigener Tasche bezahlt. „Diese Vorgehensweise habe ich nicht zum ersten Mal erlebt. In den letzten Jahren hat man uns als Wehrleiter immer mehr Auflagen erteilt, jedoch auf der anderen Seite Kompetenzen abgesprochen.“ Da er nicht davon überzeugt sei, dass sich das in Zukunft ändere, ziehe er die Konsequenzen und gebe sein Amt zum 1. April 2011 ab. Auch als Stadtwehrleiter, der für alle Wehren in der Kreisstadt und den Ortsteilen zuständig ist, will Kirchner nun nicht mehr kandidieren. Die Wahl in allen Ortswehren findet am 3. April statt.
Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe zurück. „Wir haben Herrn Kirchner immer den Rücken gestärkt, es hat viele Gespräche mit ihm gegeben“, sagte der stellvertretende Oberbürgermeister Jens Schuster: „Kirchner hat aber erhebliche Führungsdefizite und ist kein Teamplayer.“ Zu den konkreten Vorwürfen wollte Schuster nichts sagen, da er die Materie nicht kenne. Allerdings wies er daraufhin, dass die Feuerwehr das von Kirchner angesprochene Fahrzeug nicht benötige. Es sei auch in der Mindestausrüstungsverordnung nicht enthalten.
Bis zu einer Neuwahl führt nun der stellvertretende Sangerhäuser Wehrleiter Horst Heine die Geschicke der Ortsfeuerwehr der Kreisstadt.
