Mexiko: 38 Kleinkinder sterben bei Brand in Kindergarten
Mexiko: Das Feuerinferno brach in der friedlichen Zeit des Mittagsschlafes über den Kindergarten «ABC» in der mexikanischen Stadt Hermosillo herein. 38 Babys und Kleinkinder erstickten oder verbrannten trotz verzweifelter Rettungsversuche der Feuerwehr und herbeigeeilter Passanten.
Gegen 15 Uhr am Freitag, 5. Juni 2009, war es nach ersten Erkenntnissen der Behörden aus bisher unbekannter Ursache in einer angrenzenden Garage zu einer schweren Explosion gekommen. In einer Kettenreaktion explodierten die Benzintanks dort abgestellter Fahrzeuge, und das Flammenmeer breitete sich in Sekundenschnelle auf den Kindergarten aus.
Bei der schlimmsten Feuerkatastrophe in einem mexikanischen Kindergarten wurden nach Angaben vom Samstag mindestens weitere 50 Kleinkinder zum Teil lebensgefährlich verletzt. Auch sechs Erwachsene mussten ins Krankenhaus. Der Eingang der Kindertagestätte wurde von einer Feuerwand versperrt, Teile des Blechdaches stürzten ein. Dicker schwarzer Qualm drang aus dem blau, rosa und gelb angemalten Haus. Die Feuerwehr rammte mit ihren Fahrzeugen Fluchtlöcher in die Außenwände, Menschen rannten mit mehreren Babys im Arm von dem Gebäude weg, während Ärzte auf dem Gehweg vergeblich versuchten, kleine Kinder zu reanimieren. Selbst hartgesottene Feuerwehrleute reagierten fassungslos. Die verletzten Kinder wurden zum Teil mit schweren Vergiftungen und Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht, während Eltern in ohnmächtiger Panik von Klinik zu Klinik eilten, um ihre Kinder zu finden.
Mexikos Präsident Felipe Calderón zeigte sich schockiert über die Tragödie und sprach den betroffenen Familien sein tiefes Beileid aus. Die Generalstaatsanwaltschaft wies er an, die Ursache des Brandes schnell und umfassend aufzuklären. Zudem wurden 15 Spezial-Ärzte in die Stadt im Nordwesten des Landes geschickt. Ein Sonderflugzeug sollte etwa 30 Kinder in die Spezialklinik Shrinners für Kleinkinder mit Verbrennungen nach Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien bringen.
In Hermosillo, der Hauptstadt des wüstenartigen Bundesstaates Sonora, machte sich unterdessen Chaos breit. Die Stadt mit mehr als 700 000 Einwohnern hallte von den Sirenen dutzender Krankenwagen wieder. Die Stadt liegt rund 1900 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt.
Zunächst hatte es geheißen, das Feuer habe seinen Anfang in einem nahe gelegenen Reifenlager genommen. Der Eigentümer des Unternehmens dementierte das jedoch. Unklar war auch noch, wie viele Kinder sich zum Zeitpunkt des Unglücks überhaupt in dem Kindergarten aufhielten. Die Rede war von mindestens 150 Kindern. Ob der private Kindergarten, der unter staatlicher Aufsicht stand, den Brandschutzbestimmungen entsprach, galt als fraglich.
ORF-Bericht:
Die Opfer sind zwischen drei Monaten und zwei Jahren alt. Zu der Katastrophe in der Stadt Hermosillo war es am Freitag, 5. Juni 2009 (Ortszeit), gekommen. Als Auslöser gilt ein Brand in einem angrenzenden Reifenhandel, der anschließend auf den Kindergarten übergriff. Zum Unglückszeitpunkt befanden sich über 100 Kinder in dem Gebäude.
Brandwunden und Rauchgasvergiftungen: Mindestens 30 gerettete Kinder hätten schwere Brandwunden erlitten und wurden zur Behandlung in den benachbarten US-Bundesstaat Arizona ausgeflogen, berichtete die Zeitung „El Imparcial“. Die anderen, die hauptsächlich Rauchgasvergiftungen erlitten hatten, wurden in mexikanischen Krankenhäusern versorgt.
Präsident ordnet Untersuchung an: Staatspräsident Felipe Calderon zeigte sich in einer ersten Reaktion schockiert von dem Unglück. Er teilte mit, dass Ärzte, die auf die Versorgung von Brandverletzungen spezialisiert sind, nach Hermosillo geschickt worden seien. Zugleich wies er die Generalstaatsanwaltschaft an, eine Untersuchung des Vorfalls einzuleiten.
Laut ersten Erkenntnissen war der Brand aus vorerst unbekannten Gründen in einem angrenzenden Reifengeschäft ausgebrochen und hatte danach auf den Kindergarten „ABC“ im Süden der Stadt übergegriffen.
Bis zu 120 Kinder im Gebäude: In dem Kindergartengebäude hielten sich nach Angaben des Roten Kreuzes zum Unglückszeitpunkt 100 bis 120 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf. Wie mexikanische Medien berichteten, eilten verzweifelte Eltern zum Brandort und in die Krankenhäuser der Stadt, um nach ihren Kindern zu suchen.
Schwieriger Rettungseinsatz: Rot-Kreuz-Koordinatorin Guadelupe Ayala schilderte den Einsatz der Rettungskräfte als äußerst schwierig: „Die Feuerwehr musste Löcher in die Wände schlagen, um zu den Kindern zu gelangen.“ Das Gebiet um den Unglücksort wurde großflächig abgeriegelt.
Wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Jose Larrinaga, berichtete, befand sich zum Zeitpunkt des Brandes fast die gesamte Spitze von Polizei und Zivilschutz von Hermosillo außer Landes. Sie hielten sich zu einem Treffen mit ihren US-Kollegen in Tucson (US-Bundesstaat Arizona) auf.
Hermosillo ist die Hauptstadt des Bundesstaates Sonora, hat mehr als 700 000 Einwohner und liegt rund 1.900 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt.
Bericht vom 7. Juni: 38 Kinder getötet:
Die Zahl der beim Kinderkrippen-Brand in Mexiko ums Leben gekommenen Kleinkinder hat sich auf 38 erhöht. Weitere 15 Kinder schwebten noch in Lebensgefahr, teilte der Gesundheitsminister des Bundesstaates Sonora in Hermosillo mit. Diese Kinder könnten bereits „in den nächsten Stunden“ sterben, fügte der Politiker erschüttert hinzu. Insgesamt lägen 38 Babys und Kleinkindern in Krankenhäusern.
Das Feuer war am Freitag in einer Krippe in Hermosillo im Nordwesten von Mexiko ausgebrochen, als viele der Kinder im Alter zwischen drei Monaten und zwei Jahren gerade schliefen. Die Brandursache stand zunächst nicht fest. Die meisten getöteten Kinder erstickten, andere verbrannten bei lebendigem Leib. Nach Angaben von Anrainern sei das Feuer in einem benachbarten Reifenlager ausgebrochen. Die Geschäftsinhaber wiesen die Darstellung jedoch zurück.
Kritik wurde an den Sicherheitsvorkehrungen in der Krippe laut. Berichten zufolge gab es in dem Gebäude keine Notausgänge. Auch die Rettungskräfte sollen erst spät am Unglücksort eingetroffen sein. Der mexikanische Präsident Calderon versprach den Angehörigen eine genaue Untersuchung des Tathergangs sowie die Bestrafung möglicher Verantwortlicher. Er fühle „tiefsten Schmerz“, erklärte er in Cancun, von wo aus er sich auf den Weg nach Hermosillo machen wollte.
