Hochwasser: Deutschland entspannt, Osteuropa kämpft
Während Deutschland ein sonnig-warmes Wochenende erwartet und sich die Hochwasserlage in Bayern und Brandenburg entspannt, kämpfen viele Menschen in Polen, in der Slowakei und auch in Ungarn weiterhin mit Unwetterfolgen.
Erdrutsche zerstörten mehrere Häuser. Eine wahrscheinlich zweite Flutwelle aus Polen, die in den nächsten Tagen die Oder erreichen könnte, gilt trotzdem als weniger gefährlich als jene der vergangenen Tage.
In Brandenburg werden die aktuell hohen Pegelstände der Oder wohl noch bis zu zwei Wochen bleiben. «Nebenflüsse und auch schon der Warthe-Scheitel schieben eine Menge Wasser nach, deshalb geht das Wasser nur extrem langsam zurück», sagte am Freitag ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums Frankfurt (Oder). Der Hochwasserscheitel der polnischen Warthe erreichte am Freitagnachmittag, 4. Juni 2010, das deutsche Oderufer. Der Hochwasserscheitel der Oder verließ währenddessen das Land Brandenburg in Richtung Szczecin (Stettin) in Polen.
Am Unterlauf des Grenzflusses Oder galt in zwei Landkreisen zunächst weiter die zweithöchste Alarmstufe 3. Dabei werden die Deiche auf ihre Festigkeit kontrolliert. Dagegen senkte die Kreisverwaltung von Märkisch-Oderland die Warnstufe auf Alarmstufe 2.
In weiten Teilen Bayerns ging das Hochwasser nach tagelangem Dauerregen ebenfalls zurück. Überschwemmungen hatten am Donnerstag, 3. Juni, vor allem rund um Passau Probleme bereitet. Nach Angaben das Landesumweltamtes ging das Hochwasser der Donau am Freitag auf die Meldestufen 1 und 2 zurück.
In Polen lösten Gewitter und Dauerregen eine zweite Flutwelle auf der Weichsel und ihren Nebenflüssen aus. «Die Lage ist dramatisch», sagte ein Feuerwehrsprecher in Warschau. Die Gefahr, dass Dämme brechen, sei groß. Der Scheitelpunkt der Weichsel bewegte sich im Tagesverlauf auf Sandomierz zu, rund 200 Kilometer südlich von Warschau. Hunderte Menschen sollten ihre Häuser verlassen, viele weigerten sich jedoch zunächst. In Klodne bei Nowy Sacz zerstörten Erdmassen 30 Häuser, Dutzende waren einsturzgefährdet. In Warschau ließ ein Wolkenbruch Wasser in zwei Krankenhäuser sowie in eine U- Bahn-Station laufen. Viele Keller wurden überflutet.
In der Slowakei war die Lage am Freitag, 4. Juni, im Dorf Nizna Mysla besonders dramatisch. Dort riss ein Erdrutsch an einem Hang mehr als 20 Häuser mit. Angrenzende Häusern mussten evakuiert werden – etwa 200 Menschen waren betroffen. Verzweifelt erzählte ein Mann im Fernsehen, er habe für seinen Hausbau drei Jahre lang in Deutschland gearbeitet, getrennt von seiner Familie. Jetzt, kurz nachdem die Familie eingezogen sei, sei es von dem Erdrutsch zerstört worden.
Auch im ungarischen Edeleny, gut 200 Kilometer nordöstlich von Budapest, kämpften Menschen gegen Fluten des Flusses Bodva. In der Region rund um die Stadt mussten 1500 Menschen ihre Häuser verlassen.
Hochwasserlage in Ostmitteleuropa bleibt angespannt
Keine Entspannung beim Hochwasser in Ungarn, auch Pegel der Donau bei Budapest steigen – Überflutungen und Evakuierungen auch wieder in der Slowakei, Angst vor neuer Flutwelle in Polen, Überschwemmungen in Österreich.
Die Situation in den Hochwassergebieten in Ungarn bleibt auch am Freitag, 4. Juni 2010, enorm angespannt. Im Nordosten des Landes, wo schon viele Felder unter Wasser stehen, Strassen unterspült und zwei Dutzend Gemeinden von der Außenwelt abgeschlossen sind, aber auch in Zentralungarn haben die Menschen mit stetig weiter steigenden Wasserständen zu kämpfen. Entlang der Flüsschen Bodva, Sajó und Hernád sind laut Auskunft des Katastrophenschutzes 12.000 Menschen, darunter fast eintausend Soldaten, damit beschäftigt Deiche und Dämme mit Sandsäcken zu verstärken. Am schlimmsten sieht es derzeit in Edelény, Szendro, Sajóecseg und Gesztély aus, wo durch Überflutungen weite Teile der Gemeinden unter Wasser stehen, allein dort mussten rund 300 Familien ihre Häuser verlassen, insgesamt wurden mittlerweile rund 3000 Menschen zweitweise evakuiert. Nach wie vor sind etliche Straßen in der Region gesperrt. Neben den schon seit Wochen anhaltenden Hochwassern im Norden und Nordosten des Landes, trifft es nun auch zentraler gelegene Gebiete in Ungarn. Etliche Dämme sind durch den lange auf ihnen lastenden Wasserdruck und die beständigen starken Regenfälle bis zur Belastungsgrenze aufgeweicht, Risse zeigen sich an immer neuen Stellen.
Besonders übel sieht es am Fluss Zagyva aus sowie in der Region zwischen Jászbereny und Szolnok. Dort haben die Menschen auch mit dem steigenden Grundwasserspiegel zu tun, der die Keller und Felder überschwemmt. Noch von den vorherigen Fluten sind die Notreservoirs gefüllt, so dass kaum Entlastung gegeben werden kann. Auch im Komitat Csongrád kämpfen 27 Orte mit Grund- und Hochwasser, am schlimmsten ist die Lage in Domaszek.
Schnelle Hilfen und Hotline eingerichtet: Die Regierung, die bereits vor einigen Tagen eine Verdopplung der Flutnothilfen angekündigt hatte, sagte, dass sie swohl den Opfern der Naturkatastrophe die Hilfe zukommen lassen will, die notwendig ist als auch alle Mittel für den weiteren Flut- und Hochwasserschutz ausreichend zur Verfügung stellen will. Eine „Nationale Hochwasser-Hotline“ wurde unter Tel: 1752 eingereichtet, die über einen Sofortfonds von 50 Mio Forint (ca. 180.000 EUR) verfügt, um in akuten Problemfällen sofort helfen zu können.
Auch Donau bei Budapest steigt an: Mittlerweile hat sich auch der Pegel der Donau in Budapest deutlich erhöht, von 4,88 am Mittwoch auf 6,38 am Freitagmorgen, was die erste von drei Hochwasseralarmstufen auslöste. Mit der Sperrung der Uferstraßen muss zum Wochenende abschnittsweise gerechnet werden, größere Überschwemmungen werden aufgrund der Wetterlage derzeit jedoch (noch) nicht erwartet. Auch im Nordwesten in und um Györ kommt es zu Einschränkungen, vor allem durch Straßenschäden.
Slowakei: Helfer im Dauereinsatz: In der Slowakei trat die Žitava über die Ufer, in einer Gemeinde überflutete sie 55 Häuser und hunderte Keller liefen voll, 700 Menschen mussten evakuiert werden. Auch der slowakische Regierungschef hat die Armee in Marsch gesetzt, seit fast drei Wochen ist sie im Einsatz, um an akuten Stellen zu helfen. Fico versprach unbürokratische Hilfen für die Flutopfer.
Orte in Österreich überschwemmt: In Österreich waren Orte an der Enns, der Traun, an der Donau bei Krems und am Inn von Überschwemmungen betroffen, rund 450 Einsatzkräfte waren dort im Einsatz. Teile der Altstadt von Schärding sind überflutet. Eine Bundesstraße musste abschnittsweise gesperrt werden.
Polen hat Angst vor nächster Flutwelle: In Polen stehen Teile der Hauptstadt Warschau unter Wasser, das Kanalsystem wird mit den Wassermassen einfach nicht mehr fertig. Außerdem fürchten die Katastrophenschützer eine weitere Flutwelle der Weichsel.
