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D: Schlimmes Schneechaos in Norddeutschland

Deutschland: Heftige Schneestürme haben in Norddeutschland für chaotische Zustände gesorgt. Auf der Autobahn 20 in Mecklenburg-Vorpommern wurden fast 200 Menschen in Autos…

… Lkws und einem Reisebus eingeschneit und saßen nachts in ihren Fahrzeugen fest. Erst am Morgen des 10. Jänner 2010 konnten sie von Polizei und Rettungsmannschaften befreit werden. Dramatisch war die Situation auch in Schleswig-Holstein, wo wegen Schneeverwehungen mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Zudem trat die Ostsee über die Ufer. Bei Dahmeshöved drohte ein Deich zu brechen.

Mit einem Tag Verspätung sorgte das Tief «Daisy» damit doch noch für die vielfach befürchtete Katastrophe. Die Polizei appellierte dringend an die Menschen, ihr Auto stehenzulassen. Am schlimmsten war die Lage auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern südlich von Jarmen, wo zahlreiche Menschen die Nacht über in ihren Fahrzeugen festsaßen und vom Technischen Hilfswerk und anderen Rettungskräften versorgt werden mussten. Betroffen waren nach Polizeiangaben 167 Menschen, die in mehreren Autos, einem Reisebus und 12 bis 20 Lastwagen festsaßen. Wegen des anhaltenden Schneefalls gelang es den Einsatzkräften stundenlang nicht, die Eingeschneiten freizubekommen. Nach Angaben der Autobahnpolizei Altentreptow waren Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte zwischen 03.00 Uhr nachts und 07.30 Uhr morgens im Großeinsatz. Erst am Morgen hatten sie sich mit Hilfe von Fräsen zu den Eingeschlossenen vorgearbeitet. Nach ihrer Befreiung wurden die Menschen den Angaben zufolge in Jarmen in aufgebauten Zelten betreut. Die ersten Notrufe hatte es demnach schon am Samstagabend, 9.1.2010, um 20.00 Uhr gegeben. Das Technische Hilfswerk war noch am Sonntagvormittag mit dem Abschleppen der letzten Fahrzeuge beschäftigt.

Auf den Inseln Rügen und Usedom wie auch auf den Halbinseln Fischland, Darß, Zingst sowie dem küstennahen Festland brach den Angaben zufolge der Verkehr fast völlig zusammen. Schon am Samstagnachmittag hatte der Nahverkehr im Küstenbereich den Betrieb eingestellt. Auch Bahnstrecken mussten gesperrt werden.

Überschwemmungen auch in Lübeck: Auch ein Schneesturm über Lübeck und Ostholstein beschäftigte zahlreiche Einsatzkräfte. Die Polizei bezeichnete die Situation am Sonntagmorgen als unverändert angespannt. In Ostholstein waren fast alle Kreis-, Gemeinde- und Nebenstraßen unpassierbar. Lediglich die Autobahnen und Bundesstraßen wurden in Minutenabständen geräumt. Trotzdem kam es auch dort zu Behinderungen durch plötzlich auftretende Schneewehen.
In Neustadt, Heiligenhafen und auch an anderen Badeorten trat nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck die Ostsee über die Ufer. Bei Dahmeshöved drohte ein Deich zu brechen, dort halfen zahlreiche Menschen und versuchten, das Schlimmste zu verhindern.

Auf der Insel Fehmarn ging fast nichts mehr, dort war nur die E 47 befahrbar, alle Ortschaften seien «mehr oder weniger sich selbst überlassen», erklärte die Polizei. Auch in Lübeck selbst kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen. So stellte die Priwallfähre ihren Betrieb bis auf weiteres komplett ein, so dass der Stadtteil praktisch von der Außenwelt abgeschnitten war.

Auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar:
Kleine Ortschaften wie Blankensee, Vorrade oder Wulfsdorf und auch unzählige Dörfer in Ostholstein waren auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar. Der Pegelstand der Trave stieg in der Lübecker Altstadt auf 6,50 Meter, das Wasser trat über die Ufer. Auch in Travemünde sei die Situation äußerst angespannt. «Die Wellen der Ostsee peitschen gegen die steinerne Strandpromenade, reißen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumfliegen», teilte die Polizei mit.
Allein in Ostholstein gingen in der Nacht 253 Notrufe bei der Polizei ein. Ständig drohten Baugerüste umzuwehen oder Bäume abzuknicken. Viele Menschen steckten mit ihren Fahrzeugen in meterhohen Schneewehen fest.

Mecklenburg-Vorpommern richtet Krisenstab ein
In Mecklenburg-Vorpommern ist nach der Schneekatastrophe am Sonntag, 10. Jänner 2010, ein Krisenstab gebildet worden. Wie es hieß, wurde der Interministerielle Führungsstab im Schweriner Innenministerium einberufen, um überörtliche Hilfe zur Bewältigung der schweren Wetterfolgen in den Landkreisen zu organisieren. Neben dem Chaos auf der Küstenautobahn 20, wo 167 eingeschneite Menschen erst nach Stunden aus ihren Fahrzeugen befreit werden konnten, war auch der Zugverkehr schwer beeinträchtigt.

Auf der Strecke Stralsund-Pasewalk-Berlin bei Anklam war am Sonntagmorgen nach DB-Angaben ein Personenzug festgefahren, an dessen Befreiung das Technische Hilfswerk und Feuerwehr zunächst noch arbeiteten. Wegen starker Schneefälle und meterhohen Schneeverwehungen wurden in Mecklenburg-Vorpommern folgende Strecken völlig gesperrt: Sanitz (bei Rostock)-Tessin, Grimmen-Demmin, Bergen auf Rügen-Putbus, Stralsund-Greifswald-Pasewalk, Neubrandenburg-Güstrow, Stralsund-Barth, Wolgast-Züssow und Zinnowitz-Peenemünde. Die Deutsche Bahn war den Angaben zufolge mit allen verfügbaren Winterdienstkräften und schwerer Winterräumtechnik im Einsatz, um die Strecken wieder befahrbar zu machen.

Mit Schneefall und stürmischem Wetter hatte das Tief «Daisy» landesweit den Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern weitgehend zum Erliegen gebracht. Selbst auf der Küstenautobahn A 20, die vorrangig geräumt wurde, ging streckenweise gar nichts mehr, wie die Polizei mitteilte. Sogar die Winter- und Notdienstfahrzeuge blieben bei ihren Einsätzen in meterhohen Schneewehen stecken. «Wir kommen mit dem Räumen nicht mehr nach», betonten landauf, landab die Vertreter des Straßenwinterdienstes.

Zwei Tote bei Verkehrsunfall in Nordvorpommern
Zwei Verkehrstote meldete die Polizeidirektion Stralsund. Trotz des extremen winterlichen Wetters und polizeilicher Empfehlungen die Autos stehen zu lassen, hatte sich am Samstagabend ein 29-Jähriger in Nordvorpommern auf den Weg gemacht und war aus Wendisch-Baggendorf kommend von der Straße abgekommen. Er prallte mit seinem Auto gegen einen Baum. Der Fahrer und ein 27-jähriger Mitinsasse starben noch am Unfallort. Die Polizei sprach die dringende Warnung aus, bis zur Entspannung der Wetterlage auf Autofahrten zu verzichten.

Auch der Fährbetrieb innerhalb des Landes und auch die Auslandslinien von Scandlines stellten vorerst ihre Fahrten Richtung Skandinavien ein.
Wie das Innenministerium in Schwerin bekanntgab, wird der Interministerielle Führungsstab gebildet, wenn zur Abwehr oder Bekämpfung eines außergewöhnlichen Ereignisses einschließlich des Katastrophenfalls eine ressortübergreifende Zusammenarbeit erforderlich ist. Er soll bei Großschadenslagen und Katastrophen von landesweiter Bedeutung das Handeln der obersten Landesbehörden sowie der Katastrophenschutzbehörden bündeln und koordinieren und die zur Lagebewältigung erforderlichen grundlegenden Entscheidungen treffen

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