D: „Bei der Feuerwehr lernt man saufen“ -> Ein Klischee lebt wieder auf
Geretsried (Deutschland): „Bei der Feuerwehr lernt man saufen“ – so lautet ein altes Vorurteil. Kreisbrandrat Karl Murböck fürchtet, dass durch den Unfall mit einem Feuerwehrwahrzeug am letzten Oktober-Wochenende 2010 das alte Klischee neue Nahrung bekommt.
„Mit dem Säufer-Image haben wir permanent zu kämpfen“, sagt Kreisbrandrat Karl Murböck. Insofern habe der 21-jährige Geltinger, der am letzten Oktober-Wochenende 2010 in stark alkoholisiertem Zustand mit dem tonnenschweren Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr von der Straße abgekommen ist, dem Ansehen der Feuerwehr einen schlechten Dienst erwiesen. Murböck versichert: „Bei uns wird nicht mehr getrunken als bei anderen Vereinen.“ Im Gegenteil. Eben weil man unter Generalverdacht stehe, werde penibel darauf geachtet, dass nichts vorfällt.
Das Fehlverhalten des Unglücksfahrers beschönigt er nicht: „Er hätte selbst erkennen müssen, dass er nicht mehr in der Lage ist, ein Fahrzeug zu steuern.“ Allerdings nimmt er ihn bis zu einem gewissen Grad in Schutz: „Es sollte sich jeder fragen, ob er nicht auch schon einmal ins Auto gestiegen ist, obwohl er zu viel getrunken hat.“ Das Motiv des jungen Burschen sei ehrenhaft gewesen: „Er wollte helfen.“ Den Gruppenführer, den viele in der Pflicht gesehen hätten, entlastet Murböck: „Wenn einer nicht schwankt, ist es in der Hektik nicht leicht zu erkennen, ob einer was getrunken hat.“
Richtig hätte der junge Mann gehandelt, wenn er seinen Schlüssel einem Ersatzmann gegeben hätte. Zwar gebe es kleinere Feuerwehren, bei denen nur wenige im Besitz des C-Führerscheins sind, der dazu berechtigt, ein so schweres Gefährt zu steuern. „Aber die Dreifach-Besetzung muss in jedem Fall gewährleistet sein.“ Die Pflicht zur Abstinenz existiere bei den so genannten Stützpunktfeuerwehren, etwa in den Städten Geretsried und Wolfratshausen, aber auch in größeren Gemeinden wie Egling oder Dietramszell. Dort werden an Sommerwochenden, wenn häufigere Einsätze zu erwarten sind, Bereitschaften gebildet. Die Kameraden müssen sich im Umkreis von zehn bis 15 Kilometern aufhalten und nüchtern bleiben.
Das Geltinger Unglück wird Murböck in Zukunft bei Fortbildungen als warnendes Beispiel dienen. „Wenn ich von einem ähnlichen Fall in Hamburg oder sonstwo erzähle, das interessiert das nicht so, als wenn es ganz in der Nähe passiert ist.“
Auf den Fahrer kommen neben den Verletzungen, die er erlitten hat, weitere Unannehmlichkeiten zu. Das Fahrzeug – im Jahr 2005 für 180.000 Euro erworben und dann mit Zusatzausrüstung ausgestattet – gehört der Stadt Geretsried und ist Vollkasko versichert. Günter Stowasser, Chef des Ordnungsamts, ist deshalb zuversichtlich, dass die Versicherung für den Schaden aufkommt. Er vermutet aber, dass sie den Fahrer in Regress nimmt. Der Sachschaden liegt bei 250.000 Euro.
Andreas Wannek, Erster Kommandant der Geltinger Feuerwehr, wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.
Merkur Online
Unfall: Feuerwehrler war betrunken auf Einsatzfahrt
