Deutschland: Sturmnacht im Norden
Hamburg/Kiel (Deutschland): Orkanböen über Schleswig-Holstein – und der Hamburger Fischmarkt teils unter Wasser: Ein kräftiges Unwetter ist in der Nacht zum Samstag, 5. Februar 2011, über den Norden hinweggefegt. Auch am Samstag gab es Wind und Dauerregen.
Orkanböen sind in der Nacht zum Samstag mit Windgeschwindigkeiten bis 115 Kilometer pro Stunde über Teile Schleswig-Holsteins hinweggefegt. In Hamburg setzte der Sturm den Fischmarkt teilweise unter Wasser. Sieben Fahrzeuge mussten wegen des Hochwassers abgeschleppt werden, wie ein Polizeisprecher am Samstag berichtete. Zeitweilig standen die Fluten der Elbe dort um rund zwei Meter über dem mittleren Hochwasser. Am Samstagmorgen ging das Hochwasser zurück.
Die heftigen Böen ließen vielerorts in Schleswig-Holstein Bäume und Verkehrsschilder umknicken. Äste wurden abgerissen und fielen auf Straßen und Gehwege. Das Unwetter im Norden hinterließ insgesamt allerdings keine schweren Schäden. Verletzt wurde nach Angaben vom Samstag zunächst niemand.
Der Feuerwehr im nördlichsten Bundesland bescherte der starke Wind einen Dauereinsatz. Bereits am Freitagabend war auf der Bahnstrecke Neumünster-Flensburg bei Rendsburg ein Baum in die Oberleitung gefallen und hatte zu Verzögerungen im Bahnverkehr gesorgt. Auch auf dem Hindenburgdamm nach Sylt führte der Sturm zunächst zu Behinderungen: Leere Lastwagen, Transporter mit gefährlicher Ladung sowie Autos mit Wohnanhängern durften den Autozug auf die Nordsee-Insel nicht nutzen. Erst am Samstagnachmittag wurden die Einschränkungen aufgehoben, wie ein Bahnsprecher sagte. «Der Wind hat jetzt nachgelassen.»
In einem Gewerbegebiet in Flensburg deckte der Sturm in der Nacht zum Samstag Teile eines Hallendachs ab. Die Lagerhalle drohte einzustürzen, konnte aber von der Feuerwehr gesichert werden. Die Böen zerstörten auch zwei Rotorblätter einer Windkraftanlage in Fiefbergen (Kreis Plön), hieß es bei der Regionalleitstelle Mitte. An einem Gebäude in Flensburg-Mürwik hatte der heftige Wind bereits am Freitagnachmittag Gerüstteile herunterfallen lassen.
Die Hamburger Feuerwehr rückte in der Nacht zum Samstag nur zu etwa 20 kleineren Einsätzen aus, wie ein Sprecher berichtete. «Wir haben nichts Dramatisches gehabt.»
Am Samstag sorgte vor allem der Dauerregen im Norden für Probleme. Im Kreis Plön etwa waren einige Nebenstrecken überschwemmt und mussten gesperrt werden. Das für Sonntag vorgesehene Spiel in der Fußball-Regionalliga Nord zwischen dem VfB Lübeck und dem ZFC Meuselwitz wurde abgesagt – wegen Unbespielbarkeit des Platzes nach den Regenfällen.
Am Hamburger Fischmarkt wurden in der Nacht zum Samstag mehrere Autos abgeschleppt. Ein Container, der am Fischmarkt stand, drohte in die Elbe gerissen zu werden; die Wasserschutzpolizei konnte das jedoch verhindern. Auch am Elbufer im Stadtteil Blankenese standen am späten Freitagabend zunächst rund 100 Fahrzeuge im Gefahrenbereich – die meisten Besitzer brachten ihre Autos aber schnell selbst in Sicherheit, nur drei Wagen mussten abgeschleppt werden.
Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagten vorher, dass der Wind deutlich nachlässt. Bis zum Samstagabend galt jedoch eine Warnung vor Sturmböen im Kreis Nordfriesland. Am Sonntagnachmittag sollte der Wind wieder auffrischen, für die Nacht zum Montag, 7. Februar 2011, rechnet der DWD erneut mit Sturmböen.
