Russland: Brandkatastrophe in Lokal -> 112 Todesopfer
Perm (Russland): Bei der schwersten Brandkatastrophe in Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion sind am 4. Dezember 2009 Wochenende mindestens 112 Menschen ums Leben gekommen.
Den Behörden zufolge hatten die Betreiber des Clubs «Lahmes Pferd» mehrfach Aufforderungen ignoriert, die Feuerschutz-Vorschriften einzuhalten. Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu erklärte, sie hätten deswegen bereits zwei Mal ein Bußgeld erhalten und hätten am kommenden Montag über die Behebung der Mängel Bescheid geben sollen. Für die Pyrotechnik-Show in der Nacht zum Samstag sei keine Erlaubnis erteilt worden, betonte Schoigu in einer Videokonferenz mit Medwedew.
Nach Behördenangaben fing eine Zwischendecke aus Plastik Feuer, die Flammen breiteten sich binnen Sekunden weiter aus. Die meisten Toten erstickten, starben an einer Rauchvergiftung oder wurden im panischen Gedränge Richtung Ausgang zu Tode gedrückt. Auf Fernsehbildern waren verbrannte Leichen zu sehen, die vor dem niedergebrannten Gebäude aufgereiht waren. Der Zustand von Dutzenden Verletzten wurde von Ärzten als kritisch beschrieben. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich über 200 Gäste in dem Club auf und feierten den Jahrestag seiner Eröffnung.
Panisches Gedränge am einzigen Ausgang: Videoaufnahmen eines Augenzeugen zufolge reagierten die Moderatoren der Bühnen-Show zunächst sehr gelassen auf den Brand. «Ladies und Gentlemen, werte Gäste, wir stehen in Flammen. Bitte verlassen Sie den Saal», ist in beiläufigem Ton auf den Aufnahmen zu hören, die im russischen Fernsehen ausgestrahlt wurden.
Augenzeugen erklärten, die Flammen hätten sich rasend schnell vorangefressen, und der Club habe nur einen Ausgang gehabt. «Es gab nur einen Weg nach draußen. Ich wurde fast totgetrampelt», sagte Swetlana Kuwschinowa der Nachrichtenagentur AP. Eine andere junge Frau, Olga, sagte, die Gäste hätten Türen eingetreten, um ins Freie zu kommen. «Panik ist ausgebrochen, alles war verraucht.» Die Feuerwehr konnte den Brand nach knapp einer Stunde löschen.
Jährlich 18.000 Tote bei Bränden: Erste Vermutungen, nur eine Woche nach dem Anschlag auf den Schnellzug von Moskau nach Sankt Petersburg hätten abermals Terroristen zugeschlagen, bestätigten sich nach Angaben der Ermittlungsbehörden nicht.
Die Großstadt Perm mit rund einer Million Einwohnern liegt rund 1.200 Kilometer östlich von Moskau im Uralgebirge. Die Katastrophe unterstreicht den oft laxen Umgang mit Brandschutzvorschriften in Russland. Jährlich kommen 18.000 Menschen bei Bränden ums Leben – pro Einwohner ist das ein Vielfaches der Opferzahl in den USA oder in Europa. Die bislang tödlichste Brandkatastrophe seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war ein Feuer in einer Pflegeeinrichtung im März 2007 in Südrussland. Damals kamen 63 Menschen ums Leben.
