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Deutschland: Erdrutscht reißt zwei Wohnhäuser in den Concordia-See

Nachterstedt (Deutschland): Ein «Harzer Seeland» in Sichtweite des Brockens sollte der Concordia-See im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt) werden. Am frühen Samstagmorgen, 18. Juli 2009, zerstörte ein Unglück die Idylle:

Aus ungeklärter Ursache kam es zu einem gewaltigen Erdrutsch. Zwei Wohnhäuser sackten in Nachterstedt weg; ein Doppelhaus und eine Hälfte eines weiteren Doppelhauses verschwanden mit den Erdmassen im See. Die andere Hälfte des Gebäudes blieb auf der 140 Meter höher liegenden Anhöhe am Kraterrand stehen.

In dem völlig versunkenen Doppelhaus wurden drei, möglicherweise vier Menschen begraben. Darin wohnten zwei Ehepaare. Vermisst werden eine 48-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 50 und 51 Jahren, die vermutlich während des Einsturzes schliefen und ums Leben kamen. Die andere Frau war an ihrem Arbeitsplatz in Nachtschicht. Außerdem könnte sich darin ein 22-jähriger Sohn eines Ehepaars befunden haben. Das Ehepaar aus dem anderen betroffenen Doppelhaus hatte ebenfalls Glück im Unglück: Es befindet sich im Urlaub. Im Lauf des Tages erfuhren der Mann und die Frau, dass nach ihnen über ADAC-Reiseruf gesucht wurde, daraufhin meldeten sie sich.

Im Nachthemd evakuiert: Vor dem Erdrutsch war dort noch kein Abhang, sondern nur leicht zum einstigen Tagebau hin abfallendes Gelände, oben bebaut mit einigen Doppelhäusern, die vor mehr als 80 Jahren als Werkswohnungen für den Bergbau entstanden. Die Unglücksstelle hat einen Durchmesser von rund 500 Meter. Mit den Häusern verschwanden eine Straße, ein Aussichtspunkt, der einen herrlichen Blick auf das entstehende Nacherholungsgebiet bot, eine alte Lok und Baggerschaufeln aus jenen Zeiten, als bei Nachterstedt noch Braunkohle abgebaut wurde. «Auch unsere neue, 500.000 Euro teure Slipanlage, die für Reparaturarbeiten am Ausflugsschiff ‚Seelandperle‘ gerade für 500.000 Euro errichtet wurde, gibt es nicht mehr», so Bürgermeister Siegfried Hampe.
Hampe war am Morgen gleich nach dem Sirenengeheul der Feuerwehr vor Ort, fand dort total verstörte und weinende Bewohner der Nachbarhäuser vor, die in Nachthemd und Schlafanzug auf die Straße gestützt waren. Sie wurden zunächst in der Turnhalle des Ortes, später in Ferienwohnungen untergebracht, eine alte Dame kam mit einem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus.

Bei der Pressekonferenz am Nachmittag klagte ein Betroffener: «Wir haben nur noch das, was wir am Leibe tragen.» Eine Frau sorgte sich um ihre Katze, die sich noch im Haus im gesperrten Gebiet befinde. Der Bürgermeister verteilte Gutscheine unter den rund 40 Evakuierten, die bei Verwandten und in Ferienwohnungen untergebracht wurden.

Anwohner fassungslos: Fassungslosigkeit kennzeichnet die Stimmung unter den Nachterstedtern an diesem Tag. «Keine Ahnung, wie das passieren konnte», so der Bürgermeister. Wir dachten, wir sind sicher hier.»
Fast bis an den Ort heran wurde bis 1990 Braunkohle abgebaut. Seit 1998 wird das Tagebauloch für die touristische Nutzung geflutet. Auf der gegenüberliegenden Seite in Schadeneben wird schon seit etlichen Sommern gebadet. Rund 20 Meter sollte das Wasser in den nächsten Jahren noch steigen, die bisher 400 Hektar große Seefläche auf 650 Hektar anwachsen, wie die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mitteilte.
Vorerst hat die Polizei alle Zugänge zum Ufer abgesperrt. «Es wäre viel zu gefährlich, sich sowohl von Land als auch vom Wasser der Unglücksstelle zu nähern», sagt Ursula Rothe, die Sprecherin des Salzlandkreises. Erst wenn die Experten des Bergamtes bestätigten, dass keine weiteren Erdrutsche zu erwarten sind, könne man überhaupt mit der Sicherung des Hangs beginnen und versuchen, zu den Vermissten vorzudringen.

Dass die heftigen Regenfälle die Ursache der dramatischen Ereignisse gewesen sein können, glaubt hier keiner so recht. «Geregnet hat es doch früher auch», sagen die Leute und vermuten, dass vielleicht nicht alle Entwässerungsgräben und Hohlräume aus Bergbauzeiten ordentlich verfüllt worden sind. «Ich denke, der See hat das Land da vorn unterspült», sagt eine Frau, die ihr eigenes Haus, nur wenige Meter von der Unglücksstelle entfernt, eigentlich verkaufen wollte. «Das kann ich jetzt wohl vergessen.» Für die Suche nach der Einsturzursache und Sicherung des Gebiets ist vor allem das Landesamt für Geologie und Bergwesen zuständig, das dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit untersteht.

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