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Deutschland: Alte Oder-Deiche weichen auf

Ratzdorf (Deutschland): Die Bewegungen auf den Deichen entlang der Oder werden hektischer. Nachdem der Scheitelpunkt des Oderhochwassers den Süden Brandenburgs erreicht hat,…

… rasen immer häufiger Feuerwehrautos mit Blaulicht und mit Sandsäcken beladene Transporter über den Damm. Allein am Freitagmorgen, 28. Mai 2010, kämpften rund 120 Feuerwehrleute etwa vier Kilometer nördlich von Ratzdorf gegen Risse im Damm. Die Männer schleppten Sandsäcke, hastig wurden Reisigäste gesägt, um den Damm zusätzlich zu verdichten. «Der Deichoberfläche ist hier auf 15 Meter Länge verrutscht und hat einen Riss», sagte ein Feuerwehrmann.

Mehrere Stunden lang türmten die Männer auf einer Länge von 40 Metern am Fuß des Dammes Säcke und Äste auf, dann war das Leck behoben. Weshalb der Deich überhaupt reißen konnte, erklärt ein Inspekteur von der Deichbeobachtung mit der veralteten Bauweise. «Der Deich ist zum Wasser hin zu steil, das Wasser kommt zu leicht rein», sagt er. Zudem habe die fehlende Grasschicht auf der Dammkrone zu dem Riss geführt. «Der Deich war mit Wasser vollgesogen, wurde zu schwer und platzte an der Stelle», sagt der Ingenieur.

Im Gebiet des Landkreises Oder-Neiße seien ausschließlich die unsanierten Deiche aufgeweicht, sagt Birgit Arndt von der dortigen Kreisverwaltung. «Bislang hatten wir zwei kritische Stellen jeweils an den Übergängen von den alten zu den neuen Deichen», sagt sie. So wurde auf einem vier Kilometer langen unsanierten Deichabschnitt zwischen Ratzdorf und Eisenhüttenstadt bereits am Donnerstag eine lecke Stelle entdeckt und abgedichtet.

In der Nacht zu Freitag meldeten dann Deichläufer flussaufwärts bei Ratzdorf das nächste Leck. «Um 6.00 Uhr wurde uns gemeldet, dass es am südlichen Übergang vom alten zum neuen Deich zu einem Riss in der Deckschicht kam», sagt Arndt. Die Einsatzkräfte hätten die Lage allerdings jederzeit unter Kontrolle gehabt. «Zu keiner Zeit bestand die Gefahr eines Dammbruches», sagt sie.

Unterdessen berichten Deichläufer, die seit Dienstag rund um die Uhr die Dämme auf Beschädigungen durch Treibgut sowie auf Sickerstellen kontrollieren, von unzähligen Stellen entlang des alten Deiches, an denen das Wasser mittlerweile in das Hinterland sickert. «Seit das Wasser so hoch steht, werden es ständig mehr», sagt ein Deichläufer. Unmittelbare Gefahr für Anwohner würde durch einen Bruch in diesem Abschnitt allerdings nicht entstehen. Das Hinterland besteht fast ausschließlich aus Weideland und Auenwäldern.

Ein Sicherheitsproblem befürchten die Verantwortlichen des Krisenstabes im Landkreis indes angesichts des bevorstehenden Wochenendes, wenn unzählige Schaulustige in der Hochwasserregion erwartet werden. «Jeder, der nicht hilft, stört», sagt Arndt über den befürchteten Ansturm von Ausflüglern und Touristen. Fahrten an die südliche Oder sind nach ihren Angaben zwecklos. «Es kommt niemand mehr an die Deiche ran. Alle Zufahrtsstraßen sind seit Freitag für Zivilisten gesperrt», sagt Arndt.

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