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Deutschland: Kein Gruß der Stadt an älteste Wehr

Halle (Deutschland): Die älteste hallesche Feuerwehr ist am Sonnabend, 21. August 2010, 135 Jahre alt geworden. Für die ehrenamtlichen Brandschützer aus Passendorf, die ihr Domizil in Neustadt haben, war das natürlich ein Grund,…

… ein Fest zu feiern und ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zumal die Passendorfer Wehr auch zu den ältesten im Land zählt.

Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, der Feuerwehr einen Besuch abzustatten. Ein buntes Programm – darunter Einsatzvorführungen – sorgte bei dem Geburtstagsfest für Unterhaltung bei Groß und Klein. Doch auf Glückwünsche aus dem Rathaus warteten die freiwilligen Brandschützer am Sonnabend vergeblich. „Es ist schade, dass von offizieller Seite bei unrunden Jubiläen niemand kommt. Leider haben wir auch kein Schreiben mit Grüßen oder netten Wünschen erhalten“, sagte Wehrleiter Siegfried Frühauf. Seiner Meinung nach werde so eine Chance vertan, in kritischen Zeiten – auch Passendorf sucht dringend neue Mitstreiter – das Gespräch mit den Ehrenamtlichen zu suchen.

Von der Rathausspitze war dazu am Wochenende keine Stellungnahme zu erhalten. Nach MZ-Informationen gibt es aber in der Verwaltung eine interne Regelung, dass nur runde Feuerwehr-Jubiläen wahrgenommen werden. Und so können die Passendorfer Wehrleute wohl erst wieder zum 140. Geburtstag auf Besuch aus dem Rathaus hoffen.

Für Feuerwehr-Chef Frühauf ist das umso bedauerlicher, weil gerade seine Truppe auf eine lange Tradition blicken kann. Und die werde noch dazu in besonderer Form gepflegt: Denn die Wehr trägt den Namen eines Dorfes, das längst nicht mehr existiert. Im Jahr 1091 war Passendorf erstmals urkundlich erwähnt worden. 1875, nach zahlreichen schweren Bränden, die sich in den Häusern der damaligen Zeit rasend schnell ausbreiten konnten, wurde eine freiwillige Feuerwehr gegründet. 39 Männer traten der Truppe bei, die nach dem Vorbild ähnlicher Einheiten im benachbarten Halle aufgestellt wurde. Die personelle Stärke der Wehr wuchs rasant. Zahlreiche Brände mussten die Feuerwehrleute auch außerhalb des Dorfes löschen – unter anderem in Halle.

Anfang der 1970er Jahre wurde das Aus für den kleinen Ort am Stadtrand besiegelt: Die Häuser mussten für den Bau Halle-Neustadts weichen. Die Feuerwehr aber überlebte trotz heftiger Diskussionen. 1971 konnte sie in das Gerätehaus in der Hettstedter Straße nahe der B 80 einziehen.

Aber die Aktiven hängen nicht nur den alten Zeiten nach. Die heute 28 Einsatzkräfte zählende Truppe führt in der Wache ihre Ausbildungen durch, pflegt im Gerätehaus die Technik. Zu rund 30 Einsätzen wurde sie in diesem Jahr bereits alarmiert. Obwohl die Stadt Halle über eine Berufsfeuerwehr verfügt, liegt es für Wehrleiter Frühauf auf der Hand, dass seine Leute gebraucht werden – trotz aller Debatten über den Nutzen freiwilliger Brandschützer: „Wir sind ein Rückgrat für die Hauptamtlichen“, sagte Frühauf.

Mitteldeutsche Zeitung

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