Deutschland: Wie Feuerwehrleute Leben retten können
Hammelburg (Deutschland): Wenn es gekracht hat, zählt manchmal jede Minute. Bis Rettungswagen und Notarzt zur Stelle sind, verstreicht oft kostbare Zeit. Wer in dieser Situation Verletzten schnell und richtig hilft, kann zum Lebensretter werden.
Das wissen auch die Hammelburger Floriansjünger, die oft zu den ersten gehören, die zu einer Unfallstelle kommen. Für die Wehr war dies einer der Gründe, ihren Aktiven eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung anzubieten. Acht Männer und zwei Frauen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch und opferten hierfür 66 Stunden ihrer Freizeit. Eine von ihnen war Irma Sell. „Ich bin in der Vergangenheit als Feuerwehrfrau bei Unfällen schon in der Situation gewesen, Erste Hilfe leisten zu müssen. Durch den Lehrgang fühle ich mich für diese Aufgabe jetzt noch besser gerüstet“, erklärte sie ihre Motivation.
Notfallrucksack im LF 20/20
Die Hammelburger Wehr führte den Lehrgang auch durch, weil das neue Löschfahrzeug LF 20/20 mit einem Notfallrucksack ausgerüstet ist. Hierin findet sich ein Großteil der medizinischen Geräte, mit denen auch ein Rettungswagen ausgestattet ist. „Wenn wir solche Geräte haben, brauchen wir natürlich auch Leute, die damit umgehen können“, betonte Rettungsassistent Maximilian Zoll, der den Kurs gemeinsam mit Frank Karrlein leitete.
Im November 2010 begann die Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst Schweinfurt. Zweimal pro Woche trafen sich die Lehrgangsteilnehmer seitdem abends im Feuerwehrgerätehaus sowie zweimal samstags. Eine Vielzahl von Themen standen auf dem Programm. Im Bereich Anatomie ging es unter anderem um Atmung, Herz-Kreislauf- und Nerven-System sowie Bauchorgane. Besprochen wurden auch neurologische Notfälle, Schockzustände, traumatische Verletzungen sowíe Verbrennungen und Vergiftungen.
„Einiges davon lernt man zwar auch als Fahrschüler, doch diese Kurse sind bei weitem nicht so umfangreich, und bei den meisten ist das ja auch schon lange hier“, sagte Irma Sell, die als Übungsleiterin im Sport ihre Kenntnisse und Fähigkeiten der Ersten Hilfe schon mehrfach aufgefrischt hat.
Auch die Praxis kam nicht zu kurz. Die Feuerwehrleute übten zum Beispiel Freihalten der Atemwege, Sauerstoffgabe, Blutdruck- und Blutzucker-Messung, Schienen gebrochener Gliedmaßen, Abnehmen des Helms bei verunglückten Zweiradfahrern sowie Transport von Verletzten.
Fallbeispiele aus der Praxis
Zudem wurde der Einsatz eines automatischen, externen Defibrillators (AED), mit dem Menschen bei einem Herzstillstand wiederbelebt werden können, erläutert und trainiert. „Wie ein Defibrillator funktioniert, wusste ich bis dahin nur aus einem Film, jetzt konnte ich ihn das erste Mal selbst ansetzen“, freute sich Irma Sell.
Beim vorletzten Treffen wurden dann in sechs Stunden mehrere Fallbeispiele aus der Praxis durchgespielt. Zu guter Letzt stand die Abschlussprüfung an, bei der zunächst das theoretische Wissen abgefragt wurde. Beim praktischen Teil mussten die Prüflinge, in fünf Zweiergruppen aufgeteilt, jeweils eine Aufgabe lösen, die sich an den bereits exerzierten Fallbeispielen orientierten. Zudem mussten alle unter Beweis stellten, dass sie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen können.
Die schriftliche Prüfung bestanden alle Kandidaten mit guten Ergebnissen. „Angesichts des sehr umfangreichen Theorie war das keineswegs selbstverständlich“, lobte Kreisbrandinspektor (KBI) Peter Sell. Sogar „mit Bravour“ haben die Teilnehmer ihre praktischen Aufgaben bewältigt.
Die Hammelburger Wehr hat mit der erweiterten Erste-Hilfe-Ausbildung eine Vorreiterrolle im Landkreis Bad Kissingen übernommen. Und Maximilian Zoll kann sich vorstellen, diesen Lehrgang auch anderen Wehren anzubieten. „Wir wollen aber keine Konkurrenz zum Rettungsdienst sein“, unterstrich Zoll. Es gehe lediglich darum, schnelle Erste Hilfe zu ermöglichen und nötigenfalls Zeit zu überbrücken, bis das medizinische Fachpersonal eintreffe.
Nur ein Rettungswagen
Im Raum Hammelburg stehe nur ein Rettungswagen zur Verfügung, und wenn ein zweiter benötigt werde, müsse dieser aus Bad Kissingen kommen. Frank Karrlein erklärte, dass die Ausbildung auch speziell auf die Einsatzrealität der Feuerwehren abgestimmt worden sei. Daher habe ein Schwerpunkt auf traumatischen Verletzungen gelegen, wie sie bei Verkehrsunfällen meist vorkämen. Feuerwehrfrau Regina Merz war auf jeden Fall voller Engagement bei der Sache und zeigte sich überzeugt von dem Lehrgang: „Wenn wir als erste am Unfallort sind, wissen wir gleich, was zu tun ist und können helfen.“
