Deutschland: „Prüfwahnsinn“ bei der Feuerwehr beklagt
Buchenberg (Deutschland): Unter anderem «aus Spaß am Schrauben» ist der heute 37 Jahre alte Christian Bergmann aus Buchenberg vor vielen Jahren zur Feuerwehr gegangen. Jetzt ist ihm die Freude…
… am ehrenamtlichen Tun teilweise vergällt worden: «Ich hab das Gefühl, ich geh fast nur noch zum Prüfen ins Feuerwehrhaus,» sagt der Buchenberger Gerätewart. Rund zehn Stunden investiert er wöchentlich in Aufgaben bei der Wehr. Allein 154 Schläuche und 49 Rückhaltekoppeln müssten jährlich mindestens einmal, oder nach Einsätzen, auf Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden. Das verschlinge viel Zeit. Die Prüfstunden soll er der Gemeinde künftig in Rechnung stellen können. 1.000 Euro stehen nun dafür jährlich bereit, entschied der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.
Von einem «Prüfwahnsinn» sprach auch Buchenbergs Kommandant Albert Zeller. Drei dicke Leitzordner mit Prüfergebnissen lagerten im Feuerwehrhaus. Ist das ein Problem, mit dem alle Feuerwehren zu kämpfen haben? Stellvertretender Kreisbrandrat Joachim Freuding sagt auf Anfrage der AZ, dass früher manche Vorschriften vielleicht lockerer gehandhabt wurden.
Moderne Geräte müssten heute jedoch auch aus Haftungsgründen «mit mehr Aufwand geprüft und gepflegt werden». Vorschrift sei, die Kontrolle auch zu dokumentieren. Andererseits erwarte die Bevölkerung auch, dass ihr im Notfall mit modernen Mitteln geholfen werde. An einer technischen Aufrüstung mit all ihren Konsequenzen gehe deshalb kein Weg vorbei, so Freuding.
Eine funktionierende Feuerwehr «ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde», wies auch Bürgermeister Toni Barth im Gemeinderat hin. Es sei in Buchenberg allerdings nicht möglich, dass die Gemeinde für Wartungs- und Gerätearbeiten Mitarbeiter abstellt.
Ob es denn keinen Unmut gibt, wenn der Gerätewart künftig ein kleines Salär für Prüfaufgaben bekommt, andere aber nicht, wollte Gemeinderat Gerhard Redmann wissen. Kommandant Zeller zuckte mit den Schultern und bestätigte, dass es andere Ehrenamtliche gibt, die «enorm viel leisten», beispielsweise der Jugendwart. Es könne daher sein, dass er in ein bis zwei Jahren wieder anklopfe und nach einem finanziellen Ausgleich für großen Zeitaufwand im Ehrenamt anfragt. Denn auch auf einen Jugendwart könne eine freiwillige Feuerwehr nicht verzichten, sagt der Kommandant. «Sonst stirbt die Feuerwehr eines Tages aus und man muss sich was Neues überlegen.»
