Sensationsgier und Schaulust behindern Einsatzkräfte
Menschen mit Schaulust, und der Gier nach Sensationen, behindern regelmäßig die Arbeit der Rettungsdienste. Schwarze Rauchwolken und/oder die Martinshörner der Einsatzfahrzeuge dienen den Sensationslüsternen als Wegweiser.
In kürzester Zeit sind Straßen und Felder um die Einsatzorte dicht bevölkert. Aber dem nicht genug – selbst Anfahrtswege werden verstellt, und das zeitgerechte Eintreffen der Retter wird sehr oft verhindert.

Schaulustige amüsieren sich am Einsatzort. So z.B. am erschreckten, und panischem Verhalten der in letzter Minute dem Feuer entronnen Rinder. Dass die Tiere hierbei Feuerwehrleute und andere Menschen umrennen, scheint die Stimmung zu heben. Ein in hellen Flammen stehendes Gebäude bereitet den „Zuschauern“ sichtlich Freude. Das einstürzende Dach löst Jubelstürme aus. Die Stimmung gleicht der auf einem Volksfest. Menschen in psychischen Ausnahmezustand, welche damit drohen, von Hausdächern oder Brücken zu springen, werden von Schaulustigen lautstark zum Springen aufgefordert.
Hierzu die Steigerung der Brisanz. Die Medien berichten dieser Tage darüber, dass Millionen Menschen, einem Suizidenten, im Internet beim grausamen Todeskampf zugeschaut haben. Erst nach dem von der Web-Kamera keine Lebenszeichen mehr gesendet wurden, hatten einige der vielen Zuschauer die Polizei verständigt. Bei Verkehrsunfällen kann man beobachten, dass Eltern kleine Kinder hochhalten, so dass diese besser am Einsatzgeschehen teilnehmen können. Um die besten Plätze wird unter den Katastrophentouristen regelrecht gerungen. Aktion ist gefragt. Hierbei haben die Neugierigen keine Hemmungen. Sie trampeln sogar mit den Füßen in den Notfallkoffern der Retter herum, und zerstören hierbei Ausrüstungsgegenstände. Die Polizei muss Rettungsfachpersonal regelmäßig unterstützen. Gaffer werden gelegentlich unter Androhung von Zwangsmaßnahmen von den Einsatzstellen entfernt. Diese Aufzählungen, auch eigener Erfahrungen, könnte man in unendlicher Reihenfolge fortsetzen. Da dieser Sensationshunger vieler Menschen, bei Notfällen jedweder Art, offensichtlich, und in beängstigender Form stetig zunimmt, stellt sich die Frage nach dem wieso und warum.
-Was zieht diese Informationshungrigen, die keine offiziellen Berichterstatter sind, regelmäßig und in großer Anzahl zu den Unglücksorten?
-Bringen dreihundert Fernsehsender nicht die gewünschte Aktion? Sind die vielfältigen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung ausgelaugt?
-Benötigt man Gesprächsstoff um jeden Preis, um dann Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen als dankbare Zuhörer zu finden?
-Was läuft in den Köpfen dieser Menschen ab?
Dieses Verhalten gibt jedenfalls Grund zur Sorge. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste haben allergrößte Schwierigkeiten, Schaulustige von den Notfallorten fernzuhalten. Sie stoßen auf Widerwillen und Unverständnis. Nicht nur, dass Rettungsdienste behindert werden, die Schaulustigen bringen sich und die Einsatzkräfte oftmals in Lebensgefahr. Ich konnte an einer Einsatzstelle miterleben, wie sich ein „Notfall -Tourist“, welcher sich inmitten von Rauchschwaden befand, neben einem beschädigten Gastanker, genüsslich eine Zigarette entzündete, und dann tief inhalierend die Brandbekämpfung verfolgte. Lösungsansätze sind gefragt. Ich bin nicht der Fachmann, und demnach auch nicht autorisiert die Frage nach einer eventuellen krankhaften Ausgangssituation zu beantworten. Eventuell können Psychologen und Psychiater weiter helfen. Mich aber, stimmt diese unrühmliche Zeiterscheinung, in der sich Menschen vermehrt am Leid anderer erfreuen, sehr nachdenklich. Die zunehmende Verrohung in unserer Gesellschaft macht mir Angst.
