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Russland: Waldbrände -> Giftiger Qualm raubt Moskauern den Atem

Moskau (Russland): Der giftige Qualm in Moskau wird immer dichter, und die Waldbrände in Russland breiten sich trotz internationaler Hilfe weiter aus. Allein in den vergangenen 24 Stunden brachen nach Angaben des Zivilschutzministeriums mehr als 300 neue Brände aus.

Der giftige Qualm in Moskau wird immer dichter, und die Waldbrände in Russland breiten sich trotz internationaler Hilfe weiter aus. Allein in den vergangenen 24 Stunden brachen nach Angaben des Zivilschutzministeriums mehr als 300 neue Brände aus. Die meisten seien rasch gelöscht worden, teilte die Behörde am Samstag, 7. August 2010, nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dennoch loderten landesweit weiterhin etwa 840 Wald- und Torfbrände.

In der Hauptstadt sank die Sichtweite wegen des Rauchs der Torfbrände in der Umgebung stellenweise auf unter 50 Meter. Die Schadstoffbelastung der Luft stieg auf weit mehr als das Sechsfache des normalen Wertes. Die Feuer sollten nun rund um die Uhr bekämpft werden, sagte Vize-Zivilschutzminister Alexander Tschuprijan. Bislang seien die Brände nachts lediglich kontrolliert worden.
Nach offiziellen Angaben starben bislang mehr als 50 Menschen infolge der Wald- und Torfbrände. Hunderte Verletzte liegen in Krankenhäusern, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen. Russische Hilfsorganisationen schätzen, dass die Zahl der Toten weit höher liegt. Kremlchef Dmitri Medwedew spendete aus eigener Tasche knapp 9000 Euro für die Brandopfer. Hohe Beamte sollten sich daran ein Beispiel nehmen, sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa.

Unterdessen dementierte die Bundesregierung, deutsche Helfer seien in Moskau eingetroffen. Das hatte Interfax unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Zivilschutzministeriums gemeldet. «Das Angebot steht, wir sind vorbereitet», sagte ein Sprecher des zuständigen Bundesinnenministeriums in Berlin der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Bislang gebe es aber keine Anfrage aus Moskau. Deutschland hatte Russland wiederholt Hilfe angeboten. Nach offiziellen russischen Angaben sind unter anderem Rettungskräfte aus Italien, Polen und Bulgarien im Einsatz gegen die Feuerwalze. Ärzte in Moskau warnten vor erheblichen gesundheitlichen Problemen. Hunderte Menschen ließen sich wegen Beschwerden in Kliniken behandeln. Der Rauch drang auch in die bis zu 85 Meter tiefen Schächte der weltberühmten Metro.

Einfache Atemschutzmasken seien keine Hilfe, warnte der Moskauer Experte Leonid Lasedbnik. Die Bevölkerung wurde daher aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben oder gleich die Stadt zu verlassen. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu langen Verspätungen, mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Der Smog werde nicht vor Mittwoch kommender Woche abziehen, sagten Meteorologen.

Auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow rund 400 Kilometer östlich von Moskau konnte in der Nacht ein Brand gelöscht werden. Landesweit kämpften Hunderttausende Feuerwehrleute, Soldaten und Freiwillige mit teils primitiven Mitteln gegen die verheerende Feuersbrunst. Dicker Rauch behinderte die Löscharbeiten aus der Luft. Russland erlebt derzeit eine Jahrhundert-Dürre und eine Rekord-Hitze mit Temperaturen um 40 Grad.

Die USA, Großbritannien und Frankreich rieten von nicht notwendigen Reisen nach Moskau und in die Waldbrandgebiete ab. Am Vortag hatte bereits das Auswärtige Amt einen entsprechenden Sicherheitshinweis veröffentlicht. Vor allem chronisch Kranke, ältere Menschen sowie Kinder sollten die betroffenen Regionen meiden.

Darmstädter Zeitung

Deutschland schickt keine Helfer nach Russland:
Bei der Bekämpfung der Feuersbrunst in Russland sind nach Angaben der Bundesregierung keine deutschen Helfer im Einsatz. Die Brände wüten unterdessen in mehreren russischen Nationalparks des Landes. Auch am Samstag, 7. August 2010, war Moskau weiterhin von giftigem Qualm umhüllt.

Zuvor hatte die russische Agentur Interfax unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Zivilschutzministeriums gemeldet, in Moskau seien Rettungskräfte aus Deutschland gelandet. „Das Angebot steht, wir sind vorbereitet“, sagte ein Sprecher des zuständigen Bundesinnenministeriums in Berlin der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Bislang gebe es aber keine Anfrage aus Russland. Die Bundesregierung hatte Moskau wiederholt Hilfe angeboten. Deutsche Hilfsmannschaften könnten sehr kurzfristig ins Katastrophengebiet starten, wenn dies von russischer Seite gewünscht werde, sagte der Sprecher. „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“

Nach offiziellen russischen Angaben unterstützen Rettungskräfte unter anderem aus Italien, Polen und Bulgarien ihre russischen Kollegen. Am Samstag zählten die Behörden landesweit noch immer Hunderte Feuer. Während in einigen Regionen eine Ausweitung der Brände verhindert werden konnte, war die Situation rund um Moskau nach wie vor verheerend. Die Hauptstadt versank in giftigem Qualm von den Torfbränden rundherum.

Waldbrände in mehreren russischen Nationalparks: Die schweren Waldbrände wüten in mehreren Nationalparks des Riesenreichs. Landesweit seien mindestens 15 Schutzgebiete betroffen, teilte das Naturschutzministerium in Moskau mit. Zahlreiche Tiere verendeten. Moskau war am Samstag weiterhin in giftigen Qualm von den Torfbränden in der Umgebung gehüllt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Teilweise lag die Sichtweite bei unter 100 Metern. In der Nacht zum Samstag starben bei einem Unfall vier Menschen, als der Fahrer wegen des Smogs die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Das meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf die Polizei.
In zahlreichen Regionen Russlands kämpften Hunderttausende Rettungskräfte teils mit primitiven Mitteln gegen die Feuerwalze. Nach offiziellen Angaben kamen bislang 52 Menschen durch die Flammen ums Leben. Hunderte wurden verletzt, Tausende obdachlos. Russische Hilfsorganisationen schätzen, dass die Zahl der Opfer weit höher liegt. Polen will nach eigenen Angaben 160 Feuerwehrleute und Spezialisten nach Russland schicken. Auf ein Hilfsangebot der Bundesregierung hat Moskau bislang nicht reagiert.

Handelsblatt

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