Deutschland: Keine Schonjobs bei der Feuerwehr
Stuttgart (Deutschland): Allein die schwere Schutzjacke wiegt ein paar Kilogramm. Dazu kommt eine dicke Hose, ein Paar hohe Stiefel, ein Schutzhelm und das Atemschutzgerät – alles in allem sind es rund 40 Kilogramm, die die Beamten bei größter Hitze mitschleppen müssen.
Dies wird ab 50 Jahren immer beschwerlicher. Jetzt müssen die Berufsfeuerwehrleute nach und nach länger arbeiten: Liegt jetzt die Pensionierungsgrenze noch bei 60 Jahren, so soll sie um zwei Jahre angehoben werden. Das hat die Landesregierung in der vergangenen Woche beschlossen.
Bei den Feuerwehrleuten, die auf die 60 zusteuern, löst diese Regelung keine Freude aus. „Wenn man die fünf vorne dran hat, merkt man deutlich, wie die Kondition abnimmt und dass man langsamer wird“, sagt Volker Hornung. Der 59-Jährige ist seit 1971 Berufsfeuerwehrmann, er liebt seinen Beruf, den er wie die meisten seiner Kollegen als Berufung versteht – aber irgendwann fordert der Körper seinen Tribut.
Mit dem Alter fehlt die Fitness
Sein Kollege Klaus Heeb, 56, schildert den bisherigen Dienstablauf auf der Feuerwache 4 in Feuerbach: Beginn 7Uhr, eine Stunde Schulung, dann 9.30Uhr eine Hochhausübung in Freiberg: „Mit fünf jungen Kollegen in voller Ausrüstung in den 23. Stock hinauf.“ Und das bei 30 Grad im Schatten. Da die Feuerwehrleute im Ernstfall immer zusammenbleiben, passen alle ihr Tempo dem Langsamsten an – für die Älteren ist das kein angenehmes Gefühl, wenn die Jüngeren immer wieder warten müssen.
Noch schlimmer aber sei der ständige Adrenalinausstoß, und die Einsätze, bei denen Körper und Geist mitten in der Nacht von null auf hundert gehen müssen. Schon jetzt würden 18 Prozent aller Feuerwehrleute vor dem Erreichen des 60. Lebensjahres ausscheiden, sagt Jürgen Häberle, der Personalratsvorsitzende der Stuttgarter Berufsfeuerwehr, „manche sind mit 55 schon fertig“.
Ein Verhandlungserfolg der Personalvertreter: wer die Gesundheitsprüfung zum Tragen eines Atemschutzgerätes nicht besteht, darf auch künftig schon ohne Abschläge mit 60 in Pension gehen. Damit wurde verhindert, dass diese Kollegen dann als Frühpensionäre Einbußen hätten hinnehmen müssen. Denn Arbeitsplätze, die wenig körperlichen Einsatz mit sich bringen, gibt es bei der Berufsfeuerwehr kaum noch. „Die werden alle wegrationalisiert“, sagt Häberle. Gerade ist in Feuerbach der letzte Rückzugsjob eingespart worden, die Zentrale der Wache ist nicht mehr besetzt. Technische Wartungen, die Pflege der Geräte und Reparaturen würden schon jetzt von den Feuerwehrleuten während der Bereitschaftszeit ausgeführt.
