Tirol: Unwetter sorgen für Überflutungen, Muren und Straßensperren
Tirol: 650 Notrufe gingen bei der Leitstelle in Tirol seit 14 Uhr des 17. Juli 2010 ein. Die Innsbrucker Alstadt stand einen halben Meter unter Wasser. Nach Murenabgängen sind die Straßen ins Pitz- und ins Paznauntal wieder gesperrt.
Als es am Samstagnachmittag, 17. Juli 2010, zu tröpfeln begann, war das, was kurz darauf folgen sollte, nicht vorhersehbar. „Dass so ein Unwetter passieren kann, darauf war keiner vorbereitet“, meinte ein Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Hötting später, als er gerade im Saal 5 des Metropolkino einen Schlauch für die Wasserpumpe verlegte.
Binnen weniger Minuten schüttete es schließlich so heftig, dass laut dem Kommandanten der Berufsfeuerwehr Innsbruck, Josef Hundsbichler, das „Kanalnetz völlig überlastet“ war, wie er im Gespräch mit TT.com erklärte. „Der Inn ist nicht über die Ufer getreten“, sagte er. Der Grund dafür, dass in der Altstadt der Wasserpegel zum Teil auf über 60 Zentimeter stieg und Autos in der Reichenau durch Knie-hohes Wasser pflügten war schlicht zu viel Niederschlag in zu kurzer Zeit.
In zwei Minuten alles überflutet
Veronika Fritz, Mitarbeiterin in einem Souvenierladen in der Altstadt, der „knietief“ unter Wasser stand, meinte sichtlich geschockt zu TT.com: „In zwei Minuten war alles überflutet. Selbst wenn ich Säcke gehabt hätte – ich wäre zu spät dran gewesen.“ Die Rezeptionistin vom Goldenen Alder meinte: „Es ist ein richtiger Bach durch die Altstadt geflossen. Es war wie ein kleiner Weltuntergang.“
In den Platzregen mischte sich alsbald Hagel, der dann minutenlang heftig auf die Straßen, Dächer und Autos prasselte.
Im Stadtteil Hötting wurde die Höttinger Gasse zum reißenden Sturzbach – die Wassermassen strömten talwärts in Richtung Inn. Unten sorgte das Wasser dann für schwere Überflutungen in Kellern, aber auch im Metropolkino oder im In-Lokal Inn-Keller, der ebenfalls zentimetertief unter Wasser stand.
Kurzzeitig drohte sogar ein Netzausfall bei den Telefonen: Wasser war in die Zentrale der Telekom eingedrungen. Die Feuerwehren Igels und Innsbruck konnten aber Schlimmeres noch rechtzeitig verhindern. An der Inntalautobahn musste der Wiltener Tunnel vorübergehend gesperrt werden, weil das Wasser nicht abfloss.
Unwetter zogen weiter
Auch im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum richtete das Wasser Schäden an. Es drang von der Kanalisation in das Depot U2 des Museums, dort befinden sich die Bestände der Bibliothek. „Das Ausmaß des Schadens ist derzeit unklar“, hieß es gegen Abend in einer Aussendung. „Sämtliche Mitarbeiter sind zur Zeit im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen. Die Bibliothek wird in den nächsten Tagen geschlossen sein.“
Während die Feuerwehren derzeit im Innsbrucker Stadtgebiet noch immer im Dauereinsatz sind, zogen die Unwetter weiter ins Unterland. Aus Hall, Mils und anderen Orten wurden der TT.com Bilder von Lesern gesendet – vielen Dank dafür! Auch dort tobten die Unwetter, es hagelte heftigst. Wasserschäden wurden von der Landesleitstelle Tirol nun auch aus Brixlegg gemeldet.
Neue Regenfront vom Westen
Am späten Nachmittag erreichten Alarmierungen die Landesleitstelle aus fast allen Teilen Tirols. Landeck, Kappl, Ischgl und Umhausen waren bis kurz vor 18 Uhr von Überschwemmungen betroffen. Feuerwehren wurden aber auch etwa nach Jenbach, Bruck/Ziller oder Weer beordert. In Strengen mussten vier Häuser evakuiert werden, hieß es.
Außerdem musste die seit Freitag wieder befahrbare Paznauntalstraße nach weiteren Murenabgängen gesperrt werden. Zwischen Kappl und Galtür geht vorerst gar nichts mehr. Aber auch zwischen Wenns und St. Leonhard musste die Pitztalstraße für den Verkehr geschlossen werden.
