Oö: 131. Vollversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Steyr
Steyr (Oö): Mit einem Rückblick auf die Hochwassereinsätze im Juni und Juli 2009 begann Bezirks-Feuerwehrkommandant Oberbrandrat Robert Lumesberger am 23. April 2010 seine Ansprache vor der 131. Vollversammlung…
…der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Steyr sowie der vier im Stadtgebiet ansässigen Betriebsfeuerwehren. Nicht zufällig: Zwei Mal verlangten die Einsätze durch die aus den Ufern getretenen Flüsse Enns und Steyr den Florianijüngern alle Kräfte ab, teilweise mussten innerhalb weniger Tage bereits gereinigte Garagen und Keller neuerlich von Schlamm und Wasser befreit werden. Lumesberger kündigte daher an, dass diese Einsätze für Besitzer, die selbst nicht bereit wären Vorkehrungen zu treffen, kostenpflichtig sein würden.
Das war jedoch nicht die einzige Ankündigung, die auf Interesse stieß. Der Bezirkskommandant gab bekannt, dass in Summe die Zeitaufwände der Feuerwehrkameraden für Einsätze, Ausbildungen, Übungen, Wettbewerbe und sonstige Tätigkeiten die Marke von 60.000 Stunden bereits weit überschritten hatten! Weiters gab er einen Überblick auf die Beschaffungen im letzten Jahr, von denen unter anderem jeder einzelne Mann profitierte: Da die alte Einsatzbekleidung den Schutzbestimmungen nicht mehr entsprochen hatte, wurde eine neue persönliche Einsatzbekleidung nach dem letzten Stand der Schutztechnik angeschafft. Dem Löschzug 3 Gleink konnte ein neues Tanklöschfahrzeug mit 1500 Litern Wasser übergeben werden, das auf Grund seiner niedrigen und wendigen Bauweise sämtliche engen Gassen und Durchfahrten in Steyr befahren kann.

Der Gemeinderat hat außerdem die Anschaffung eines neuen Universallöschfahrzeugs beschlossen. Im baulichen Bereich verwies Lumesberger auf die sehr konstruktiven Verhandlungen zum Neubau des Feuerwehrhauses Löschzug 4 Christkindl und drückte seine Hoffnung auf eine baldige Umwidmung des Grundstücks aus. Weniger konstruktiv gestalteten sich jedoch die Planungen zur längst überfälligen Übersiedlung des Löschzugs 2 Steyrdorf und der Bezirkswarnstelle: Seit 1978 konnte dieser offene Punkt keiner Lösung zugeführt werden, dies sei fast schon geschichtsträchtig! Auch im Hinblick auf die Stadtteilentwicklung von Steyrdorf müsse unbedingt bald etwas in Bewegung geraten, nach dem Motto „Stillstand bedeutet Rückschritt“!
Weniger Sorgen machte dem Bezirks-Feuerwehrkommandanten die Personalentwicklung, da die FF Steyr über eine äußerst aktive und gut geführte Jugendgruppe verfügt. Ein weiteres Arbeitsteam aus den Löschzügen 1, 2 und 5 ist an der Arbeit die Mitgliederwerbung betreffend, damit bis 2020 keine zu großen Lücken in der Altersstruktur entstünden. Der Kommandant der Stadtfeuerwehr überreichte schließlich seinem Bürgermeister und Feuerwehrreferenten Gerald Hackl eine der neuen Einsatzjacken, damit dieser seine Feuerwehr adäquat ausgerüstet zu den Hochwassereinsätzen begleiten könnte. Zu Beginn der Jahreshauptversammlung wurde der im Jahr 2009 verstorbenen Mitglieder der FF Steyr gedacht: Helmut Enzendorfer (68), Hubert Sandmayr (82) und Karl Mayr (93). Der Bezirks-Kassenführer Hauptamtswalter Franz Forsthuber legte seinen Rechenschaftsbericht über das Jahr 2009 vor und wurde nach Bericht der Rechnungsprüfer von der Vollversammlung einstimmig entlastet.
Im Anschluss gab Abschnitts-Feuerwehrkommandant Brandrat Gerhard Praxmarer einen Überblick über das Einsatzgeschehen 2009:
Der Mitgliederstand betrug mit 31.12.2009 300 Mann, davon 222 im Aktivstand, 49 Reserve und 29 in der Jugendgruppe. Die Feuerwehr musste 114 Brandeinsätze bekämpfen sowie zu 107 Brandmeldealarmen ohne tatsächlichen Brand ausrücken. Dazu gab es 42 Alarmierungen wegen Brandverdacht, fingierte Anrufe etc. Der Technische und der Wasserzug bewältigten 178 technische Einsätze, davon 18 Verkehrsunfälle. Im Ganzen wurde die FF Steyr demnach 441 Mal alarmiert. Es gab glücklicherweise weder Großbrände zu verzeichnen, noch – dank der guten Ausbildung und Ausrüstung – größere Verletzungen der Feuerwehrkameraden.
Praxmarer bedankte sich weiters bei den Betriebsfeuerwehren von MAN, BMW Motoren, SKF und des Landeskrankenhauses Steyr mit ihren insgesamt 230 Mann, die einen unverzichtbaren Bestandteil des Feuerwehrwesens in Steyr darstellten, und ohne die die FF Steyr ein Vielfaches an Ausrückungen zu bewältigen hätte, für ihre Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. In weiterer Folge wurden verdiente Mitglieder der Feuerwehr ausgezeichnet, beginnend bei der Feuerwehrjugend. Hier gab es eine Neuerung: Zum ersten Mal bestand ein Jungfeuerwehrmann, Christoph Praxmarer, sämtliche Stationen der Feuerwehrjugend, und wurde mit dem Jugend-Leitungsabzeichen in Gold ausgezeichnet.
Das Abzeichen für den Wissenstest in Bronze erhielten Lukas Ecker, Hannes Fuchs, Matthias Fürtbauer, Emil Gruber, Fabian Meinhart, Josef Oberlindober, Alexander Orbes, Marco Petric, Marcel Reiter und Stefan Ries. Mit dem silbernen Abzeichen für ihre Leistungen belohnt wurden Gregor Brunmayr, Klaus und Steffen Eglseer, Simon Leyrer und Florian Maresch. Für 15-jährige Mitgliedschaft in der FF Steyr ausgezeichnet wurden Johannes Auer, Martin Hirschenauer und Reinhard Schlager. Die Medaille für 25 Jahre Dienstzeit erhielten Daniel Biegel, Thomas Biringer, Rudolf Gross, Christian Mitterbaur, Gerhard Praxmarer jun., Christian Riha, Helmut Sandmayr und Helmut Attwenger (Betriebsfeuerwehr BMW); für 40 Jahre Johann Finner, Karl Löffler und Kutz Neuwirth.

Für 50 Jahre Dienst in der Feuerwehr ausgezeichnet wurden Josef Hackl, Johann Nebauer und Max Zamazal. Das Oberösterreichische Verdienstkreuz II. Stufe wurde überreicht an Josef Dostal und Karl Putz. Mit dem Österreichischen Verdienstkreuz III. Stufe geehrt wurden Gottfried Czaby, Josef Großeiber (Betriebsfeuerwehr LKH) und Otto Schörkhuber (Betriebsfeuerwehr BMW). Das Österreichischen Verdienstkreuz II. Stufe erhielten Werner Franchi, Josef Ecker, Dietmar Hahn und Helmut Süsser. Die Medaille des Bezirks-Feuerwehrkommandos wurde an Florian Himmelfreundpointner sen. sowie an Chefinspektor i.R. Leo Stöger für die jahrelange gute Zusammenarbeit mit der Funkleitstelle der Polizei Steyr übergeben. Und schließlich erhielt Dipl.-Ing. Gottfried Brunbauer von der Firma Rosenbauer die Florianiplakette der FF Steyr, ebenfalls für die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Feuerwehrausstatter.
Im Anschluss wurden Feuerwehrmänner angelobt, die mindestens 12 Monate bei der FF Steyr im Aktivstand waren und die Grundausbildung abgeschlossen hatten. Es sind dies Stefan Bader, Dominik Brunner, Benjamin Hamersky, Josef Hofmann und Alexander Brandl. Nach der von Abschnitts-Feuerwehrkommandant Praxmarer vorgetragenen Gelöbnisformel bekräftigten sie ihr Versprechen dem Bürgermeister und dem Bezirkskommandanten mit Handschlag. Es folgten die Ansprachen der höchsten anwesenden Ehrengäste. Bürgermeister und Feuerwehrreferent von Steyr Gerald Hackl drückte den Dank der Stadt aus – nicht nur der Politik, sondern aller Bürger, die wüssten, was sie an ihrer Feuerwehr hätten. Das letzte Hochwasser sei nur deshalb so glimpflich abgegangen, weil die Männer an ihre Grenzen gegangen wären.
In einer Zeit des Werteverlusts sei die Feuerwehr ein Paradebeispiel für hochgehaltene Werte wie die Aufopferung für andere Menschen. Auch der Jugend würde das Ehrenamt von Kindesbeinen an vermittelt, sie würde bei der Feuerwehr in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Der stellvertretende Landes-Feuerwehrkommandant, Dr. Wolfgang Kronsteiner, betrachtete die Jahreshauptversammlung als einmalige Gelegenheit im Jahr inne zu halten, zurückzublicken und stolz zu sein auf die Leistungen des vergangenen Jahres. Der Umgang mit Krisen machte weiser und ließe Menschen gestählt daraus hervorgehen. Man müsse aber die Menschen auch zur Eigenverantwortung zwingen. Die Feuerwehren seien da, wenn der Einzelne überfordert wäre, aber nicht zur Unterstützung von „Faulheit“. Er überbrachte die Grüße des Landes-Feuerwehrkommandanten und bedankte sich in seinem Namen für die geleistete Arbeit, besonders als Stützpunkt des Landes.
Der Bürgermeister von Wolfern Franz Schillhuber, als Landtagsabgeordneter Vertreter der Landesregierung, stellte die Jugend als Rückgrat der künftigen Feuerwehr heraus. Im Land würde bereits strategisch für die Zukunft des Feuerwehrwesens 2030 geplant. Sein Bürgermeisterkollege von Steyr könne sich glücklich schätzen, bereits nach einem Jahr Amtszeit ehrenhalber in die Feuerwehr „aufgenommen“ worden zu sein, stellt er launig fest. Mit einem gemeinsamen Abendessen klang die Jahreshauptversammlung aus.
